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20.7.2025
(modifiziert)
Fassade zu „KunstHausWien (Museum)”, AT-1030 Wien
Foto: Eva Kelety
 zu „KunstHausWien (Museum)”, AT-1030 Wien
Foto: Thomas Meyer, 2016
Irinaland zu „KunstHausWien (Museum)”, AT-1030 Wien
Irinaland über dem Balkan, 1969
© KunstHausWien
Grünstadt zu „KunstHausWien (Museum)”, AT-1030 Wien
Drei Bilder 2 zu „KunstHausWien (Museum)”, AT-1030 Wien
Panoramafenster zu „KunstHausWien (Museum)”, AT-1030 Wien
Hunderwassers Hügelwiesenland zu „KunstHausWien (Museum)”, AT-1030 Wien
Schiff Regentag zu „KunstHausWien (Museum)”, AT-1030 Wien

Museum

KunstHausWien

Museum Hundertwasser

Untere Weissgerberstraße 13
AT-1030 Wien
Ganzjährig:
tägl. 10-18 (17.30) Uhr

Das ehemalige Fabrikgebäude wurde von ▸Friedensreich Hundertwasser mit bunten Fliesen, Brunnen, Bäumen in den Fensternischen und unebenen Fußböden in ein außergewöhnliches Museum umgestaltet und zeigt heute die weltweit einzige permanente Hundertwasser-Gesamtschau mit Malerei, Grafik, Architektur und Ökologie.

Die Gemälde

Seine individuelle malerische Ausdrucksweise entwickelte Hundertwasser in den frühen 1950er-Jahren unter dem Eindruck seiner Reisen nach Italien, Frankreich, Spanien und Nordafrika. Seien es die Zeugnisse der byzantinischen Kunst, die Wandmalereien des Mittelalters und der Renaissance in Oberitalien oder die Begegnung mit Kunstwerken der Expressionisten und vor allem die Liebe zur Kunst Egon Schieles: die unterschiedlichsten Kunsterlebnisse, aber auch die Begegnung mit Land und Leuten auf seinen Reisen formten seine Persönlichkeit wie seine Kunst.

Hundertwasser verglich das Entstehen seiner Bilder mit Wachstumsvorgängen in der Natur und sprach von einer „vegetativen Malerei”. Viele seiner Farben stellte er selbst her: er verwendete Wasserfarben, Ölfarben und Eitempera sowie glänzende Lacke und Pigmente aus zerriebenen Erden und Ziegeln und arbeitete auf vieler-lei Papieren, mit Vorliebe auf gebrauchtem Packpapier, das er häufig auf Bildträger wie Holzfaserplatten, Hanf oder Leinen montierte. Hundertwasser malte, wo auch immer er sich aufhielt, zu Hause, in der Natur und unterwegs, in Kaffeehäusern und Restaurants, er malte im Zug oder Flugzeug ebenso wie in Hotels oder bei Freunden, bei denen er zu Gast war. Er brauchte dafür weder Atelier noch Staffelei: Leinwand oder Papier lagen flach vor ihm.

Menschengerechtere Architektur

Der Maler Hundertwasser setzte sich seit den 1950er-Jahren nicht nur in seinen Gemälden, sondern auch in Manifesten, Essays und Demonstrationen mit Architektur auseinander. 1958 formulierte er seine Ablehnung der geometrisch geraden Linie und der funktionellen Architektur. In den Nacktreden für das Anrecht auf die dritte Haut kritisierte er das sterile Rastersystem der Architektur, forderte schöpferische Baufreiheit und das Recht zur individuellen Veränderung von Gebäuden.

Das Hügelwiesenland

Um eine Alternative zur zunehmenden Verhüttelung der Landschaft am Stadtrand durch rasterförmig angelegte Reihenhaussiedlungen und Wohnblöcke zu bieten, entwickelte Hundertwasser in den 1980er-Jahren für eine Wohnsiedlung im Norden Wiens das Hügelwiesenland. Die energiesparenden Häuser fügen sich in die Landschaft ein und können mit den Familien mitwachsen. Ihre Dächer sollen konsequent begrünt und in Form von Wiesen, Wäldern und Gemüsegärten ausgestaltet sein.

Das Projekt konnte in Wien angesichts des Widerstandes einer lokalen Bürgerinitiative, die Störungen durch den von Hundertwassers Architektur verursachten Tourismus befürchtete, nicht realisiert werden. Hundertwassers Konzept wurde in den 1990er-Jahren zwar nicht als städtische Wohnsiedlung, aber in einer Weiterentwicklung als Freizeitkomplex für das Thermendorf Rogner Bad Blumau in der Oststeiermark verwirklicht: hier konnte Hundertwasser eine Wiesenlandschaft mit darin eingebetteten Hausformen gestalten.

Die Humustoilette

Scheiße wird Erde, die man aufs Dach legt., Wird zu Wiese, Wald und Gärten. Der Kreislauf ist geschlossen. Es gibt keinen Abfall mehr. Die Umwelt gesundet. Man braucht, um zu beginnen, nur einen großen Kübel, ein Brett mit 2 Löchern, eines zum Hineinmachen, eines für den Luftabzug, einen Deckel der Luft hineinlassen soll, ein Ofenrohr, eine kleine Lampe oder Wärmequelle, Luft, Feuchtigkeit, Wärme und Humusbakterien.

Das Schiff „Regentag”

1968 erwarb Hundertwasser in Palermo ein 1910 gebautes sizilianisch-tunesisches Transportschiff, gab ihm den Namen „Regentag” und ließ es nach seinen Vorstellungen umgestalten. Gut zehn Jahre lang kreuzte er damit im Mittelmeer, lebte und malte auf dem Schiff und überführte es schließlich bis in den Hafen von Auckland. Heute liegt die „Regentag” bei Tulln in der Donau vor Anker und steht, umfassend saniert, unter Denkmalschutz.

Hundertwasser-Fahnen

Die Fahnen, die Hundertwasser gestaltet hat, sind visuelle Manifeste für Toleranz, Frieden und Versöhnung. Dies wird bereits bei seiner 1978 entworfenen Friedensfahne für das Gelobte Land deutlich, in der er Davidstern und Halbmond miteinander versöhnt. Für seine zweite Heimat Neuseeland gestaltete Hundertwasser 1983 die Koru-Fahne. Sie zeigt die Spiralform des Koru-Farns und verbindet Neuseelands Natur mit dem zwei Kulturen umfassenden geschichtlichen Erbe der Mäori und der europäischen Einwanderer und genießt in Neuseeland große Popularität.

Bücher

Hundertwasser hatte eine besondere Beziehung zu Büchern. Für ihn waren ein Einband mit taktiler Qualität, am liebsten aus Stoff, eine klassische Fadenbindung und ein individuelles, markantes Layout wichtig. Als Verlage seine Vorstellungen als undurchführbar und preislich unrealistisch ablehnten, bewies er das Gegenteil: die von ihm entwickelten Buchgestaltungen in ihren vielfältigen und individuellen Ausführungen wurden Verkaufserfolge mit immer neuen Auflagen.

Japanischer Farbholzschnitt

Hundertwasser war der erste europäische Maler, dessen Werke von japanischen Meistern geschnitten und gedruckt wurden. Im Vergleich zu den schweren, oftmals derben Holzschnitten der europäischen Kunst erschienen ihm die japanischen Arbeiten leicht und schwebend, als wären sie mit Aquarellfarben gemalt.

Der Verfasser hat das Museum am 7.3.2025 besucht.

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Rainer Göttlinger
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