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Museum Penzberg

Sammlung Campendonk

Penzberg: Denkmalgeschütztes ehemaliges Arbeiterwohnhaus des Bergwerks. Wohnung mit zeitgenössischen Möbeln und Hausrat der Zeit um 1920. Der expressionistische Maler Heinrich Campendonk, jüngstes Mitglied der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter”.

Das denkmalgeschützte ehemalige Arbeiterwohnhaus des Bergwerks wurde 2016 um einen fensterlosen Erweiterungsbau ergänzt, der die Form des Gebäudes aufgreift, und dessen Klinkerfassade den Bezug zur Bergwerksgeschichte Penzbergs herstellt.

Heinrich Campendonk

Der in Krefeld geborene Heinrich Campendonk (1889-1957), der bei dem überragenden Lehrer Jan Thorn Prikker eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Krefeld genossen hatte, kam 1911 auf Einladung von Franz Marc und August Macke aus dem Rheinland nach Oberbayern.

Zunächst lebte er mit Helmuth Macke, einem Vetter des Malers August Macke, in der Nachbarschaft von Franz Marc in Sindelsdorf. Seine Einbindung in die Gruppe „Der Blaue Reiter” und der rege Austausch mit Künstlern wie Wassily Kandinsky, Alexej Jawlensky, Marianne von Werefkin, Gabriele Münter und Paul Klee regten den jungen Künstler zu einer intensiven gestalterischen Auseinandersetzung mit den neuen Ausdrucksmitteln der Malerei an.

Nach dem Tod von Franz Marc und August Macke zog Campendonk zunächst nach Seeshaupt und 1922 zurück ins Rheinland. Dort bestimmten Aufträge für Wandmalerei und Glasfenster sowie Bühnenbildentwürfe seine weitere Entwicklung. 1926 bekam er eine Professur an der Akademie in Düsseldorf, aus der er 1933 von den Nationalsozialisten wieder entlassen wurde.

In Amsterdam, wo er ab 1935 den Lehrstuhl für Wandmalerei und Glasfenstergestaltung innehatte, wurde er zu einem gesuchten Lehrer. Die Diskrepanz zwischen gefeiertem und „entartetem” Künstler bestimmte seinen weiteren Weg. Trotz mehrerer Angebote kehrte er auch nach dem Krieg nicht nach Deutschland zurück.

Hinterglasmalerei

Die Technik der Hinterglasmalerei ist zumeist aus der Volkskunst des 19. Jahrhunderts mit ihren typischen Heiligendarstellungen bekannt.

Bei einem Hinterglasbild wird die Darstellung von hinten auf die Glastafel gemalt. Das Bild muss daher nicht nur seitenverkehrt angelegt werden, auch die einzelnen Arbeitsschritte haben umgekehrter Reihenfolge abzulaufen: allein die zuerst auf das Glas gesetzte Malfarbe ist diejenige, die man vorderseitig sehen kann, ein korrigierendes Übermalen ist nicht mehr möglich.

Campendonk hat seine Bilder durch die gläserne Oberfläche erst richtig zum Leuchten gebracht. Das Material kam seinem Interesse an Steigerung der Farbwirkung ganz offensichtlich entgegen, die durch das Phänomen des Tiefenlichts eröffneten Möglichkeiten faszinierten ihn.

In der Penzberger Stadtpfarrkirche Christkönig sind vier Fenster Campendonks verbaut, darunter das „,Passionsfenster” von 1937 aus Paris sowie das Probefenster des Entwurfes von fünf Fenstern für den Kölner Dom von 1952.

Die Bergarbeiterwohnung

Der ältere Bauabschnitt des heutigen Museums war ein „Werkshaus”: ein Wohnhaus nur für Familien der Bergleute. Eigentümer war das Bergwerk. Die Miete war günstig. In drei Stockwerken gab es je zwei Zweizimmerwohnungen. 51 solcher Häuser entstanden von 1872 bis 1890 in Penzberg. Man nannte sie Arbeiterkolonie, und sie prägten lange Zeit das Ortsbild.

Die gezeigte Einrichtung ist typisch für die Zeit um 1920. Die beiden Räume wurden zum Schlafen und Wohnen genutzt. Nur in einem Raum wärmte ein Ofen. Er war zugleich Kochherd. Das Wasser wurde vom öffentlichen Brunnen geholt, Elektrisches Licht war nur in der Wohnküche vorhanden, ein Badezimmer im heutigen Sinne gab es nicht. In jedem Stockwerk befand sich eine Trockentoilette.

Mitunter waren drei Generationen Bergarbeiterfamilien mit bis zu 12 Kindern in einer Wohnung vereint: Arbeiten, Schlafen und Essen mussten dann im Schichtbetrieb erfolgen.

Die Penzberger Mordnacht

In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 ereignete sich das dunkelste Kapitel der damals noch jungen Stadt Penzberg: sechzehn Frauen und Männer verloren ihr Leben, ermordet von fanatischen Anhängern eines totalitären Regimes.

Diesen 16 Menschen ist es zu verdanken, dass die geplante Sprengung der Kohlegrube verhindert werden konnte. Ihre Zivilcourage mussten sie jedoch mit dem Leben bezahlen.

Die Penzberger Mordnacht wurde auch über die Stadtgrenzen hinaus zum Begriff eines der grausamsten Endphasenverbrechen des untergehenden NS-Regimes.

Der Verfasser hat das Museum am 25.9.2021 besucht.

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