Ausstellung 11.06. bis 30.08.20

Historisch-Technisches Museum Peenemünde

Albert Speer in der Bundesrepublik

Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit

Albert Speer war Protagonist des NS-Rüstungssystems und damit auch des Peenemünder Raketenprogramms, leugnete jedoch in der Nachkriegszeit seine Verantwortung.

Albert Speer, Protagonist des NS-Rüstungssystems und damit auch des Peenemünder Raketenprogramms, war ein Haupttäter des nationalsozialistischen Regimes und maßgeblich beteiligt an der Judenverfolgung und an Verbrechen in den Konzentrationslagern.

Als Rüstungsminister trug er die Verantwortung für das in der gesamten Kriegswirtschaft übliche Zwangsarbeitersystem. Als einer der entscheidenden Befürworter des Peenemünder Raketenprogramms war er mehrmals bei Teststarts vor Ort.

Sein Ministerium organisierte die Serienproduktion und baute dabei die Strukturen des zentralen Fertigungswerks im Konzentrationslager Mittelbau-Dora auf. Durch die Neuordnung der Rüstungsproduktion trug Speer wesentlich zur Verlängerung des Krieges bei, wodurch er mitschuldig an den vielen Toten im letzten Kriegsjahr wurde.

Seine Selbstrechtfertigung und Entschuldung begann schon bei seiner Verteidigung im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, in der er sich als verführt von der Aura Hitlers und der modernen Gestaltungsdynamik des Nationalsozialismus darstellte. Vom systematischen Mord an den europäischen Juden will er, wie die überwiegende Mehrheit der Deutschen, keine Kenntnis gehabt haben.

Diese Darstellung war seinen Landsleuten ein willkommenes Argument, um mit der eigenen Vergangenheit zurechtzukommen. So war er in der Bundesrepublik nicht etwa als verurteilter Kriegs- und Menschheitsverbrecher geächtet, sondern wurde nach seiner Entlassung aus der Haft 1966 zum Kronzeugen der Geschichte des Nationalsozialismus und zum regelrechten Medienstar. Seine Bücher waren Bestseller, er trat in unzähligen Fernsehsendern auf und selbst professionelle Historiker folgten seiner Darstellung. Seine Erzählung war lange maßgeblich für das westdeutsche Geschichtsverständnis.

Die Ausstellung lässt die Besucher in die Medienwelt der 1960er bis 1980er Jahre eintauchen und stellt den (Selbst)Inszenierungen Speers historische Fakten wie Dokumente, Fotos und Stellungnahmen heutiger Historiker gegenüber.

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