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Kunsthalle Bremen

Bremen: Deutsche und französische Malerei des 14 bis 19. Jahrhunderts, Liebermann, Corinth, Beckmann, Paula Modersohn-Becker, Worpswede, Gegenwarts- und Medienkunst. Kupferstichkabinett.

Bremen ist durch Handel, Industrie und Migration geprägt und blickt auf eine Geschichte von über 1.200 Jahren zurück. Die Kunsthalle ist das einzige Museum in Deutschland mit einer umfangreichen Kunstsammlung des 14. bis 21. Jahrhunderts in privater Trägerschaft (Kunstverein). Ihre umfangreiche und vielfältige Sammlung spannt einen Bogen vom 14. Jahrhundert bis heute.

Schwelle zur Renaissance

Bis zum frühen 15. Jahrhundert hatten gemalte Tafeln fast ausschließlich religiöse Funktion, dann kündigte sich mit der Renaissance ein neuer Blick an: das Bild wurde zu einem Fenster in die Welt, Landschaften traten an die Stelle des Goldgrundes, Innenräume erhielten perspektivische Dimensionen. Der Nürnberger Maler Albrecht Dürer erhielt bei zwei Reisen nach Oberitalien wichtige Anregungen. Auch Lukas Cranach d.Ä. folgte den Idealen der Renaissance und porträtierte Adelige und reiche Kaufleute. Die antike Mythologie lieferte Themen für eine Malerei frei von religiöser Bindung.

Der Bremer Senator und Dürer-Sammler Hieronymus Klugist (1778-1851) erwarb Handzeichnungen, Aquarelle und Druckgrafik des Nürnberger Meisters und vermachte sie dem von ihm mitbegründeten Bremer Kunstverein.

Glaubenskrieg und Bilderstreit

In den Niederlanden entbrannte der Glaubenskrieg besonders heftig. Sieben nördliche Provinzen sagten sich unter der Führung kaufmännisch-bürgerlicher Eliten vom absolutistisch regierten Süden los. Die Calvinisten lehnten die Verehrung Mariens und der Heiligen ab und zerstörten Bilder oder entfernten sie aus den Gotteshäusern. Mit der Kirche und dem Adel verloren die Künstler ihre beiden wichtigsten Auftraggeber. Beliebt waren nun Szenen aus dem Alten Testament.

Globalisierung

Im 17. Jahrhundert entwickelten sich die Niederlande zur bedeutendsten internationalen Handelsmacht. Wie kaum eine andere Kunstgattung demonstriert die Marinemalerei das neue Nationalbewußtsein. Holländische Maler rückten zudem das einfache Volk in den Mittelpunkt und zeigten Dörfer, Landschaften, Flußufer und Tiere. Ihre Ölgemälde entstanden jedoch stets im Atelier.

Genrebilder

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts kam die Feinmalerei immer mehr in Mode. Wegen des zeitaufwendigen Malstils waren solche Bilder sehr teuer. Der „Blumenkorb” von Ambrosius Bosschaert d.J. zeigt unter anderem Tulpen, die einige Jahrzehnte zuvor aus Kleinasien nach Europa gelangt waren und nun groß in Mode kamen. Gestreifte Exemplare waren besonders gefragt und äußerst kostbar. Später waren dann eher Sommerblumen und Rosen beliebt.

Flämische Malerei

In den südlichen Provinzen vergaben weiterhin Adel und Kirche die wichtigsten Aufträge. Peter Paul Rubens und sein Schüler Anton van Dyck waren aber auch außerhalb Flanderns gefragt. Häufig taten auf Bildgattungen spezialisierte Künstler sich zusammen, oder routinierte Figurenmaler fügten untergeordnete Staffagen in nahezu fertige Arbeiten ein. Perspektivisch wiedergegebene Bauten wurden zum eigenständigen Bildmotiv.

Sinnenlust

Um die Wirkung auf die Betrachtenden zu steigern, inszenierten die italienische Barockmaler ihre Figuren in theatralischen Gesten oder Posen. Katholische Geistliche erkannten in der sinnlichen Kunst ein wichtiges Propagandamittel und gaben Werke mit christlichen oder moralischen Themen in Auftrag. Im calvinistisch reformierten Bremen spielte diese Art der Malerei jedoch lange Zeit kaum eine Rolle.

Aufklärung

Um 1700 verbreitete die Aufklärung neue Ideen, die nicht nur die Stellung des Menschen in der Gesellschaft veränderten, sondern auch die Bedeutung der Kunst: Porträts zeigten ungekünstelte Natürlichkeit, Museen wie der Louvre öffneten ihre Türen dem breiten Publikum.

Romantik

Hatten die Klassizisten die Antike zur alleinigen Norm erhoben, setzten Künstler wie Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus die Subjektivität des Künstlers und die tiefe Ehrfurcht vor der Schöpfung dagegen. Sie schwankten dabei zwischen Heimatverbundenheit und der Sehnsucht nach dem Süden. Der Lübecker Maler Friedrich Overbeck zog mit Freunden in die Ewige Stadt, sie lebten im Kloster und trugen langes Haar wie Jesus, so daß man sie spöttisch die Nazarener nannte.

Der Wald

Der Wald ist Sinnbild für den Kreislauf von Werden und Vergehen. Der deutsche Wald ist zudem Sinnbild für nationale Identität und birgt unzählige Märchen und Legenden, aber auch Geschichte. Das ist an Caspar David Friedrichs „Felsental” (Das Grab des Arminius) gut abzulesen. In diesem Sinne, aber leider mit anderer Intention, hat auch die NS-Propaganda den Wald vereinnahmt.

Paris

Spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts etablierte sich Paris als neuer Nabel der Kunstwelt. Bremer Sammler erwarben wichtige Werke von Édouard Manet, Claude Monet und vor allem Gustave Courbet, dessen ruppige Malweise zugleich provozierte und faszinierte.

Ländliches Leben

Die Wahrnehmung des französischen Impressionismus machte sich nach der Wende zum 20. Jahrhundert auch in den Werken von Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt deutlich bemerkbar. Da es nach dem deutsch-französischen Krieg schwer war, mit französischen Kollegen in Kontakt zu kommen, holte Liebermann sich seine Inspirationen in den Niederlanden. Corinth wiederum knüpfte an die sinnlichen Akte der alten Meister an. Bemerkenswert sind hier die Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Blick.

Gebadet im Licht

In den 1880er-Jahren begannen Künstler wie Paul Gauguin, Paul Cézanne und Vincent van Gogh, über den Impressionismus hinauszugehen. Letzterer wurde zum Vorbild der deutschen Expressionisten.

Künstlerkolonie Worpswede

1884 reiste Fritz Mackensen erstmals ins Teufelsmoor bei Bremen. Begeistert von der einsamen und kargen Landschaft ließen er und sein Freundeskreis sich dauerhaft in Worpswede nieder und gründeten den gleichnamigen Künstlerverein. Die ausgestellten Bilder zeigen ein breites Spektrum von Fritz Overbecks windgepeitschter Landschaft über die poetischen Stimmungsbilder Otto Modersohns bis hin zu den feinen Farbgeweben Heinrich Vogelers.

Brücke und Blauer Reiter

Die Mitglieder der beiden Künstlergruppen „Brücke” und „Blauer Reiter” strebten danach, mit ihren Werken Empfindungen sichtbar zu machen. Sie betonten die Konturen und zogen die Flächigkeit einer Illusion von Raum vor. Für den jungen Max Beckmann wurden seine Fronterfahrungen zu einem schockierenden Schlüsselerlebnis.

Urbane Mythen und Symbole

Künstler der Gegenwart haben einige typisch bremische Themen aktuell interpretiert. Programmatisch thronen im zentralen Raum des Museums Maurizio Cattelans Bremer Stadtmusikanten, als identitätsstiftendes Symbol und Monument des sozialen Zusammenhalts.

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