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Kempten-Museum im Zumsteinhaus

Kempten: 1802 erbauter Wohnsitz der aus Savoyen stammende Großkaufmannsfamilie de la Pierre (Zumstein), der durch seine Schmuckformen und durch seine Lage am Residenzplatz den Charakter eines Adelspalais besitzt.

Der 1802 erbaute, denkmalgeschützte Wohnsitz der aus Savoyen stammende Großkaufmannsfamilie de la Pierre (Zumstein) besitzt durch seine Schmuckformen und durch seine Lage am Residenzplatz den Charakter eines Adelspalais. Als „Wohnzimmer der Stadt Kempten” beheimatet er heute eine Ausstellung zur 2.000-jährigen Stadt­ge­schichte.

Die Ausstellungsräume im Erdgeschoss ermöglichen zusammen mit der begehbaren Stadtkarte einen schnellen Einstieg. An der Wand finden sich 100 bedeutende Ereignisse aus der Geschichte Kemptens im Spiegel der Weltgeschichte, der Ausstellungsraum „Bei den Zumstein” erzählt die bewegende Geschichte der mit Stoffen handelnden Namensgeber. Wer tiefer in die Stadtgeschichte eintauchen möchte, hat im ersten und zweiten Obergeschoss Gelegenheit dazu: elf Themenräume beleuchten wechselhafte Zeiten von den Römern bis heute.

Themenräume

Der Raum „Macht und Ohnmacht” erzählt von den Mächtigen in Kempten: im antiken Cambodunum, im Mittelalter, im geteilten und wiedervereinigten Kempten, während des Nationalsozialismus, bis in die heutige Zeit. Die Kehrseite der Macht hatten stets all jene zu tragen, die abhängig waren von den Ent­schei­dungs­trägern.

Seine günstige Lage verdankt Kempten, wie der Raum „Verkehr” veranschaulicht, den Römern und ihrer strategisch klugen Platzierung der Stadt: von hier ließ sich die Iller flussabwärts befahren, aber auch überqueren – an einer Furt, später mit einer Brücke. Vor allem aber war Cambodunum ein Drehkreuz der Fernstraßen. Für den Aufschwung der Stadt war dies ent­schei­dend.

Der Raum „Glauben” berichtet von der Entwicklung des Glaubens in Kempten. Wer gab ihn vor? Und welche Konflikte ergaben sich daraus? Es Phasen des friedlichen Nebeneinander von Religionen (römische Kaiserzeit), aber auch Zeiten der Bevormundung und Unterdrückung, die z. B. zum Bauernkrieg von 1500 führten.

Im Raum „Gesundheit” geht es um die Geschichte der Heilkunde und der Medizin in Kempten. Wo holten sich Arm und Reich medizinische Hilfe? Wie versuchten die Menschen über die Jahrhunderte hinweg ihre Gesundheit zu erhalten?

Besonders eindrucksvoll ist das Stadtmodell im Raum „Stadtraum”: eine auf das Modell projizierte audivisuelle Show vermittelt im Zeitraffer die wichtigsten Ereignisse der Stadt, von der Römerstadt Cambodunum über die Doppelstadt aus katholischer Stifts- und evangelischer Reichsstadt bis hin zur heutigen Allgäu-Metro­pole.

In der Umgebung des heutigen Kempten spielten, wie der Raum „Produktion” darlegt, Landwirtschaft und Viehzucht bereits seit der Antike eine zentrale Rolle. Um die wasserreiche Iller als Energiequelle zu nutzen, wurden bereits im Hochmittelalter Mühlkanäle angelegt. Der Fluss trieb Hammer- und Stampfwerke für handwerkliche Betriebe an. Das Allgäu war auch für seine Leinenherstellung bekannt. Parallel dazu entwickelte sich Kempten vom Spätmittelalter an zu einem Zentrum der Papier­her­stellung.

Seit 100.000 Jahren ziehen Menschen einzeln oder in Gruppen los, um sich an anderen Orten niederzulassen. Ihre vielfältigen Beweggründe, von denen oft mehrere zusammenspielen, beschreibt der Raum „Migration”: religiöse, wirtschaftliche, politische, persönliche. Interviews bringen den Besuchern die Menschen näher, die in Kempten eine neue Heimat gefunden haben.

Um Waren aus Nah und Fern geht es im Raum „Markt”: schon das römische Cambodunum bildete für das Umland das Zentrum der Versorgung. Wohl um 1150 ließ der Abt einen Markt abhalten, zunächst vorwiegend für Lebensmittel und Handwerkserzeugnisse, später auch für Vieh und Getreide. Auch der Himmelfahrts- und der Kathreinemarkt erfreuen sich seit Jahrhunderten großen Zulaufs.

Wie soll der Raum, in dem wir leben, gestaltet sein? Die Antwort auf diese Frage findet sich im Raum „Wohnen”, sie fällt seit 2.000 Jahren ähnlich aus: Ruhig will der Mensch es haben, sauber und warm. Und im Raum „Freizeit” wiederum dreht sich alles um ein weiteres Grundbedürfnis: gesellig zusammensitzen, spielen, essen, Bier oder Wein trinken – von der römischen Taberna bis heute.

Mit Kemptens fünfte Jahreszeit, dargestellt im Raum „Allgäuer Festwoche”, endet die Abfolge der Themen­räume.

Keller-Kino

Das kleine Kino im Keller versteht sich als Präsentations-Plattform für heimische Filmemacher und zeigt unterschiedliche Filme, meist mit thematischem Bezug zu Kempten.

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