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Unterwegs in Meiningen

Die thüringische Kleinstadt mit knapp 25.000 Einwohnern bietet erstaunlich viel Museum

  • Sommernachtstraum zu „Unterwegs in Meiningen”,
  • Baumbach zu „Unterwegs in Meiningen”,
  • Raumflucht mit Staffelei zu „Unterwegs in Meiningen”,

„Hoch auf dem gelben Wa-hagen sitz’ ich beim Schwager vorn…!” Jeder kennt den Text, jeder die Melodie, aber bei der Frage nach dem Verfasser dieser Zeilen dürfte man wohl häufig in ratlose Gesichter blicken. Dem einen oder anderen fiele vielleicht noch seine Schulzeit ein: die Erörterung der Metapher, die der Dichter darin zum zum Ausdruck bringt, eingeschlossen. Aber um wen geht es denn überhaupt?

Baumbachhaus

Der Gesuchte heißt Rudolf Baumbach, er verfaßte das Gedicht, die zugehörige Melodie entstand erst 44 Jahre später. Der vielseitig interessierte und begabte Arztsohn kam im zarten Alter von zwei Jahren mit seiner Familie ins Henneberger Land nach Meiningen, damals Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen, wo auch schon seine Großeltern lebten. Über die Redaktion einer Alpenvereinszeitschrift, dem „Enzian”, gelangte er zur Schriftstellerei.

Sein ehemaliges Meininger Wohnhaus, ein schmuckes Fachwerkgebäude, ist heute als „Baumbachhaus” ein Ort der Literaturpflege. Obschon gleich über der Treppe ein großes Porträt in Öl jegliche Zweifel vertreibt, daß es sich bei dem sympathisch-bärtigen Herrn um den Verfasser jener berühmten Zeile handeln muß, die an der Außenwand des Gebäudes prangt – es geht hier nicht nur um Baumbach, es geht um Literatur im allgemeinen und um die Schriftsteller, die in Meiningen verkehrten: der Märchen- und Sagensammler Ludwig Bechstein, der Romantiker Jean Paul sowie natürlich unser aller Ober-Lyriker Friedrich Schiller.

In der Bibliothek des adeligen Hausherrn stehen bibliophile Kostbarkeiten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, und ebenso im gemütlich eingerichteten Wohnzimmer.

Theatermuseum

Das Baumbachhaus ist Teil der Meininger Museen, deren Hauptsitz das stadtbildprägende Schloss Elisabethenburg ist. Vorher sei aber noch das Theatermuseum in der ehemaligen Reithalle des Schlosses mit seinen historisch wertvollen Bühnenprospekten erwähnt. Ein Bühnenprospekt ist ein bemalter Vorhang als Bühnenhintergrund, ergänzt durch seitliche Hänger und weitere Dekorationsteile, der die rasche Verwandlung des Erscheinungsbildes einer Bühne ermöglicht. Hier im Museum findet die Verwandlung allerdings nur in größeren zeitlichen Abständen statt, denn die textilen Kunstwerke sind ebenso empfindlich wie wertvoll.

Das Schauspielensemble des Meininger Hoftheaters, bekannt für seine prächtigen Inszenierungen, trat allerdings nicht nur im berühmten Staatstheater auf, sondern reiste im 19. Jahrhundert samt Bühnendeko und Requisiten quer durch Europa. Maßgeblich für diesen Erfolg war der kunstsinnige Monarch Georg II., den sie in Meiningen den „Theaterherzog” nannten.

Das aktuelle Bühnenbild, eindrucksvoll mit Licht und Ton bespielt, ist natürlich das zentrale Schaustück des Museums: die Inhalte der Vitrinen, obschon durchaus interessant, finden bei den Besuchern eher weniger Beachtung. Vielleicht, weil ja auch noch der große Schloßbau nebenan auf seine Erkundung wartet.

Museen im Schloss

Das Museum im dreiflügeligen Schloss umfaßt mehrere Ausstellungen. Dem Besucher begegnen zunächst, verteilt über die Zimmerfluchten zweier Etagen, hochrangige Gemälde, Skulpturen, Möbel, Keramik, Uhren, Wandbespannungen, prunkvolle Kachelöfen und allerlei anderes Kunsthandwerk. Besonders stolz ist man in Meiningen darauf, dem jungen Friedrich Schiller Unterschlupf gewährt zu haben, als dieser wegen unerlaubter Entfernung von der Truppe auf der Flucht vor drohender Festungshaft war.

Um klingende Namen geht es dann auch in der musikgeschichtlichen Abteilung: Richard Wagner, Hans von Bülow und Richard Strauss, die hier oft zu Besuch waren, und natürlich Max Reger, der in Meiningen die Position des Hofkapellmeisters innehatte, dazu eine Sammlung historischer Musikinstrumente in teils recht ungewöhnlichen Bauformen. Und überall diese feudal ausgestatteten Räume mit Fensternischen, aus denen die herzoglichen Blicke hinausschweifen konnten in die üppig grüne Parklandschaft!

Barocker Eiskaffee

Wie gut, daß die Parkuhren draußen auf dem Vorplatz nur werktags hungrig sind, denn oben im Barocksaal wartet ja noch das schönste Museumscafé Deutschlands, wo es sich bei Latte und Baumkuchen herrlich entspannt zurücklehnen läßt, um das Erschaute noch einmal Revue passieren zu lassen.

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