Ausstellung 12.05. bis 22.11.20

Schloßmuseum

Es kommen kalte Zeiten

Murnau 1919 - 1950

Murnau, Schloßmuseum: In Murnau komprimiert sich deutsche Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie in einem Brennglas. 1923 wurde eine NSDAP-Ortsgruppe gegründet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Murnau ein Vielvölkerort. Bis 22.11.20

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Murnau ein kleiner Ort im Oberland wie viele andere. Politik, aber auch wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt spielten sich anderswo ab. Und doch komprimiert sich hier deutsche Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie in einem Brennglas:

Hier lebten der nationalsozialistische Wirtschaftstheoretiker und frühe Förderer Hitlers Gottfried Feder, der spätere Präsident des Jüdischen Weltkongresses Nahum Goldmann, der amerikanisch-jüdische Mäzen James Loeb, die Malerin Gabriele Münter, der Schriftsteller Ödön von Horváth und der Widerstandskämpfer Christoph Probst. Adolf Hitler, aber auch Heinrich Himmler und Julius Streicher machten in der Gemeinde am Staffelsee Station.

Der verlorene Erste Weltkrieg war für viele Deutsche ein vernichtender Schlag, war man doch von der militärischen Führung, die stets einen baldigen Sieg verhieß, über Jahre hinweg irregeführt worden. Der Fall der Monarchie und die Ausrufung der Republik blieben mit der Demütigung der Niederlage verknüpft, die nicht den Militärs, sondern den Politikern angelastet wurde.

1923 wurde eine NSDAP-Ortsgruppe gegründet, nach dem Verbot der NSDAP erneut 1926. Ab 1924 errangen bei Wahlen stets völkische und nationalistische Parteien die Mehrheit der Murnauer Wählerstimmen. Der Bau zweier Kasernen 1938 war schon der Vorbote für den nächsten Krieg, in dem wie im Ersten Weltkrieg viele junge Murnauer Männer fielen. Ausgebombte, Evakuierte und Flüchtlinge benötigten im Krieg alle Zimmer in Hotels und Gaststätten, die früher Touristen beherbergt hatten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Murnau ein Vielvölkerort, wo amerikanische Besatzer, befreite Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, Flüchtlinge und Einheimische in teils drangvoller Enge lebten.

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