Ausstellung 14.11.20 bis 28.02.21

Sprengel Museum Hannover

How to Survive

Kunst als Überlebensstrategie

Hannover, Sprengel Museum Hannover: Die Ausstellung vereint künstlerische Ansätze von den 1960er-Jahren bis heute, die individuelle und allgemeine Krisen auf besondere Weise bearbeitet haben und deren Fragen und Lösungen in ihren Werken überleben. Bis 28.2.21

Die Ausstellung vereint künstlerische Ansätze von den 1960er-Jahren bis heute, die individuelle und allgemeine Krisen auf besondere Weise bearbeitet haben und deren Fragen und Lösungen in ihren Werken überleben.

Ein toter, umgekehrter Baum mit den nackten Wurzeln in der Höhe und in Beton fixiert: dieses einfache, drastische Bild erfand der Künstler Gustav Metzger (1926-2017). „Mirror Tree” (2009/2020) mahnt an die Umweltkrise, die er mit anderen Künstlern früh aufzeigte.

Shūsaku Arakawa (1936-2010) und Madeline Gins (1941-2014) sowie Alina Szapocznikow (1926-1973) vertreten zwei weitere Positionen, die existenzielle Fragen ansprechen, die heute besonders drängend sind, sei es, in welcher Architektur wir leben, sei es, wie wir drohenden Krankheiten begegnen.

Mike Kelley (1954-2012) und Tracey Emin (*1963) sprechen mit ihrer Kunst reale wie fiktive Kindheitstraumata an: in Emins Film „Why I Never Became a Dancer” die misogyne Umgebung im provinziellen Margate, in Kelleys Installationen zu Schulen und Hochschulen Ängste und Verletzlichkeiten Jugendlicher.

Valérie Favres (*1959) Suizidbilder („Suicides“, 2003-2013) halten alle möglichen Arten des Selbstmords malerisch virtuos fest und befragen die Grenzen der Schönen Künste. An-My Lê (*1960) bearbeitet als vietnamesisch-amerikanische Fotografin ihre Herkunft anfangs, indem sie an Manövern amerikanischer Soldaten teilnimmt; heute ist sie eine bedeutende Kommentatorin der US-amerikanischen Realität.

In Reaktion auf den Tsunami in Japan 2011 entstanden Kōki Tanakas (*1975) Performances und Filmprojekte, in denen das neue Erlernen von Gemeinschaften angesichts existenzieller Bedrohungen im Vordergrund steht. Ebenso reagiert David Horvitz (*1974) auf die aktuellen Brände in Kalifornien, die ihn in Los Angeles unmittelbar betreffen. Seine Schrift aus Asche dieser Wälder mahnt, sich dem Offensichtlichen zuzuwenden. Die Flüchtigkeit seiner Werke spiegelt die eigene Relativität – vergleichbar mit Martina Kresta (*1976), die sich dem fortdauernden Zeichnen in einer Art Lebenslinie verschrieben hat. Ihre kreisförmigen Zeichnungen protokollieren ihre Zeit, ebenso wie das Scheitern und die Grenzen des eingesetzten Materials.

Berenice Olmedo (*1987) fragt in ihren skulpturalen Arbeiten nach der prothetischen Natur menschlicher Existenz und nach Abhilfe mit einer „orthopädischen” Kunst. Unsere Endlichkeit ist mit der der globalen Zerstörung gekoppelt, worauf Metzger früh geantwortet hat. Im Werk der jungen Künstlerin Elizabeth Jaeger (*1988) wird dies in der suggestiven Installation „Brine“ („Salzsole“) (2019) aufgenommen, in der gläserne Fische nach Luft zu schnappen scheinen. Eine neue Architektur von Jean-Pascal Flavien (*1971) nimmt den existenziellen Kampf in ihrer Form auf.

In den Vermittlungsformaten wird die globale Perspektive, die Metzger, Arakawa/Gins und Szapocznikow als international agierende Künstler vorbereitet haben, in ihrer heutigen Bedeutung für Kunst und Leben befragt und mit dem Publikum geteilt.

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