Ausstellung 02.10.22 bis 29.01.23

Diözesanmuseum für christliche Kunst

Tanz auf dem Vulkan

Freising, Diözesanmuseum für christliche Kunst: Die Ausbrüche des Vesuv im 17. und 18. Jahrhundert führten zu einer außergewöhnlichen Frömmigkeitskultur, die sich um den heiligen Januarius (San Gennaro) formte. Kunsthistorischer Höhepunkt der Ausstellung ist das Caravaggio-Gemälde der „Medusa Mortula” von 1597. Bis 29.1.23

Der Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 nach Christus mit der Zerstörung der blühenden Städte Pompeji und Herculaneum war eines der großen Traumata der abendländischen Geschichte. Dieses Ereignis erschütterte das Selbstverständnis der römischen Zivilisation und offenbarte deren Verletzlichkeit angesichts einer nicht zu bändigenden Natur­gewalt.

Schon damals versuchten die Menschen, das Ereignis mythologisch oder auch naturwissenschaftlich zu erklären und zu deuten. So wurden Erderschütterungen etwa als Kampf der Giganten oder als göttliche Strafe interpretiert. Opfer und Gebet sollten die aufgebrachten Götter ver­söhnen.

Auch bei der nachfolgenden christlichen Bevölkerung führte die Bedrohung durch die entfesselten Naturkräfte zu religiösen Deutungsversuchen und Abwehrpraktiken. Mit den großen Ausbrüchen des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelte sich eine außergewöhnliche Frömmigkeitskultur, die sich um den heiligen Januarius (San Gennaro) formte. Seine einzigartige Bedeutung als Schutzheiliger der Stadt Neapel zeigt sich bis heute in einem der reichsten Kirchenschätze der Welt. Dieser zeichnet sich nicht nur durch den materiellen Wert, sondern auch durch seine kunsthistorische Be­deu­tung aus.

Ein Großteil dieses einzigartigen Schatzes wird erstmalig in Deutschland gezeigt. Den kunsthistorischen Höhepunkt der Ausstellung bildet dabei das Gemälde der „Medusa Mortula” von Michelangelo Merisi da Cara­vaggio von 1597.

Die Aufklärung und das zugleich mit ihr erwachende Interesse an den Naturwissenschaften führten dann im 18. Jahrhundert in der Vesuv-Region zu bahnbrechenden vulkanologischen Forschungen und mit der Errichtung des „Vesuv-Observatoriums” 1845 zur weltweit ersten und noch heute aktiven vulkanologischen Forschungs­station.

Für viele Neapolitaner steht die Wahrnehmung und Bewältigung der latent andauernden existentiellen Bedrohung durch den Vesuv und die terrestrischen Energien im Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft. Neapel und der Vesuv stehen deshalb paradigmatisch für die Suche nach Erklärung, Sinn und Hoffnung angesichts unvorhersehbarer und unkontrollierbarer Bedrohungen durch die Natur.

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