Ausstellung 17.12.21 bis 04.12.22

Jüdisches Museum Franken in Fürth

Rückkehr in die Heimat

Der Sammler und Mäzen Werner Gundelfinger

Fürth, Jüdisches Museum Franken in Fürth: Als Werner Gundelfinger 1945 aus dem Schweizer Exil nach Fürth zurückkehrte, begann er, Relikte einer zerstörten Welt zu sammeln. Er sammelte Judaika aus Franken und hütete sie. Heute ist diese Sammlung eine der wichtigsten im Jüdischen Museum Franken. Bis 4.12.22

Als Werner Gundelfinger 1945 aus dem Schweizer Exil nach Fürth zurückkehrte, begann er, Relikte einer zerstörten Welt zu sammeln. Er sammelte Judaika aus Franken und hütete sie in einer Zeit, in der die Trennlinie zwischen Tätern und Opfern kristallklar war, jüdische Gemeinden aufgebaut wurden, aber niemand an eine Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland glaubte.

Mit 16 Jahren flüchtete Werner Gundelfinger im Nationalsozialismus mit seinen Eltern und seinem Bruder in die Schweiz. Unmittelbar nach Kriegsende kehrte er als junger Mann mit seinem Vater Alfred nach Fürth zurück. Sie hofften, die Geschäfte des „arisierten” und einst erfolgreichen Familienbetriebs, einer Textilwarenhandlung, wieder übernehmen zu können.

Dies gelang ihm zwar, eine Rückkehr in die Heimat ist das Leben in Fürth jedoch nicht. Denn die alte Heimat gab es nicht mehr. Gundelfinger fand sich inmitten grundverschiedener Welten wieder, zwischen denen er sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit virtuos zu bewegen wusste: zwischen der neuen Fürther orthodoxen und osteuropäisch geprägten jüdischen Gemeinde und der amerikanisch-jüdischen Reform-Gemeinde der US-Allierten, zwischen den deutschen Tätern und denen, die geholfen hatten und der Schweiz, wo er die Schoa überlebte, aber zunächst nicht heimisch wurde.

Gundelfingers Leben steht exemplarisch für das Leben deutscher Juden, die im Ausland überlebten und in der unmittelbaren Nachkriegszeit nach Deutschland zurückkehrten.

Der Nationalsozialismus beabsichtigte einst die Enteignung, die Vertreibung und die Ermordung der jüdischen Bevölkerung, Judaika wurden perfider Weise und aus den unterschiedlichsten Gründen zu beliebten Sammlerstücken. Werner Gundelfinger sammelte alles, was er fand: Toraschmuck, Torarollen, Schabbatleuchten, Kidduschbecher, Besamimbüchsen, Chanukkaleuchter, hebräische Drucke – und holte sie so „nach Hause”, bis er sie schließlich 1999 zusammen mit seiner Ehefrau Suzanne und Werner Gundelfinger dem Jüdischen Museum Franken stiftete.

Heute ist diese Sammlung eine der wichtigsten im Jüdischen Museum Franken.

Die Ausstellungsandockung anlässlich Werner Gundelfingers 100. Geburtstag zeigt eindrucksvoll, wie ambivalent das jüdische Leben in Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit für zurückgekehrte Juden war.

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