Ausstellung 07.04.22 bis 01.10.23

Germanisches Nationalmuseum

Das Mittelalter

Die Kunst des 15. Jahrhunderts

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Das 15. Jahrhundert war eine Epoche größter künstlerischer Innovation. Etwa 25 Highlights aus dem eigenen Bestand veranschaulichen die herausragenden künstlerischen Leistungen am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Bis 1.10.23

Großformatige Altartafeln, farbig gefasste Skulpturen und kostbare Behältnisse für Reliquien: das 15. Jahrhundert war eine Epoche größter künstlerischer Innovation. Die etwa 25 Highlights aus dem eigenen Bestand sprechen bis heute eindringlich zu uns und veranschaulichen in der Ausstellung die herausragenden künstlerischen Leistungen am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.

Auf Altären ließen Auftraggeber monumentale Flügelretabel errichten, die bildgewaltig das Wirken Christi, Marias und der Heiligen schildern. Für die verehrten Heiligenreliquien fertigten Goldschmiede kostbare Büsten und Statuetten. Leuchtend buntfarbige Glasgemälde schmückten die Fenster der Kirchen und tauchten deren Innenräume in ein transzendentes Licht. Effektvolle Farbfassungen hauchten geschnitzten Bildwerken Leben ein.

Obschon für Kirchen bestimmt, gingen die Botschaften der meisten Werke weit über theologische Aussagen hinaus. Sie behandeln vielschichtige gesellschaftliche Fragen und schildern detailreich die mittelalterliche Lebenswelt. Zugleich entstanden neue künstlerische Medien wie die Druckgrafik, durch die Bilder in massenhafter Auflage verbreitet werden konnten.

Anton Koberger (Drucker), sog. Kobergerbibel, Nürnberg, 1483: für die Illustrationen seiner zweibändigen Bibel von 1483 verwendete Anton Koberger die Druckstöcke einer 1478 in Köln erschienenen Bibelausgabe wieder. Die erste Illustration des Buches ist aufgrund ihrer Stellung und ihres Bildthemas hervorgehoben: sie ist die einzige mit einer Blatt­gold­auflage.

Gabriel Angler, Kreuzigung Christi, um 1444/45: die gewaltige Kreuzigungstafel wimmelt vor Figuren. Jesus und seine trauernden Angehörigen sind umringt von finsteren Kriegsknechten.

Der Maler war ein fesselnder Erzähler: Die Soldaten rechts unten prügeln sich um den Mantel Christi. Links unten probiert ein Plünderer die Stiefel eines der Hinrichtungs­opfer an.

Hans von Judenburg, Marienkrönung, um 1422/25: die Figurengruppe stand ursprünglich im Schrein des Hochaltarretabels der Stadtpfarrkirche von Bozen. Sie wurde richtungsweisend für viele weitere Umsetzungen des Bildthemas. Heute sind die Bildwerke dieses Altaraufsatzes europaweit auf mehrere Standorte verteilt.

Konrad Witz, Verkündigung an Maria, um 1440: der Erzengel Gabriel verkündet Maria, dass sie als Jungfrau Gottes Sohn zur Welt bringen wird.

Anders als viele Zeitgenossen verzichtet Konrad Witz auf Gegenstände mit symbolischer Bedeutung. Ihn interessieren andere Phänomene: inspiriert durch die altniederländische Malerei spielt er trickreich mit Licht und Schatten.

Interim

Zeitgleich mit der Sanierung der Räume konzipiert das GNM in den nächsten Jahren seine Dauerausstellung zur Kunst und Kultur des 15. Jahrhunderts neu. Während dieser Zeit ermöglicht die Interimsausstellung einen zwar komprimierten, dennoch aber hochkarätigen Blick auf die zentralen Aspekte der spätmittelalterlichen Kunst, verbunden mit ersten Einblicken in die Neukonzeption der künftigen Dauerausstellung.

Besucher-Feedback

Im Kleinen soll ausprobiert werden, wie sich das Museum in Zukunft präsentieren wird. Auch Wünsche der Ausstellungsbesucher werden berücksichtigt und fließen über Feedback-Stationen in die Neukonzeption ein.

Der Verfasser hat die Ausstellung am 5. April 2022 besucht.

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