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Rund um den Münchner Flughafen

Urzeittiere, Bernstein aus der Bronzezeit, Glockengießerei und vieles mehr

Wer sich für Museen interessiert, hat auch in Erding und Umgebung nie Langeweile.

Man werfe einen Spicker, also einen Dartpfeil, auf eine Deutschlandkarte. Wo er auftrifft, buche man sich für eine Nacht in ein schönes Landhotel ein und erkunde von dort zwei Tage lang die Museen der Umgebung: spannende Entdeckungen sind garantiert.

Der Spicker trifft dieses Mal Erding. Und welche Museen sich in der Umgebung der Weißbierstadt befinden, verrät die App „Museen”: Stadtmuseum Erding, Bauernhausmuseum, Diözesanmuseum Freising und noch viele mehr.

Das Bauernhausmuseum hat aber leider gerade Winterpause. Und das Diözesanmuseum wird renovert, genau wie das benachbarte Stadtmuseum.

Saurier

Aber da lockt ja auch noch das Urzeitmuseum Sammlung Kapustin in Taufkirchen an der Vils, knapp 20 Kilometer östlich von Erding. Schon das Logo des Museums zeigt, daß Saurier sehr schwere Tiere waren. Und sie sind hier überall: vor dem Museum, auf dem Museum, und im Museum selbst natürlich auch: seltene Originalfossilien und lebensechte Modelle, inszeniert in prähistorischen Landschaften.

Seit kurzem gibt es eine neue Saurierhalle, nur ein paar Schritte vom angestammten Museum gelegen. Das Freigelände hinter der Halle ist noch nicht fertig, aber es ist ohnehin kein Wetter für draußen. Und die Halle hält, was sie verspricht. Erfreulicherweise zeigt sie außer gigantisch-eindrucksvollen Knochengerüsten auch das eine oder andere Diorama, das Gelege eines Entenschnabelsauriers zum Beispiel: Brutpflege wie bei den heutigen Vögeln.

Doch auch das Haupthaus im Souterrain eines typischen Schulgebäudes bietet Überraschendes, fossile Laubblätter etwa oder urzeitliche Säugetiere. Und selbstverständlich trägt am Ausgang ein Dino-Shop dazu bei, auch den Vierjährigen bleibende Erinnerungen zu schenken.

Bernstein

Ein zwar wenig bekanntes, aber für die Vorgeschichte höchst bedeutsames kleines Museum ist auch das Bronzezeit Bayern Museum in Kranzberg, Gemeinde Bernstorf. Man nutze also den Tag, parke das Auto in der Nähe der Pfarrkirche und ersteige zu Fuß den Pantaleonshügel, auf dessen Gipfel das Museum thront. Die kleine Mühe wird gleich doppelt belohnt: mit einem faszinierenden Blick über München hinweg auf das ferne Zugspitzmassiv, und mit einem ebenso faszinierenden Schmuckstück, das seinesgleichen sucht.

Denn was sich da effektvoll in der Vitrine dreht, ist ein goldrot schimmerndes Stück Bernstein aus der Mittleren Bronzezeit, mit eingeritzten Schriftzeichen auf der einen und einem lächelnden Gesicht auf der anderen Seite, begleitet von weiteren, nicht minder interessanten Funden. Das Gold des Diadems und der Krone ist mit 99,99% Goldanteil so rein, daß es lange Zeit für eine Fälschung gehalten wurde. Die Kontroversen darüber halten bis heute an.

Eines der Museen rund um Erding fehlt noch, nämlich das Erdinger Stadtmuseum selbst. Vorbei am Freisinger Schafhof, einem Ausstellungsgebäude mit sehenswertem Programm, und natürlich am Gelände des Franz-Josef-Strauß-Flughafens führt mich mein Weg schließlich zurück in die Stadt des bekannten Bieres.

Ur- und Stadtgeschichte

Der futuristisch-moderne Anbau des Museums ist in gold schimmernden Platten gehüllt und im Inneren so gestaltet, daß nunmehr der historische Altbau wie ein Anbau wirkt. Man betritt also erwartungsvoll das Erdgeschoß – und findet sich in Gesellschaft faszinierender archäologischer Funde. Da sind etwa die Spangenbarren: rippenförmige Bronzestangen, die der Händler auf seiner Tour von Schmied zu Schmied vermutlich um den Leib gebunden trug. Da sind kunstvoll gefertigte Gewandfibeln und römisches „gutes Geschirr”. Und das war erst der Anfang.

Als nicht minder interessant erweist sich auch die Stadtgeschichte im oberen Stockwerk. Hier seien insbesondere die lebensgroßen spätgotischen und barocken Schnitzfiguren erwähnt, aber auch die diversen Zeugnisse zum Leben in Erding und Umgebung von etwa 1850 bis 1950.

Ein typisches Erdinger Gewerbe war die Glockengießerei, deshalb gibt es im Museum auch eine eigene Abteilung dafür. Berühmt war Erding auch für seine Lodenstoffe, das strapazierfähige Wollgewebe wurde von den „Loderern” in einem aufwendigen Prozeß hergestellt und bis nach Italien und in die Türkei verkauft. Zwei Stunden reichen kaum aus, um dieses Museum in seiner Gesamtheit zu erleben, drei wären besser.

Der eingangs erwähnte Spicker hat gut getroffen dieses Mal. Aber das tut er ja fast immer.

Verantwortlich gem. §55 Abs 2 RStV: Rainer Göttlinger. Pressemitteilungen willkommen. #1048229 © Webmuseen