Museum

Schlossmuseum

des Marktes Murnau

Murnau: Der Blaue Reiter, Gabriele Münter, Landschaft. Hinterglaskunst aus Europa und Asien. Kulturgeschichte Murnaus.

Die Burg mit ihrem mittelalterliche Wohnturm aus dem Jahre 1233 war mehr als 400 Jahre lang Amts- und Wohnsitz der Pfleger des Klosters Ettal, die hier bis zur Säkularisation (1803) die Gerichtsbarkeit ausübten.

Seit dem 19. Jahrhundert wirkte der beliebte „Sommerfrischeort” auf Künstler und andere bedeutende Persönlichkeiten wie ein Magnet. Eine umfangreiche Sammlung von Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken Gabriele Münters, der Neuen Künstlervereinigung München und des Blauen Reiters bildet das Herzstück des Museums. Weitere Schwerpunkte sind die Landschafts­malerei des 19. und 20. Jahrhunderts sowie eine umfassende Sammlung regionaler und internationaler Hinterglasbilder vom 16. bis ins 21. Jahrhundert.

Gabriele Münter

Als Gabriele Münter (1877-1962) und Wassily Kandinsky (1866-1944) im Sommer 1908 nach einem Rückzugsort auf dem Land suchten und dabei Murnau entdeckten, öffneten der malerisch gelegene Ort und die reizvolle Voralpenlandschaft ihren Blick und gaben ihnen neue Impulse für die Malerei. Es entstanden eine große Zahl von Ölstudien, in denen ihr durchgreifender künstlerischer Fortschritt deutlich wurde: Münter hatte zu einer Malweise gefunden, die das Gegenständliche auf Grundformen reduzierte, in dunkle Umrisszeichnung gesetzte Flächen betonte und den Ausdruck durch reine, kräftige Farbigkeit steigerte.

Bedeutsam für diesen künstlerischen Durchbruch wurde für sie die im Alpenvorland heimische Volkskunst, besonders die volkstümlichen Hinterglasbilder mit ihrer reduzierten Darstellungsweise und der leuchtenden Farbigkeit.

Die Trennung von Kandinsky bewirkte im Werk Münters einen Einschnitt, der sich in reduzierter Schaffenskraft widerspiegelt. Erst 1923 in Murnau wandte sie sich wieder der Malerei und besonders der Zeichnung zu. Seit 1925/26 orientierte sie sich am Stil der „Neuen Sachlichkeit". Neu liiert, begann für sie ab 1930 eine Zeit neuer Produktivität, und sie schuf Bilder von starker Farbkraft. In den 40er und 50er Jahren lag ein besonderer Schwerpunkt auf Blumenstilleben. In der Zeit zwischen 1951 und 1954 entstanden wieder zahlreiche kleinerformatige abstrakte Werke.

Der Blaue Reiter

„Das hiermit angekündigte erste Buch, dem andere in zwangloser Reihe folgen sollen, umfaßt die neueste malerische Bewegung in Frankreich, Deutschland und Rußland und zeigt ihre feinen Verbindungsfäden mit der Gotik und den Primitiven, mit Afrika und dem großen Orient, mit der so ausdrucksstarken ursprünglichen Volkskunst und Kinderkunst, besonders mit der modernsten musikalischen Bewegung in Europa und den neuen Bühnenideen unserer Zeit”, schrieb Franz Marc im Januar 1912 im Subskriptionsprospekt zum Almanach „Der Blaue Reiter”.

Neben den beiden Herausgebern lieferten u.a. die Maler David Burljuk, Robert Delaunay und August Macke, der Schriftsteller Roger Allard sowie die Komponisten Arnold Schönberg und Thomas von Hartmann die Beiträge.

Einen weiteren, wesentlichen Bestandteil bildeten die 141 Reproduktionen von Werken der Malerei aus unterschiedlichen Epochen, von naiver Malerei, der Volkskunst, Kindermalerei und von Zeugnissen außereuropäischer Kulturen.

Der Almanach erschien im Mai 1912 im Piper Verlag München und gilt als eine der bedeutendsten programmatischen Schriften zur Kunst des 20. Jahrhunderts.

Max Beckmann

Max Beckmann, im Grunde ein Großstadtmensch, war nicht nur über seine familiären Beziehungen, seine Aufenthalte und über seine Werke mit dieser Region verbunden. Er ging abseits von Künstler-Zusammenschlüssen seinen eigenen Weg, verstand sich nie als „Expressionist” und ließ sich keiner Künstlergruppe zurechnen. Auch nach seinem Tode blieben verschiedene Verbindungen zu Ohlstadt und Murnau bestehen.

Bergbilder

Die Lage Murnaus inmitten des Voralpenlandes bietet sich in besonderer Weise für die Präsentation vorwiegend im 19. Jahrhundert entstandener Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen mit Motiven aus der unmittelbaren Umgebung an.

Die Landschaftsmaler der ersten und zweiten Generation der Münchner Schule entdeckten erstmals die oberbayerische Landschaft mit ihren Seen und dem Vorgebirge, der rauen Bergwelt mit wilden Wasserfällen und idyllischen Almen und schließlich die einzigartige Moorlandschaft. Ihre Eindrücke beim Anblick des Murnauer Mooses und des Staffelsees, von Garmisch und Partenkirchen mit dem Wettersteingebirge sowie vom Kochelsee mit Herzogstand und Heimgarten hielten sie in Zeichnungen und Aquarellen fest und setzten sie anschließend im Atelier in Ölgemälde um.

Um Carl Spitzweg und besonders auch um Eduard Schleich d.A. scharten sich eine Reihe von Landschaftsmalern, die in Ablehnung des schulischen Akademiebetriebs im Sommer lieber miteinander auf Motivsuche in die Natur hinaus gingen.

Ihre Werke sind nicht allein Zeugnisse für genaue Naturbeobachtung und topographisches Interesse, sondern auch für die teils romantisch-verklärende Sicht, mit der man den bäuerlichen Alltag sowie das Zusammenleben von Mensch und Tier damals wahrnahm.

Hinterglasbilder

Die Hinterglasmalereien der Sammlungen Udo und Hedi Dammert und Wilhelm Gartner vermitteln in ihrer erlesenen Qualität und Fülle ein eindrucksvolles Bild unterschiedlicher Malstile, Schulen und Techniken vom 17. bis 19. Jahrhundert. Hinzu kommen die faszinierende Vielfalt und der immense Themenreichtum, der beide Sammlungen kennzeichnet.

Ödön von Horváth

Dem Diplomatensohn Odön von Horváth gefiel die Sommerfrische seiner Eltern so gut, dass er von 1924 bis 1933 überwiegend hier in deren Villa lebte. Die Nähe zu den Bewohnern, zur Region und natürlich auch zu den Ereignissen bot ihm Stoff für seine weltberühmten Theaterstücke. Nach einer Auseinandersetzung mit ortsansässigen Nationalsozialisten musste er Murnau im Februar 1933 fluchtartig verlassen.

Die Ausstellung im Schloßmuseum dokumentiert insbesondere Ödön von Horvaths Leben in, um und mit Murnau.

Burggeschichte

Die Burg wurde oberhalb des Marktes nahe der im Mittelalter wichtigen Handelsstraße zwischen Oberitalien und Augsburg angelegt. Archäologische Grabungen und Bauuntersuchungen, die anläßlich des Umbaus zum Museum in den Jahren 1991/92 erfolgten, erbrachten Erkenntnisse über die Baugeschichte, besonders über den Wohnturm. Zugleich gaben sie einigen Aufschluß über den Alltag seiner Bewohner zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert.

Der Verfasser hat das Museum am 23.9.2021 besucht.

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