Ausstellung 22.05.22 bis 22.01.23

Heimatmuseum Oettingen

Bin im Bild

Porträt gestern und heute

Oettingen in Bayern, Heimatmuseum Oettingen: Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des Porträts von der Antike bis zur Neuzeit. Bis 22.1.23

Der Wunsch nach einem Konterfei von sich selbst ist so alt wie die Menschheit, die Darstellung der menschlichen Figur gehört zu den ältesten Motiven der Kunstgeschichte.

In der Vor- und Frühgeschichte gab es zunächst schematische oder idealisierte Darstellungen, aber bereits bei den Griechen und Römern entstanden individualisierte Porträts auf Münzen oder in Form von Mumienporträts und Totenmasken. Im Mittelalter blieben die individuellen Porträts jedoch selten, erst in der Renaissance entwickelte sich der Wunsch nach Porträtähnlichkeit, nicht nur bei den Herrschenden, sondern auch bei wohlhabenden Bankiers und Kaufleuten.

Porträtmalerei

Etwa Ende des 15 Jahrhunderts begann die Blütezeit der Porträtmalerei mit Standesporträts und bürgerlichen Porträts, die bis um 1900 anhielt. Sich porträtieren zu lassen wurde zum Zeichen individueller Wertschätzung, Porträts wurden als lebensnah aufgefasst, und wer es sich leisten konnte, ließ sich und seine Nachkommen malen. Porträts der Herrschenden fanden als Zeichen staatlicher und politischer Macht auch weiterhin auf Münzen, aber auch als Druckwerke Verbreitung, wobei das Frontispiz im Buchdruck insbesondere Gelehrten und Autoren die Möglichkeit bot, ihr Porträt begleitend im eigenen Werk darzustellen. Im Privaten hingegen ging es lange bescheidener zu, bis zur Erfindung der Fotografie entstanden hier vor allem Zeichnungen oder Scherenschnitte, denn sich malen zu lassen war in der Regel sehr teuer.

Die Entwicklung des Porträts von der Antike bis zur Neuzeit wird in der Ausstellung mit exemplarischen Beispielen aus der Sammlung des Heimatmuseums und einiger Leihgaben aus den Bereichen Malerei, Grafik, Zeichnung, Buchdruck und Münzwesen gezeigt.

Fotografie

Mit dem Aufkommen der Fotografie im 19. Jahrhundert begann eine neue Ära, denn sie bot die Möglichkeit einer authentischen Darstellung von Personen. Wanderfotografen verbreiteten die Lichtbildkunst, auch in kleineren Städten ließen sich Fotografen nieder. Porträts und Gruppenaufnahmen gewannen an Bedeutung für Repräsentationszwecke oder als Andenken, nach und nach wurde die Anfertigung eines Porträts auch finanziell erschwinglich. Man ging also zum Fotografen und ließ sich in Szene setzen und ablichten, etwa im Oettinger Atelier Fischer, das in der Ausstellung besonderen Raum einnimmt.

Es wurde 1908 von Josef Fischer gegründet und bis 1981 von dessen Sohn Adolf Fischer mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau Else fortgeführt. Mehrere Generationen von Riesern und Rieserinnen wurden hier verewigt – allein, zu zweit, mit der Familie, im Verein oder bei feierlichen Anlässen. Die Aufnahmen der Fischers vom städtischen und bäuerlichen Leben und Alltag ergeben über die Jahre das Porträt einer ganzen Region.

Fotos fanden vielfältige Verwendung: als private Erinnerung, auf amtlichen Dokumenten, im Buchdruck, der Werbung oder in der kommerziellen Nutzung.

Mit der technischen Weiterentwicklung der Kameras hielt das Bildermachen Einzug ins Private, das Fotografieren wurde zum Hobby. Damit veränderte sich auch die Rolle der professionellen Fotografen, die zwar weiterhin zum besonderen Anlass aufgesucht wurden, zugleich aber auch als Dienstleister für die privaten Fotografen fungierten. Eine weitere Beschleunigung erfuhr diese Entwicklung dann in den 1990er Jahren mit der Digitalfotografie und der Einführung der Smartphones: das Selfie boomte.

Künstler wiederum finden andere und überraschende inhaltliche und formale Interpretationen und Visualisierungen der Gattung Porträt, gerade auch im Rückgriff auf die klassische Fotografie. Die Ausstellung zeigt das anhand einiger ausgesuchter Beispiele aus der Kunst, u.a. von Peter Anders, Nils Klinger, Martin Luxenburger, Olaf Metzel und Kinga Maria Eisenbarth.

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