Museum

Matterhorn Museum

Zermatt: Geschichte des Ortes, Erschliessung der Zermatter Berge, insbesondere des Matterhorns. Erstbegehung, alpinistische Ausrüstung der Pionierzeit. Kartografische und volkskundliche Dokumente. Reliefs der Zermatter Bergwelt. Geologie. Einheimische Tier- und Pflanzenwelt. Wohnen im 17. Jh., Sennerei. „Söldner von Theodul”.

Das Museum mit der kristallförmigen Eingangskuppel erzählt die Geschichte des „Horu” und des kleinen Dorfes mit seinen Einwohnern, der Untertitel „Zermatlantis” – eine Wortverschmelzung von Zermatt und Atlantis – spielt darauf an, daß das eigentliche Museum unterirdisch liegt.

Eine Galerie führt rund um eine tiefer gelegene Gruppe aus originalen Häusern, die um einen kleinen Dorfplatz herum angeordnet sind. Es gibt das Bergführerhaus, eine Sennerei, ein Wohnhaus, das nachgebaute Treppenhaus und die Rezeption des alten Hotels „Monte Rosa”, einen Speicher, ein Stall mit Nutztieren und eine Kirche samt Pfarrhaus.

Ein Relief veranschaulicht die Zermatter Bergwelt, ein weiteres das Matterhorn und dessen Besteigungsrouten, die mittels Leuchtlinien visualisiert werden. Gezeigt werden auch zahlreiche Bilder und Porträts, historische Fotografien und anderes grafisches Material.

Das Drama am Matterhorn

Das Drama um die Erstbesteigung des Matterhorns am 14. Juli 1865 bildet einen der Schwerpunkte des Museums. Wichtige Sachzeugen sind zum einen der originale Eispickel, den Edward Whymper bei dieser historischen Tour mit sich führte, und den er auch später noch auf seinen Touren in Europa und Südamerika benutzte, denn: „when I used this ice-axe, I was always successfull.”

Zum anderen das originale gerissene Seilende, dass zum tödlichen Absturz der vier Begleiter Croz, Douglas, Hadow und Hudson geführt hatte und jahrzehntelangen Spekulationen über die Ursache dieser Katastrophe Nahrung gab. Denn das Unglücksseil ist erkennbar dünner und schwächer als die zu jener Zeit gebräuchlichen, wie der Vergleich mit einem typischen Bergsteigerseil aus dem späten neunzehnten Jahrhundert offenbart.

Der letzte der drei Überlebenden, Peter Taugwalder junior, schrieb einige Jahre nach Whympers Tod einen erschütternden Brief, welcher die gesamte Tour erstmals aus der Perspektive der beiden Bergführer schildert. Denn aus touristischem Interesse hatte sich das offizielle Zermatt auf die Seite Whympers geschlagen.

Dörfliches Leben

Während Hirt und Zuhirt auf der Sommeralp das Vieh der Familien hüteten und molken, war der Senn für den Käse zuständig. Geschlafen wurde in der Scheune: die Wärme der Tiere machte die Kühle der Nacht erträglich.

Dreimal am Tag riefen die Zermatter Kirchenglocken zum Angelusgebet, und man unterbrach die Arbeit für eine kurze Andacht. Sonntags ging man zur Messe. Wenn die Witterung zu trocken war, ordnete der Pfarrer eine Bittprozession zum Schwarzsee an. Regnete es hingegen zu viel, führte die Prozession nach Findelen.

Wissenschaftler, die Geologie und Flora des Tales untersuchten, logierten gerne im Pfarrhaus, denn mit dem Pfarrer konnten sie sich in der Gelehrtensprache Latein unterhalten.

1838 baute ein einheimischer Arzt das erste Gästehaus mit immerhin drei Betten. Der Genfer Physiker de Saussure erforschte die geologische Struktur des Matterhorns und bestimmte mithilfe eines Sextanten erstmals dessen Höhe.

Anfänge des Tourismus

Durch das tragische Geschehen am Matterhorn berühmt geworden, erlebte Zermatt in den Folgejahren einen touristischen Aufschwung ohnegleichen. Der Hotelpionier Alexander Seiler errichtete Grand Hôtels und baute die Infrastruktur aus. Ein Zeuge dieser Zeit ist das Hotel Monte Rosa, dessen Rezeption im Museum nachempfunden ist, zusammen mit einem Stück Treppenhaus.

Feriengäste und Einheimische begegneten einander nur selten, denn im Sommer waren die letzteren vorwiegend in der Landwirtschaft tätig. Wer konnte, diente aber als Träger, Säumer oder Bergführer oder betrieb kleine Stützpunkte wie das „Teehäuslein”. Auf Maultieren oder Sesseln trug man die Damen hinauf zum Gornergrat. Von 1898 an übernahm dann die Gornergratbahn diese Aufgabe.

Bergschuh-Handwerk

Fast alle Walliser Bergführer sowie viele große Alpinisten und Erstbesteiger jener Zeit trugen damals die weltbekannten, handgefertigten Burgener-Bergschuhe. Auch seine Skischuhe waren eine Klasse für sich, bis schließlich eine neue Zeit hereinbrach, die solide Handarbeit durch maschinelle Fertigung ersetzte. Heute ruht das Bergschuh-Handwerk im Museum: der letzte große Könner der Zermatter Schuhmacherzunft hat ihm seine Werkzeuge und Utensilien als Leihgabe überlassen.

Söldner vom Theodul

Zwischen 1984 und den frühen 1990er-Jahren aperten am Rand des oberen Theodulgletschers die Überreste eines Mannes aus, der um das Jahr 1600 herum offenbar auf dem Gletscher verunglückt war. Er führte einen Degen, eine seltene frühneuzeitliche Taschenpistole und ein klappbares Rasiermesser mit sich, und er trug einen Schuh bisher unbekannter Form. Der „Söldner” war nämlich kein Söldner, sondern ein gut situierter Reisender aus dem nordalpinen Raum. Was ihn antrieb, den Theodulpaß zu überqueren, läßt sich nicht mehr rekonstruieren.

Museumskino

Im kleinen Kino werden unter anderem Ausschnitte des Filmes „Der Berg ruft” gezeigt, der 1937/1938 unter der Regie von Luis Trenker in Zermatt gedreht wurde. Trenker spielt darin die Rolle des Italieners Jean-Antoine Carrel, der aufgrund einer Intrige den Gipfel erst drei Tage nach seinem Freund Whymper erreichte. Ein ebenso spannender Filmbeitrag schildert eine heutige Bergrettung via Hubschrauber.

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