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Heut’ schleußt er wieder auf das Tor…

Der Dennenloher Rhododendronpark ist ein Kleinod, wie es in ganz Süddeutschland kein zweites gibt.

…zum schönen Paradeis. Er, das ist Robert Freiherr von Süsskind, der „grüne Baron”, der den Park des Landschlösschens seiner 1821 geadelten Familie zu einem botanischen Kleinod mit weitläufigem Landschaftspark erweitert und umgestaltet hat, wie es in ganz Süddeutschland kein zweites gibt.

Seit dem 11. Mai steht nun auch der Cherub nicht mehr vor diesem Paradeis, hält kein Schild mehr hoch, auf dem „wegen Corona geschlossen” steht. Im Gegenteil, heute ist einer der wenigen Tage im Jahr, an denen sich für die Parkbesucher sogar die Tür zum Privatgarten der blaublütigen Familie öffnet.

Es wohnt sich sicher recht idyllisch im dreiflügeligen barocken Schloss. Die Vorderseite blickt hinaus auf einen Ehrenhof, der beidseitig von je einem Kavaliershaus flankiert ist, gartenseitig fällt der Blick über eine baumbestandene Wiese auf den Dennenloher Schlossweiher.

An dessen Ufer weilend, erahnt der schweifende Blick des Besuchers drüben unter den Bäumen bereits die Hauptattraktion des Dennenloher Schlossparks: die Rhododendren. Es ist Mitte Mai und mithin genau die richtige Jahreszeit, um sie in voller Blüte zu erleben.

Rhododendren gibt es in allen Farben, von zartviolett über dunkelrot, rosa, gelb oder weiß. In den älteren Teilen des botanischen Gartens sind sie hoch gewachsen und stehen dicht beieinander, formen dabei unter anderem einen Drachen mit Körper und Kopf, langer Schnauze und einem leuchtend gelben Augenpaar.

Man möchte verweilen und, dem Konzert der Meisen und Amseln lauschend, immer nur schauen. Aber der Park ist groß, und es gibt noch so viel anderes zu sehen.

Vorbei an Nymphenteich und japanischem Moosgarten führt der Weg über eine Kette von Inseln und Brücken, der Autor hat sieben gezählt, von denen keine wie die andere ist. Schwankende Pontons wechseln sich ab mit Trittsteinen, Eisenketten ächzen unter der Last derer, die vorsichtigen Schrittes die Hängebrücke passieren, und ein wenig abseits reizt die Gongbrücke, der bronzenen Scheibe einen kräftigen Faustschlag zu versetzen.

Selbst ein Blinder könnte sich in diesem Teil des Schlossparks mühelos orientieren: der besagte Gong, das Juchzen der Kinder, wenn sie die diversen Brücken queren, und das Konzert der Frösche markieren akustische Fixpunkte.

Falls die grünen Teichbewohner denn gerade dazu aufgelegt sind. Sie scheinen nämlich alle in der Froschgewerkschaft zu sein und haben festgelegte Pausenzeiten. Genau wie der Schwan: ein wenig gründeln, dann unter der Brücke hindurch und hinüber zur Insel, ein wenig ausruhen, am sumpfigen Ufer entlang wieder zurück und das ganze von vorne.

Lieblingsbank

Sich einen persönlichen Lieblingsplatz im Park erwählen zu müssen fiele wahrlich schwer.

Im Hochsommer könnte die Wahl auf die Bank am Lotosteich fallen, aber jetzt im Mai sind erst einmal die vielen Rhododendren mit Blühen an der Reihe, der Goldregen, die Akeleien, Iris und wie sie alle heißen, auch ein Tränendes Herz wurde gesichtet.

Der Autor würde sich für die etwas versteckt gelegene Bank mit Blick auf die Schwaneninsel entscheiden. Kaum jemand verirrt sich hierher, nur das Wasser plätschert, die Hummeln brummeln eifrig von Blüte zu Blüte, und irgendwo ruft ein Kuckuck. Ach ja, soeben hat wieder ein Parkbesucher die Gongbrücke entdeckt.

Ein Blick auf die Uhr: wie denn, schon drei Stunden hier? Und es gibt noch so viel zu schauen!

Vom Bhutantempel oben auf dem Tempelhügel grüßen bunte Gebetsfahnen. Steigt man auf der anderen Seite wieder hinab, findet man sich unversehens in einem Parkteil wieder, der beim letzten Besuch noch gar nicht existierte, den „Ninfa-Garten”. Ob damit die Stadtheilige von Palermo gemeint ist? Die Gestaltung spräche dafür: aufeinander gestapelte Felsen, zwischen denen sich allerlei bunte Blüten wiegen, wie in einer archäologischen Fundstätte. Hier würde auch die kopflose Statue mit den abgebrochenen Flügeln, der beide Arme fehlen, ganz gut hinpassen.

Neuer Parkteil

Auch der Steinkreis drüben in der Wiese ist neu. Aber wie bitte gelangt man auf diese Bank zwischen den vier Monolithen, wenn alles zusammen auf einer Insel mitten im Teich steht? Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die Insel als Halbinsel, man darf das Schwimmen also weiter den Fröschen überlassen. Und dem Bläßhuhn, das sich inmitten der Wasserfläche einen Baldachin aus Schilfblättern gebaut hat.

Jetzt noch über den Platnersberg steigen, vorbei an der Camera Obscura? Oder doch lieber über die Wiese mit den unzähligen Pusteblumen? Die Beine sind schon schwer, die Augen müde geschaut.

Und spätestens wenn drüben am Ostufer des Schlossweihers das neue Arboretum eröffnet, wird man sich wohl auch Proviant mitnehmen müssen für die Wanderung durch die entlegeneren Parkteile. Oder zwischendurch das kleine Café aufsuchen, das heute leider coronabedingt geschlossen bleiben muß. Oder auch den Marstall.

Am besten man nimmt sich vor, bald wiederzukommen, um den Park auch zu anderen Jahreszeiten zu erleben.

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