Ausstellung 15.09.21 bis 15.05.22

Gäubodenmuseum

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25 Jahre Figurentheaterfestival Straubing

Straubing, Gäubodenmuseum: Die Entwicklung des Straubinger Figurentheaterfestivals vom konventionellen Guckkastentheater hin zu offeneren Spielformen für Erwachsene mit seinem Trend zu gesellschaftskritischen Themen. Bis 15.5.22

2021 sollten zum 25ten Mal Handpuppen, Stabfiguren, Schattenbühnen, Marionetten und Großfiguren für das Straubinger Figurentheaterfestival ausgepackt werden: ein Festival, welches über die Szene hinaus mittlerweile zu Recht bundesweite Ausstrahlung genießt und zu den größten seiner Art in Deutschland gehört. Doch fiel das Jubiläumsfestival wegen den Folgen der Corona-Pandemie aus.

Anliegen der Ausstellung ist es die Entwicklung des Straubinger Figurentheaterfestivals Revue passieren lassen: vom konventionellen Guckkastentheater hin zu offeneren Spielformen, von der künstlerischen Bandbreite des zeitgenössischen Kindertheaters und den inhaltlichen Entwicklungen des Figurentheaters für Erwachsene mit seinem Trend zu gesellschaftskritischen Themen, welche formal einen Mix der Genres nach sich ziehen.

Neben dem Ziel die Welt der Puppentheaterkultur allen Generationen näher zu bringen, werden auch Hintergründe zu den historischen Wurzeln dieser Theaterform aufgezeigt, ebenso wie Spieltraditionen bayerisch-böhmischer Raum.

Jackl und Seppl

In Straubing aufgewachsen, lernte Anton, Toni Mauser (1879-1976) das Tischlerhandwerk. In München trat er als Gesangshumorist auf und fand Anschluss an dortige Singspielgesellschaften. Mit einem selbst gegründeten Schrammelquartett bereiste er Süd­deutsch­land.

1910 erlernte er schließlich in Kiel bei dem Bauchredner Paul Rudolf Segommer das Bauchreden. In Straubing trat er damit offenbar damit erstmals 1912 auf. Die Akteure waren die beiden Puppen Jackl und Seppl, die – nachdem sich Mauser zuvor im Publikum über lokale Geschehnisse informiert hatte – im wechselseitigen Gespräch die Zuschauer ausrichteten.

Straubing blieb ab 1912 Mausers Lebensmittelpunkt. Wenngleich stets mit Musikgruppen und seinen Puppen unterwegs, machte er sich als Gastwirt u.a. der Wirtschaften „Bräuhauskeller”, „Setzkeller” oder der „Gaststätte zu den Barmherzigen Brüdern” einen Namen. Überstrahlt wurde dies jedoch durch sein künstlerisches Können als Musikant und Bauchredner. 1976 verstorben, wird an Toni Mauser bis heute mit seinen Puppen Jackl und Seppl erinnert.

Hohnsteiner Handpuppen

Einer Linie der Adelsfamilie Knigge zugehörig, der das Tragen des Namens aus familiären Gründen nur in umgekehrter Schreibweise gestattet war, lernte Theo Eggink in den 1920er Jahren den Puppenspieler Max Jacob kennen. Beide standen der Wandervogelbewegung nahe, die ab 1900 nach neuen Lebensformen suchte.

Rasch ergab sich zwischen Eggink und Jacob eine tiefe Freundschaft, aus der eine künstlerische Zusammenarbeit erwuchs.

So entwickelte Eggink mit Jacob einen neuen Kasper-Charakter: nicht mehr der wüste Haudegen, sondern ein fröhlich lachender Kinderfreund, mit dem nun auch Stücke mit pädagogischem Anspruch in Schulen und anderen Einrichtungen gespielt werden konnten.

Eggink wurde Stammschnitzer des Hohnsteiner Puppentheaters und Wegbereiter des bis heute vertrauten Kasper-Ensembles mit König, Prinzessin, Hexe und Teufel, Seppel und Großmutter sowie Polizist. Während bis heute die Egginkschen Handpuppenköpfe für Liebhaber und sozialpädagogische Einrichtungen hergestellt werden, erlebt man Egginks Figuren auf der Bühne nur mehr selten.

Die Zauberflöte

Die Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) nach einem Libretto des in Straubing geborenen Emanuel Schikaneder (1751-1812) ist eine der weltweit bekanntesten und am häufigsten inszenierten Opern. In ihrer Märchenhaftigkeit zählt „Die Zauberflöte” mittlerweile auch zum Standardrepertoire des Marionetten- und Figurentheaters, da sie für Jugendliche wie Erwachsenen leicht zugänglich ist.

Das Windsbacher Puppentheater Kaspari (1976-2001) inszenierte die Oper 1991. Besonderes Markenzeichen der Bühne war, dass die musikalischen Marionetten-Inszenierungen von Live-Gesang begleitet wurden.

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