Museum

Fränkisches Freilandmuseum

(Ländliche Baugruppe)

Bad Windsheim: Kulturgeschichte und Volkskunde der ländlichen Bevölkerung vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart. Eines der größten Freilichtmuseen Bayerns.

Über 100 originalgetreu eingerichtete Häuser zeigen, wie die ländliche Bevölkerung in Franken in den letzten 700 Jahren gelebt und gearbeitet hat.

Felder, Hecken und Wiesen, Hopfen- und Weinbauflächen sowie zahlreiche Wasserläufe sind der alten fränkischen Kulturlandschaft nachempfunden und werden in althergebrachter Weise aktiv bewirtschaftet.

Von Dorf zu Dorf

Die Häuser stehen in sechs Baugruppen, die nach Regionen und Themen angeordnet sind.

So hat man bei einem Spaziergang durch das Museumsgelände das Gefühl, von Dorf zu Dorf wie früher zu wandern – vorbei an Bauernhöfen, Scheunen, Ställen, Back- und Dörrhäuschen, Mühlen, Brauereien, Gasthäusern, Schäfereien und Handwerkerhäusern, dem Amtshaus, dem Schulhaus und dem Adelsschlösschen.

Baugruppe West

Größter Ort auf dem weitläufigen Gelände ist die Baugruppe West mit den Häusern aus Mainfranken. Hier befinden sich das Amtshaus, das Schulhaus mitsamt Lehrerwohnung, das Kommunbrauhaus mit seinen großen Kesseln und dem Dorfwirtshaus gleich nebenan.

Die Schäferei, die Werkstätten des Wagners und des Küfers, die kleine Kapelle sowie einige bäuerliche Anwesen samt ihrer umzäunten Bauerngärten sind von Wiesen und Feldern umgeben, die mit Ochsen- und Pferdegespannen bewirtschaftet werden, und hinter dem Haus des Weinbauern gibt es sogar einen Weinberg.

Schulhaus

Das Schulhaus aus Pfaffenhofen ist ein sehr typisches Beispiel für eine fränkische Dorfschule des späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts. Von 1894 bis 1916 unterrichtete hier der heute als „Bienenpapst” bekannte Lehrer Johann Witzgall und lebte mit sei­ner elfköpfigen Familie in der klei­nen Lehrerwohnung im Erdgeschoss. Die Wohnung veranschaulicht die Lebensumstände der schlecht bezahlten Dorfschullehrer, die ihr karges Gehalt u.a. durch sonn­tägliches Orgelspielen aufbessern mußten.

Weinbauernhaus

Das Haus aus dem Jahr 1668 war fast zwei Jahrhunderte lang im Besitz der Weinbauernfamilie Gießübel und wurde nur wenig umgebaut, im Inneren finden sich noch Spuren der originalen farbigen Ausgestaltung. Im hinteren Teil steht die mächtige Kelter, der Weinkeller ist ebenerdig in den Hang gebaut.

Häckerhaus

Das malerische kleine Haus aus Ergersheim mit den blau umrahmten Fenstern und dem winzigen Vorgarten wurde im Jahr 1830 ein Stück weit zur Straße hin verlängert – um ganze 80 Zentimeter! Der immense Aufwand mag überraschen, erweiterte er die kleine Stube doch kaum, aber man war wohl um jeden Quadratmeter dankbar. Und der Fachwerkgiebel wurde einfach wiederverwendet.

Überraschenderweise verfügt das Haus über sorgfältig gearbeiteten Stuckdecken und Bemalungen, möglicherweise hat sich der Besitzer hier handwerkliche Fertigkeiten antrainiert.

Jagdschlösschen oder Liebesnest?

Das Jagdschlösschen aus Eyerlohe, 1778 von Carl Friedrich Alexander v. Eyb zu Eyerlohe und Wiedersbach erbaut, ist die Minimalform eines barocken Landschlösschens und war als „Lustschloss” frei von Hofprotokoll und höfischer Etikette. Zu den typischen Lustbarkeiten gehörte auch die Jagd, die bis ins 19. Jahrhundert herrschaftliches Privileg war. Vielleicht war das Schlösschen aber vor allem auch das private Liebesnest der beiden ein Leben lang turtelnden Eheleute. Sie führten nämlich keine arrangierte Standesehe.

Baugruppe Mittelalter

Die Häuser der Baugruppe Mittelalter sind strohgedeckt und im Inneren bis unter das Dach offen, der Rauch des offenen Herdes ohne Kamin färbte die Balken schwarz. Schon fortschrittlicher als ein Einraumhaus zeigt das Gebäude verschiedene Räume: Stube, Küche, Kammer und Stall.

Baugruppe Süd

Das Bauernhaus aus Reichersdorf mit seinem schweren Kalkplattendach ist ein charakteristisches Beispiel für das ländliche Bauen im Altmühlgebiet. Ein geheimer unterirdischer Gang, bauliches Zeugnis des Bauernkrieges, führt in den Chor der benachbarten Kapelle.

Baugruppe Ost

Die Häuser der Baugruppe Ost versammelt Häuser aus Rednitzfranken und der Frankenalb. Hier befindet sich das Anwesen des Hopfenbauern, hier dreht der Überlauf des Seeweihers das Schöpfrad zur Bewässerung der Wiesen, hier finden sich der Kuhstall, der Schweinestall und der Hühnerstall mitsamt der zugehörigen Nutztiere, hier weicht die Herde der Fränkischen Landgänse aufgeregt schnatternd zur Seite, wenn die Besucher auf die Mühle zustreben.

Mühle

Die Mühle aus Unterschlauersbach weist auf Geschichte und Bedeutung der Wassermühlen in Franken hin: sie waren universale Antriebskraft nicht nur fürs Getreidemahlen, sondern für Hammerwerke, Säge-, Walk- und Ölmühlen. Die hölzerne Mühlentechnik mit Radkammer, Wasserrädern, Mühlenraum mit Bied, Mahlsteinen und Beutelkasten ist voll funktionsfähig und in den Sommermonaten jeden Sonnntag in Betrieb.

Baugruppe 20. Jahrhundert

Hier sind u.a. ein Stahlhaus, ein Behelfsheim und ein Kriegerdenkmal aufgestellt.

Garagen sind zumeist eher unauffällige Erscheinungen. Und doch verkörpern sie wie kein anderer Gebäudetyp den Wandel, den der ländliche Raum und die Lebensentwürfe seiner Bewohner nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren haben. Hintergrund ist die allgemeine Durchsetzung des individuellen Motorverkehrs. Die Wellblechgarage beherbergt einen limonengrünen Opel Kadett Baujahr 1976, den seine Besitzerin liebevoll „Wastl” nannte.

Baugruppe Stadt

Interessant ist auch die Baugruppe Stadt mitten in der Altstadt von Bad Windsheim, mit dem Alten Bauhof, der Kräuter-Apotheke mit ihren beiden Offizinen sowie die Spitalkirche zum Heiligen Geist, heute Museum Kirche in Franken. Hier sind Exponate zu kirchlichen und evangelischen Themen zu sehen, wie etwa Reformation, Taufe, Abendmahl und Konfirmation. Der begehbare Dachstuhl läßt die hohe Zimmermannskunst des Mittelalters erlebbar werden.

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