Automobile Meisterwerke aus 120 Jahren

Das Porsche-Museum fesselt nicht nur Auto-Enthusiasten

Porsche hat ein Elektroauto entwickelt, den C.2 Phaeton. Er hat eine Reichweite von 80 Kilometern, erreicht mit seinen 3 bis 5 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 25 km/h, und wir schreiben das Jahr 1898.

Die Rede ist hier allerdings nicht von der legendären Automarke, sondern von ihrem ebenso legendären Begründer, dem österreichischen Konstrukteur Ferdinand Porsche, dem schon in jungen Jahren dieser erste sensationelle Entwurf gelingt: seine Kutsche mit E-Motor läßt locker jedes Pferdefuhrwerk stehen. Kaiser Franz Joseph ist von dem jungen Mann entzückt.

Den Siegeszug der pferdelosen Mobilität leitete jedoch ein anderes Konzept ein: der benzingetriebene Ottomotor. Auch hier tut sich Ferdinand Porsche hervor. Für Austro-Daimler, deren Technischer Direktor er von 1906 bis 1923 ist, konzipiert er den „Bergmeister”, eine ebenso eindrucksvolle wie alltagstaugliche Sechszylinder-Limousine mit langer Motorhaube und markant geschwungenen Kotflügeln, die dann ab 1931 dann auch gebaut wird und bei Alpenfahrten sportliche Erfolge erzielt. Im Museum sind, folgt man dem Rundgang, diese beiden Meilensteine nicht zu übersehen, es sollen ihnen noch viele weitere folgen.

Ein spektakulärer Bau

Auch das Porsche Museum selbst dürfte wohl kaum jemand passieren können, ohne beeindruckt zu sein von dessen spektakulärer Architektur: man vergißt beim Anblick des polygonal geformten „Fliegers” fast, daß der Porscheplatz ein Kreisverkehr ist und man sich entscheiden muß, ob man ihn zur Linken oder zur Rechten verläßt. Ich entscheide mich für links und finde auch gleich einen Parkplatz. Zur Rechten wäre das Parkdeck gewesen. Sei’s drum. Und schon geht es am freundlichen Empfang vorbei mittels einer langen Rolltreppe durch einen der drei Stützfüße hinauf in den oberen Gebäudeteil.

Am Austro-Daimler fällt übrigens auf, daß das Lenkrad rechts sitzt. Nanu? Tatsächlich herrschte in weiten Teilen Österreichs zu dieser Zeit Linksverkehr, Wien und die umliegenden Gebiete wurden erst im September 1938 nach dem „Anschluß” umgestellt.

Zwei Schritte weiter kommt der Besucher erneut ins Staunen: steht da drüben nicht ein VW Käfer? Ja, und zwar zu recht, denn auch der legendäre KdF-Wagen, der für jedermann erschwinglich sein sollte, wurde in den 1930er Jahren von niemand Geringerem entworfen als von Ferdinand Porsche. Der „Brezelkäfer”, der seinen Namen von der zweigeteilten Heckscheibe hat, ist der Urvater einer Modellserie, die bis in die 2000er Jahre gebaut wurde und dessen Karosserieform mit moderner Technik als New Beetle wiederauferstand. Aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte.

Seriensportwagen

Die Automarke Porsche ist ein Kind der Nachkriegszeit, ihr Erfolg gründet sich vor allem auf den Seriensportwagen 911 mit seiner markanten Karosserieform, die gewissermaßen das Käfer-Konzept auf eine höhere Ebene hievt. Denn wenn es ein Merkmal gibt, das allen klassischen Porsche Modellen gemein ist, dann ist es der Heckmotor – ermöglicht er doch eine besonders windschnittige Bauform.

Vorbei an flunderflachen Rennwagen wie den diversen Carrera-Modellen, von denen besonders der schweinchenrosa lackierte 917/20 von 1971 ins Auge springt, zur Linken und allerhand Motortechnik, darunter ein halb geöffneter Zwölfzylinder, zur Rechten führt mich der Rundgang nun zu einer Station, die mich in ganz besonderer Weise fesselt, da sie einen Aspekt bedient, der in den bisherigen Betrachtungen zu kurz kam: den typischen Porsche Sound. Unter den Lautsprechern der Sounddusche stehend, ziehe ich erwartungsvoll am Startknopf. Töff, töff, töff, töff! Aha, ich habe soeben den Porsche Traktor gestartet, der mir weiter unten schon aufgefallen war, weil ich in einem Museum wie diesem weder mit Landmaschinen noch mit Amphibienfahrzeugen gerechnet hatte.

Aber es ragen ja noch weitere Anlasser aus der Konsole. Auch das Drehen am Zündschlüssel ist so eine Technik, die man leicht vergißt, wenn man im eigenen Auto nur einen Startknopf hat. Einmal drehen: Zündung an. Weiter drehen: brrrummmmm. Was für ein sympathisches Geräusch! Doch es gibt noch eine Steigerung.

Typische Geräusche eines Automobils sind nämlich auch das Tack-tock der Blinker, das Klicken der Gutschlösser und vieles mehr. Man wählt ein Modell und daraus bis zu 8 Komponenten, man regelt deren Lautstärke, und schon ergießt sich rhythmischer Sound über einen, während zugleich an der Videowand die Geräusch erzeugenden Komponenten in Aktion zu sehen sind. Klick-tatock, klick-tatock, brumm-brumm. Die diversen Gaspedale an der dritten Sounddusche wirken da fast schon gewöhnlich, obwohl auch sie für etwas Besonderes stehen, denn so ein Porsche-Boxermotor ist stets auch ein akustisches Erlebnis.

Jetzt bin ich schon ganz weit oben und bewundere das grün-weiße Auto mit dem Blaulicht auf dem Dach. Ja, auch die Polizei weiß die Vorzüge der Automarke Porsche zu schätzen, besonders bei der Verfolgung Flüchtender.

Fast unmerklich bin ich, vorbei an den neuesten Modellen wie dem viertürigen Cayenne, dem Macan und dem vollelektrischen Taycan, vorbei an der Videowand mit den unternehmerischen Meilensteinen, immer weiter hochgestiegen. Der Rundgang endet, was durchaus ungewöhnlich ist, am höchsten Punkt des auch innen spektakulär designten Gebäudes. Und auf der abwärts führenden Rolltreppe habe ich noch immer den Rhythmus der Sounddusche im Ohr: Klick-tatock, klick-tatock, brumm-brumm. (rg)

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