Museum

Städtische Galerie im Lenbachhaus

Gabriele Münter-Haus

Murnau: Gabriele Münter lebte bis 1914 mit Wassily Kandinsky und später mit Unterbrechungen mit ihrem späteren Lebensgefährten Johannes Eichner (1886-1958) bis zu ihrem Tode 1962 in diesem Haus.

In diesem Haus, auch „Russenhaus” genannt, lebten Gabriele Münter (1877-1962) und Wassily Kandinsky (1866-1944) in den Sommermonaten von 1909-1914. Hier entstanden Werke und Ideen, die als Kunst des „Blauen Reiter” berühmt wurden.

Münter und Kandinsky

Im Sommer 1902 folgte Gabriele Münter, damals Schülerin Wassily Kandinskys, einer Einladung zu einem Mal-Aufenthalt der Klasse in Kochel.

Hier näherten sich die beiden künstlerisch wie privat an, waren oft nur zu zweit mit ihren Fahrrädern unterwegs, fotografierten sich gegenseitig. Münters Aufnahmen mit der Kodak „Bull’s-Eye No. 2”, einer Rollfilmkamera, besitzen noch heute großen dokumentarischen und künstlerischen Wert.

An der freien Luft malend, kreierten Münter und Kandinsky impressionistische Landschaftsskizzen, widmeten sich urbanen Panoramen, Architekturen und Szenerien. Die Farben wurden oft ungemischt mit dem Spachtel oder Palettenmesser aufgetragen. Die flüchtige Ölstudie betont den Vorrang des Malerischen vor der gegenständlichen Bedeutung.

Die Eindrücke, die hier auf sie wirkten, beschrieb Gabriele Münter später so: „Ich habe da nach einer kurzen Zeit der Qual einen großen Sprung gemacht, vom Naturabmalen mehr oder weniger impressionistisch zum Fühlen eines Inhaltes, zum Abstrahieren, zum Geben eines Abstrakts”.

Münter und Kandinsky galten zu ihrer Zeit nicht als Künstler, ihre Bilder entsprachen nicht dem allgemeinen ästhetischen Empfinden. Münter versuchte oft erfolglos, ihre Bilder gegen Lebensmittel einzutauschen.

Gabriele Münter war eine für ihre Zeit vergleichsweise emanzipierte, sportliche Frau. Sie liebte Schwimmen und Fahrradfahren. Das Radfahren galt jedoch für Frauen als unschickliche Form der Mobilität, denn die „Amazonen des Zweirads" verzichteten auf das Schnürkorsett und trugen die „Radbux”: einen weit geschnittenen Hosenrock.

Die Jahre 1908 bis 1914 sind heute die berühmtesten in Münters Leben. Im Mai 1912 veröffentlichten Kandinsky und sein Malerfreund Franz Marc ein Buch: den Almanach „Der Blaue Reiter”. Kandinsky schuf das Titelbild, es zeigt den Heiligen Georg, der den Drachen besiegt hat. Die Kunstwerke und Texte im Buch kamen von verschiedenen Künstlern aus dem In- und Ausland.

Die Arbeitssitzungen, zu denen Kandinsky Franz und Maria Marc sowie August und Elisabeth Macke eingeladen hatte, fanden im Münter-Haus statt.

In dem Komponisten und Maler Arnold Schönberg (1874-1951) fand Kandinsky eine kongeniale Persönlichkeit. Schönberg schätzte auch Münters Bilder: „Sie sind wirklich höchst eigenartig und von wohltuender Schlichtheit. Absolute Natürlichkeit. Ein herber Unterton, der sicher ein Wesenszug ist, hinter dem Güte und Liebe steckt. Ich hatte viel Freude daran." Einen seiner Briefe an Schönberg ergänzte Kandinsky mit einer Skizze, die die Lage des Münter-Hauses zeigt.

Münters weiterer Lebensweg

Nach der Trennung von Kandinsky während des 1. Weltkriegs hielt sich Gabriele Münter vor allem in Kopenhagen, dann in Schloß Elmau, München und schließlich in Berlin auf und kam nur sporadisch nach Murnau. Ab 1931 bewohnte sie das Haus zusammen mit ihrem Lebensgefährten Johannes Eichner (1886-1958) und darüber hinaus bis zu ihrem Tod.

1929/30 reiste sie zu einem Studienaufenthalt nach Paris und Südfrankreich. Sie erhielt neuen künstlerischen Auftrieb und kehrte dauerhaft mit ihrem neuen Lebensgefährten Johannes Eichner nach Murnau zurück. Es begann eine Zeit neuer Produktivität, und sie schuf Bilder von starker Farbkraft, mit denen sie in Ausdruck und Stil an ihre künstlerisch fruchtbare Zeit vor dem ersten Weltkrieg anknüpfte.

Zur Zeit des Nationalsozialismus versteckte Münter ihre umfangreiche Sammlung, die auch ein Großteil des Frühwerks von Kandinsky und anderen Mitgliedern des Blauen Reiter und seines Umkreises enthielt, im Keller des Hauses.

Anlässlich ihres 80. Geburtstages 1957 schenkte sie große Teile davon der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München, mit deren Direktor sie und Eichner befreundet waren.

Museum

Nach einer grundlegenden Renovierung wurde das malerisch gelegene Haus 1999 in seiner Gesamtheit dem Publikum als Museum zugänglich gemacht.

Die im ehemaligen Musikzimmer ausgestellten Porträts führen exemplarisch zwei bedeutende Perioden in Münters Leben vor: die Zeit des Blauen des Reiter und die 1930er Jahre mit den fünf Darstellungen des Hausmädchens Ellen Brischke.

Mit der von Wassily Kandinsky bemalten Treppe und den bemalten Möbeln gibt das Haus auch Zeugnis von den bedeutsamen Einflüssen der bayerischen Volkskunst auf die künstlerische Entwicklung seiner Bewohner.

Der Verfasser hat das Museum am 23.9.2021 besucht.

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