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Urzeitbahnhof Hartmannshof

Wer nicht vom Fach oder an Ur- und Frühgeschichte interessiert ist, wird sich wundern, im kleinen Hartmannshof ein solches Museum zu finden.

Das Vorgeschichtsmuseum „Urzeitbahnhof Hartmannshof” zeigt Exponate aus der Ur- und Frühgeschichte bis zur Besiedlung durch die Kelten.

Es befindet sich im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Hartmannshof aus dem Jahr 1858/59, erbaut nach Plänen von Friedrich Bürklein, der auch das 1840–1850 errichtete Rathaus in Fürth entwarf. Träger des 2011 eröffneten Museums ist wohl der „Förderverein Hunas-Archiv des Eiszeitalters e.V.” im Zusammenwirken mit der Gemeinde Pommelsbrunn-Hartmannshof.

Wer nicht vom Fach oder an Ur- und Frühgeschichte interessiert ist, wird sich wundern, im kleinen Hartmannshof, das zur 4 km westlich gelegenen Gemeinde Pommelsbrunn gehört, die 7 km östlich von Hersbruck liegt, das wiederum 30 km östlich von Nürnberg, ein solches Museum zu finden. Und er (oder sie) wird überrascht sein, auf welch hohem Niveau hinsichtlich der Exponate wie auch der Ausstellungsgestaltung sich dieses kleine, aber feine und hochinteressante Museum bewegt.

Das Museum dehnt sich über 2 Etagen im 1.Obergeschoss und unter dem Dach aus. Im 1.Obergeschoss liegen die Räume zur Ur- und Frühgeschichte, also vor etwa 200.000 Jahren, bis zur Altsteinzeit vor 12.000 Jahren. „Hunas” heißt hier das Zauberwort: Hunas ist ein kleiner Weiler unweit von Hartmannshof mit einer großen Höhle. Vor etwa 100 Jahren wurde sie bei Arbeiten im hiesigen Steinbruch und Zementwerk freigelegt, nachdem sie etwa 50.000 Jahre verschüttet ihre Geheimnisse bewahrt hat. Eine Fundgrube im wahrsten Sinn des Wortes, die seit 1950 in 3 Phasen erschlossen wurde.

Selbst wenn man mehr am Inhalt der Ausgrabungen interessiert ist, sollte man zu Beginn des Rundgangs den Bereich zur Ausgrabungsgeschichte mit immer feineren Methoden nicht links liegen lassen. Denn es ist aufschlussreich, was Pollen, also Blütenstaub, über die Flora der Frühzeit in ihrer Abfolge von kälteren und wärmeren Perioden mitteilen. Natürlich erregen die Überreste von Bären, Löwen, Nashörnern und Berberaffen mehr Aufmerksamkeit als Knöchelchen von Ratten oder Maulwürfen und was sonst noch damals die Gegend bevölkerte. Irgendwann tauchte dann der Neandertaler auf, der heute neben dem Homo Sapiens nicht allzu gut wegkommt. Immerhin, in Hunas hat er einen Weisheits(!)-Zahn hinterlassen, ein sehr seltenes Relikt und der Stolz der Präsentation.

Eine Etage höher erschließt sich um Artefakte des Sammlerehepaars Sörgel die Welt vom Ende der Altsteinzeit vor 12.000 Jahren bis zu den Kelten, die das Gebiet um 400 v. (Chr.) verließen. Auch hier hat das Umland von Hartmannshof bis hin zur bekannten Houbirg bei Happurg und dem weniger bekannten Hochberg bei Mittelburg viele hochinteressante Exponate zu bieten. Alt-, Mittel-, Jungsteinzeit (bis 2.300 v.), Bronzezeit (bis 800 v.) sowie die Eisenzeit mit der Hallstattzeit (bis 450 v.) hinterließen hier vielerlei Spuren der Besiedlung, von Kultstätten oder der Fertigung von Werkzeugen aus Stein, Bronze und Eisen. Die Houbirg besaß eine räumliche Ausdehnung wie die Altstadt Nürnbergs. Der Mauerring auf dem Hochberg umfasste fast 3 ha. Doch auch an zahlreichen anderen Orten der Umgebung fanden sich Hinweise auf eine Besiedlung.

Das alles wird – zusammengetragen und erforscht von Wissenschaftlern der Universität Erlangen-Nürnberg, der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg und von engagierten Sachverständigen aus der Umgebung – auf hohem wissenschaftlichen Niveau mit moderner musealer Gestaltung abwechslungsreich, anschaulich und auch für Laien gut nachvollziehbar präsentiert. Im 1. Obergeschoss ergänzt ein Raum für Sonderausstellungen die Präsentation, gegenwärtig zu den „Kelten im Nürnberger Umland”, gestaltet durch die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg. Etwa 190 qm umfasst das räumlich nicht sehr große Museum „Urzeitbahnhof Hartmannshof”, das sich aber zu einer erstaunlichen Fülle und Tiefe der Frühgeschichte unserer Region öffnet. Ein Besuch ist sehr empfehlenswert.

Verantwortlich gem. §55 Abs 2 RStV: Rainer Göttlinger. Pressemitteilungen willkommen. #1048763 © Webmuseen