Ausstellung 17.11.20 bis 28.02.21

Von der Heydt Museum

Vision und Schrecken der Moderne

Industrie und künstlerischer Aufbruch

Wuppertal, Von der Heydt Museum: Die Ausstellung geht der Frage nach, wie sich die kulturellen und sozialen Aspekte der Industrialisierung in der Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart niedergeschlagen haben. Bis 28.2.21

Als Beitrag zum Jubiläums-Jahr „Engels 2020”, mit dem Wuppertal den 200. Geburtstag von Friedrich Engels feiert, geht die Ausstellung der Frage nach, wie sich die kulturellen und sozialen Aspekte der Industrialisierung in der Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart niedergeschlagen haben.

Kapitalismus

Das im Zuge der industriellen Revolution entstandene neue Wirtschaftssystem des Kapitalismus, dessen Grundlagen Marx und Engels kritisch analysierten, hat nicht nur zu technischem Fortschritt und kultureller Weiterentwicklung, sondern auch zu heftigen sozialen Konflikten geführt, die die Bildende Kunst reflektiert.

Unter dem Einfluss des Naturalismus setzten sich seit den 1880er Jahren Künstler wie Hans Baluschek in der Malerei, Max Klinger und Käthe Kollwitz in der Graphik, Constantin Meunier und Bernhard Hoetger in der Skulptur intensiv mit der Misere des Proletariats auseinander.

Mit einer unheilvollen Allianz aus Industrie und Militarismus markierte der Erste Weltkrieg eine zeitgeschichtliche Zäsur. Seine Auswirkungen führten zu einer Verschärfung der gesellschaftlichen Probleme.

In der angespannten Nachkriegssituation wandten sich Maler wie u. a. Conrad Felixmüller, George Grosz, Otto Dix sowie die Kölner Progressiven um Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert linksgerichteten politischen Bestrebungen zu. Gleichzeitig waren Künstler der Neuen Sachlichkeit, etwa Carl Grossberg, Max Beckmann oder Franz Radziwill, beeindruckt von den Phänomenen der neuen Industrielandschaft, von der Dynamik der Großstadt, von der gleichermaßen magischen wie unheimlichen Anziehungskraft der Maschine.

Ein eigenes Kapitel innerhalb der Ausstellung bildet die Auseinandersetzung der Fotografie mit der Industriearchitektur: Von ihrer Entdeckung als abbildungswürdigem Gegenstand in den 1920er Jahren durch Fotografen wie Eugen Batz oder Albert Renger-Patzsch, in deren Werken sich der Geist einer neuen Epoche ausdrückt, führt die Entwicklung zur künstlerischen Dokumentation der Industrieepoche.

Die Ausstellung endet offen und macht in ihrem letzten Kapitel einen zeitlichen Sprung: mit Positionen der Gegenwartskunst, u.a. von Andreas Sieckmann, Thomas Locher, Maike Freess und Maarten Vanden Eynde. Denn aktuell fordern die Industrialisierung und ihre Folgen zu zahlreichen kritischen Formulierungen heraus: Die Künstler prangern Globalisierung und Umweltzerstörung, Materialismus und Militarisierung an und führen den Verlust der Kontrolle über technische Entwicklungen vor Augen.

Friedrich Engels’ Vision

So bestätigt sich gerade heute Friedrich Engels’ historische Diagnose: die Vision einer besseren Moderne kann erst entstehen, wenn die Schrecken der kapitalistischen Gesellschaft erkannt werden.

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