Exponat
Ein Orchestrion, also einen mechanischen Musikautomaten, mit integrierten Geigen auszustatten war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine technische Herausforderung. Die Leipziger Hupfeld AG präsentierte 1908 die ▸Phonoliszt-Violina, ein über zwei Meter hohes Instrument mit einem selbstspielenden Klavier im Unterteil, in dessen Oberteil drei aufrecht stehende Violinen an einen endlos um sie rotierenden Geigenbogen gedrückt wurden. Das älteste bekannte Modell steht heute in Musikkabinett Rüdesheim.
Eine echte Handspielgeige hat normalerweise vier Saiten. Hupfeld begnügte sich mit drei echten Geigen, auf denen jeweils nur eine Saite spielt (E, A und D). Die Geigen konnten pizzicato, staccato und flageolett spielen, sie konnten mehr greifen als ein Mensch und mit Gegenmelodie ein-, zwei- oder gar dreistimmig spielen. Der Versuch, Geigenorchestrien mit vier Saiten zu konstruieren, war vermutlich zu kompliziert und wurde nach kurzer Zeit wieder aufgegeben.
Gesteuert werden diese Orchestrien pneumatisch über eine perforierte Papierrolle, deren breites Repertoire von Klassik bis Unterhaltungsmusik reichte. Die Gehäuse erhielten die Bezeichnungen A, B und C. Das Modell B mit einem Gehäuse, bei dem die Geigen besser repräsentiert wurden, war das populärste. Von C ist nur ein Exemplar bekannt.
Durch die Einführung des Rundfunks und des elektrischen Schallplattenspielers um 1926 brach der Verkauf von Orchestrien weltweit ein. Durch die nun billigere und einfachere „elektrische Aufnahme” von Ton durch das Kohlemikrofon und die Wiedergabe über Verstärker und Großserien-Lautsprecher waren die aufwendigen Orchestrien wie auch die Grammophone nicht mehr konkurrenzfähig, und ihre Herstellung wurde innerhalb kurzer Zeit weltweit eingestellt.
Standort
Vollautomatische Großorchestrien, Flötenuhren und Spieldosen, historische Waffen und Uniformen, Kleidungsstücke und Puppen, „Rock’n’Roll” Zimmer.
Museum, Rüdesheim am Rhein
Orchestrien, elektrische Klaviere, Karussellorgeln, Grammophone, Phonographen, Spieluhren, Singvogeldosen und -käfige.
Museum, Lichtensteig
Erstes Deutschschweizer Museum für mechanische Musikinstrumente. Spieldosen mit Vogelgezwitscher, Plattenspielautomaten, Karussel- und Tanzorgel.
Museum, Königslutter
Spielbereite mechanische Musikinstrumente aus 250 Jahren von der Spieluhr Karussellorgel, ehemals Teil einer bekannten Privatsammlung.
Museum, Speyer
Exponate und Raritäten aus dem Gesamtgebiet der Technikgeschichte. Begehbare Boeing 747, Flugzeuge und Hubschrauber, die Raumfähre Buran, Oldtimer aller Epochen, Motorräder, Feuerwehr, Loks, eine Welte Orgel sowie im Wilhelmsbau Musikinstrumente, Puppen und Uniformen.