Exponat
Schon zu Beginn des Kinos versuchte man, durch musikalische Umrahmung den Film auch zu Gehör zu bringen. Stehgeiger, Pianisten und auch das Abspielen von Schallplatten sollten die Illusion der Bilder perfektionieren. Die großen Kinopaläste, die um 1920 entstanden, verlangten jedoch eine tongewaltigere Begleitung. Musikkapellen wären dafür zu aufwendig und teuer gewesen, und so kam in Amerika die Idee auf, Orgeln zur Stummfilmbegleitung einzusetzen.
Die typische Kinoorgel verfügte über Besonderheiten wie Tremulanten für Druckschwankungen, Schwellerjalousien zur Steuerung des Tonaustritts sowie zahlreiche Kinoeffekte wie Sturm, Donner, Regen, Vogelstimmen, Schlittenschellen, Lokomotivpfeife, Autohupe, Telefonklingeln und vieles mehr. Das eigentliche Instrument war platzsparend hinter der Leinwand verbaut und wurde vom Spieltisch aus mittels elektropneumatischer Signale angesteuert.
Ihre Blütezeit erlebten Kinoorgeln in der zweiten Hälfte der 20er Jahre, sie endete abrupt mit der Einführung des Tonfilms 1929: nutzlos gewordene Orgeln wurden ausgebaut, manche einfach auch eingemauert. Nur wenige dieser kulturhistorisch wertvollen Instrumente blieben erhalten.
Die Potsdamer Kinoorgel wurde 1929 von der Firma Michael Welte & Söhne in den Luxor-Palast Chemnitz eingebaut. Entsprechend der Größe des Kinos mit 1.500 Plätzen besitzt sie zwei Manuale und elf Pfeifenreihen und konnte ein Orchester von 30 Musikern ersetzen.
Als sie 1979 schließlich ausgebaut und ins Filmmuseum verbracht wurde, gingen noch weitere 14 Jahre ins Land, bis die umfangreichen Schäden behoben waren und die Orgel schließlich wieder bespielt werden konnte.
Stummfilme mit Orgelbegleitung sind heute ein nostalgisches Ereignis: immer wenn ein Organist am Spieltisch Platz nimmt, erleben Kinobesucher, wie sinnvoll diese Rettung war.
Standort
Ehem. Reitpferdestall der Preußenkönige, 1685 als Orangerie gebaut. Babelsberger Filmgeschichte.
Museum, Potsdam
Kutschstall des ehemaligen Potsdamer Stadtschlosses. 900 Jahre brandenburgische Landesgeschichte.
Museum, Potsdam
Nachschöpfung eines der beeindruckendsten bürgerlichen Prachtbauten Potsdams. Alte Meister bis zeitgenössische Kunst, mit Schwerpunkt Impressionismus. Werke der Sammlung des Stifters und Mäzens Hasso Plattner. Wechselnde Ausstellungen.
Museum, Potsdam