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Die meisten Ausstellungen ordnen Kunstwerke nach Entstehungszeit, Motiv oder Technik. Im Kirchner Museum Davos hat man sich für einen radikaleren Weg entschieden: die Bilder von ▸Ernst Ludwig Kirchner sind nach Farben sortiert.
Was zunächst wie ein gewagtes Experiment erscheint, erweist sich überraschend schnell als Schlüssel zu einem neuen Blick auf den Expressionisten und sein Werk: hier werden nicht einfach farbstarke Gemälde gezeigt, hier ist die Farbe selbst das zentrale Ausstellungsobjekt. Man betritt keine Galerie, sondern einen Farbraum. Die Wände sind nicht Hintergrund, sondern Bestandteil des Erlebnisses – als würde man sich mitten durch eine aufgeklappte Kirchner-Palette bewegen. Genau darin liegt die Stärke dieses ungewöhnlichen kuratorischen Konzeptes: Komposition, Motive und Formen treten zurück, der erste Eindruck beim Betreten des Raumes gilt dem visuellen Gleichklang von Gemälden und Wand.
Da Kirchners Farbwelt genügend Eigengewicht besitzt, um sich gegen diese starke Umgebung zu behaupten, entsteht etwas völlig Unerwartetes: die Wand fungiert als ein Resonanzraum, der die ohnehin intensive Bildwirkung noch weiter verstärkt. Die Gemälde verändern ihre Wirkung, weil die Wandfarbe plötzlich Töne hervorhebt, die man auf Weiß gar nicht bemerken würde.
Besonders deutlich wird dieser Effekt beim berühmten Bild „Davos mit Kirche”: der violette Farbton des Berges ist aus dem Bild herausgelöst und als eigenständiger Farbwert auf die Wand übertragen.
Der gelb-grüne Raum wiederum wirkt überraschend leicht und lichtdurchflutet. Fast frühlingshaft. Der Hintergrund des Bogenschützen setzt sich praktisch in der Wandfarbe fort. Der Rahmen markiert zwar die gewohnte Grenze des Bildes, die Farbe ignoriert sie jedoch. Auch hier entsteht wieder der Eindruck, dass die Malerei in den Raum ausläuft.
Zum Gefühl des Reisens entlang der Farbakkorde trägt natürlich auch die Sichtachse zum jeweiligen Nachbarraum bei. Und ganz nebenbei entsteht dabei etwas, das vielen Kunstausstellungen fehlt: ein Erlebnis, das man noch im Gedächtnis behält, wenn man die einzelnen Bilder schon längst nicht mehr alle aufzählen könnte. Man erinnert sich an den violetten Raum, an das Lindgrün, das Petrolblau – und damit zugleich an Kirchners Farbpalette und Sehweise.
Vielleicht liegt darin sogar der eigentliche Erfolg des Konzepts. Eine chronologische Hängung erklärt den Künstler. Eine thematische Hängung erklärt seine Motive. Die Farbräume hingegen versuchen, seine Wahrnehmung nachvollziehbar zu machen.
Das ist ein bemerkenswerter Unterschied – und vielleicht das eigentliche Geheimnis einer Ausstellung, die mehr eine begehbare Farbkomposition als eine klassische Gemäldeschau ist.
Museum, Davos Platz
Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) lebte von 1917 bis zu seinem Tod in Davos. Sein Werk gilt als wegweisend im deutschen Expressionismus. Das Kirchner Museum beherbergt die weltweit umfangreichste Sammlung von Werken des Künstlers.
Bis 4.1.2027, Davos Platz
Kirchners Malerei bildet die Welt nicht einfach ab, sie verwandelt sie. Faszinierende Experimente und interaktive Stationen veranschaulichen zudem, wie Farbe wirklich entsteht.
Museum, Düsseldorf
Umfangreiche Kunst- und Kunstgewerbesammlungen des früheren Kunstmuseums. Werke der italienischen und holländischen Malerei und Skulptur, Kunstgewerbe und Möbel. Hochkarätige Ausstellungen.
Bis 18.7.2026, Lugano
Anlässlich des zehnten Jahrestages ihrer Öffnung für die Öffentlichkeit eröffnet die Gabriele und Anna Braglia Stiftung eine Ausstellung mit Werken aus ihrer Sammlung des deutschen Expressionismus.
Museum, Davos Platz
Reichhaltige Sammlung an Wintersportgeräten und Dokumenten aus der Stiftung der Familie Jürg Kaufmann, Davos. Prachtvolle Gegenstände (Schlitten, Bob, Ski, Schlittschuhe, Curling-Material usw.) aus den Anfängen des Wintersports bis hin zur Gegenwart.