Beitrag

Unterwegs im Werdenfelser Land

Vom zerschossenen Gipfelkreuz zum überdimensionalen Fernrohr

  •  zu „Unterwegs im Werdenfelser Land”,
    Bergwelt Karwendel
    Copyright: www.karwendelbahn.de
  • Bilder vom Bau zu „Unterwegs im Werdenfelser Land”,
  •  zu „Unterwegs im Werdenfelser Land”,
  • Deutschland-Bob zu „Unterwegs im Werdenfelser Land”,
  • Hochzeiter zu „Unterwegs im Werdenfelser Land”,

Als amerikanische Truppenteile 1945 den höchsten deutschen Berg einnahmen, fühlten sich einige von ihnen zu einem lustigen Zielschießen auf das metallene Gipfelkreuz animiert. Und sie trafen gut genug, um mit ihren Kugeln das schwere Kreuz in ein Sieb zu verwandeln. Oder wahlweise in ein zeitgeschichtliches Mahnmal, gerade recht für ein Museum. Und dort steht es nun auch. Aber den Zugspitzgipfel ziert doch nach wie vor ein Kreuz? Richtig: der Gipfel erhielt ein funkelnagelneues.

Werdenfels Museum

Die museumsaffine Leserschaft ahnt es schon: der Doppelort Garmisch-Partenkirchen hat nicht nur lüftlbemalte Werdenfelser Häuser und eine Olympia-Sprungschanze zu bieten, sondern auch das eine oder andere museale Kleinod, allen voran das Werdenfelser Museum im Ortsteil Partenkirchen: mitten im historischen Ortskern illustrieren hier unzählige volkskundliche und bäuerliche Exponate und Ensembles die Geschichte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen und das Leben in den Orten.

Ein volkskundliches Museum wäre keines ohne einen Herrgottswinkel, ein Schlafzimmer mit Himmelbett und eine Rauchküche samt Messingpfannen und -töpfen. Auch die regionale Tracht kommt natürlich nicht zu kurz und ebenso der wuchtig-dunkelgrüne Kachelofen.

Bekannt ist die Region auch für ihren Geigenbau, und so darf im Werdenfelser Museum eine nachgestellte Geigenbau-Werkstatt nicht fehlen. Nur eine Stube zwar, kein ganzes Museum wie im benachbarten Mittenwald, aber vollkommen ausreichend, um den arbeitsteiligen Prozeß der Handfertigung eines solchen Instrumentes anschaulich zu machen.

Richard Strauss Institut

In einer so wunderschönen Gegend wie dem Werdenfelser Land läßt es sich nicht nur gut urlauben, sondern auch gut arbeiten. Man könnte zum Beispiel Opern, Sonaten und Lieder komponieren wie Richard Strauss, der sich 1908 in Garmisch ein Haus bauen ließ. Auch die Inspiration zur berühmten Alpensinfonie dürfte einer Wanderung in die Bergwelt der Umgebung entsprungen sein.

Im Richard-Strauss-Institut, einer hübschen Villa mit Park, kann man dem spätromantischen Komponisten, Dirigenten und Theaterleiter ganz nah sein, seinen schwierigen Lebensweg nachvollziehen und sich im Archiv durch die Partiturensammlung blättern.

Bobschuppen

Die Fusion der Gemeinden Garmisch und Partenkirchen geht übrigens auf die Olympischen Winterspiele von 1936 zurück.

Oben am Riessersee zu Füßen des Waxensteins soll sich, fußläufig erreichbar, ein Bobmuseum befinden. Aber wo genau? Die freundliche Dame im Tourismusbüro malt einen Kringel in den ausgehändigten Ortsplan: „Hier!”. Also hurtig den Berg hinaufgeschritten. Und hier oben, mitten im Bergwald, soll ein Museum sein? Nicht ganz: die eingezeichnete Stelle ist die berüchtigte „Bayernkurve” der olympischen Bobbahn, das Museum befindet sich an deren unterem Auslauf. Nun, Bewegung an frischer Bergluft soll ja sehr gesund sein.

Historische Bobs, unzählige Ausstellungsstücke und insbesondere die von echter Leidenschaft getragene Führung vermitteln ein sehr authentisches Bild von den Helden des Bobsports und deren teils tragische Geschichten, Original-Filmmaterial lässt die Atmosphäre vergangener Sportereignisse wieder aufleben.

Hoch hinaus

Das Werdenfelser Land wird von hohen Bergen beherrscht. Von der Gipfelstation der Zugspitze ins nächstgelegene Museum sind es nur ein paar Schritte, allerdings gilt es für diesen Besuch Deutschland zu verlassen und nach Österreich einzureisen. Dorthin nämlich, wo die Gondeln der Tiroler Zugspitzbahn, von Ehrwald heraufkommend, anlegen. Das geht heute viel einfacher als früher, denn bei der 1926 erbauten ersten Bahn mußten fußlahme Gipfelstürmer die letzte Etappe noch mit der Gipfelseilbahn bewältigen. Deren ehemalige Bergstation beherbergt heute nun das Seilbahnmuseum. Sogar eine der beiden Gondeln ist noch da. Zudem gibt es ein Modell des Zugspitzmassivs und eine Ausstellungen mit Werbeplakaten von damals.

Wer noch immer nicht genug vom Seilbahnfahren hat, dem sei noch ein weiteres hochgelegenes Museum empfohlen, nämlich die fernrohrähnlich geformte „Bergwelt Karwendel” direkt neben der Bergstation der Karwendelbahn. Im Inneren des überdimensionalen Fernrohrs erläutern Dioramen und Schautafeln die kostbare, teils für Touristen gesperrte Natur ringsum. Und durch die riesige Frontlinse schweift der Blick weit hinaus in die faszinierende Werdenfelser Landschaft mit ihren bezaubernden Bergseen.

Ausblick

Man könnte zum Abschluß des Kultur-und-Berge-Trips noch das Mittenwalder Geigenbaumuseum besuchen oder in Garmisch die Porzellan- und Puppensammlung des Museums Aschenbrenner. Man könnte auch für die Heimreise den Weg über die A95 wählen und noch einen Abstecher nach Ettal und Schloß Linderhof wagen. Oder am Walchensee entlang nach Kochel, um im Franz-Marc-Museum die farbgewaltigen Werke des gleichnamigen Malers zu betrachten. Oder einfach noch ein paar Tage bleiben, für das Königshaus auf dem Schachen zum Beispiel. Aber das sind andere Geschichten, die ein andermal erzählt werden.

Verantwortlich gem. §55 Abs 2 RStV: Rainer Göttlinger #1048231 © Webmuseen