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100 Jahre Disney

Eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen

Am 16. Oktober 1923 unterzeichneten Walt Disney und der Filmverleih M.J. Winkler in New York einen Vertrag. Heute zählt die Walt Disney Company zu den fünf größten Medienkonzernen der Welt.

Am 16. Oktober 1923 unterzeichneten der 1901 in Chicago geborene Trickfilmzeichner Walt Disney und der Repräsentant Charles Mintz vom Filmverleih M.J. Winkler in New York einen Vertrag, der heute gleichsam als die Gründung des Disney-Konzerns gilt. Disney mietete mit Startkapital seines Bruders Roy ein kleines Büro in der Kingswell Avenue, baute sich einen Zeichentisch, lieh sich eine gebrauchte Kamera und setzte die Trickfilmreihe „Alice” seiner gescheiterten Firma „Laugh-O-Gram” fort, dieses Mal jedoch deutlich erfolg­reicher.

Somit kann die Walt Disney Company, die heute zu den fünf größten Medienkonzernen der Welt zählt, im Jahr 2023 ihr hundertstes Gründungsjubiläum feiern.

Ausstellung „Disney100”

Die Ausstellung, die diese Erfolgsgeschichte veranschaulicht, wurde vor kurzem in Münchens Kleiner Olympiahalle eröffnet, wo sie bis zum 3. September 2023 zu sehen sein wird. Der Verfasser hat sie besucht – und war be­geistert.

Vorab sei erwähnt, dass es ratsam ist, sich nicht von dem Begriff „kleine” Olympiahalle irreführen zu lassen: die vor ein paar Jahren in den Untergrund des Olympiazentrums verlegte Halle ist weit größer als der Name vermuten läßt.

Als ebenso trügerisch erweist sich auch die Vermutung, die Ausstellung folge chronologisch den Filmen: bei Olaf dem Schneemann angekommen, hat man lediglich die Overtüre hinter sich gebracht.

Zeichentrick-Helden der Kindheit

Es gibt heute wohl kaum jemanden, der sich nicht mit einer der berühmt gewordenen Disney-Figuren identifizieren kann. Für die einen sind es die Micky Maus, Goofy, Pluto oder Donald Duck, die anderen erinnern sich gerne an die Heldinnen und Helden von Trickfilmen wie Schneewittchen und die sieben Zwerge, Pinocchio, Dornröschen, Cinderella, Bambi, Alice im Wunderland, Mary Poppins, Winnie Puuh oder in jüngerer Zeit dann die Eiskönigin, das neu verföhnte Rapunzel sowie natürlich die Star Wars Serie von George Lucas, der im Jahr 2012 seine Firma mitsamt aller Rechte an den Disney-Konzern ver­äußert hat.

Denn „eine Figur wird erst glaubwürdig, wenn sie Persönlichkeit besitzt”, so Walt Disney. Animator, Regisseur und Disneylegende Wilfred Jackson, der 1928 zu Disney kam und an „Steamboat Willie” arbeitete, erklärte dazu: „Walt wollte von Anfang an nicht, dass die Charaktere einfach nur auf der Leinwand herumlaufen und lustige Dinge tun. Er wollte, dass sich das Publikum dafür interessiert, was mit ihnen passiert, und dass es an sie als echte Wesen glaubt.” Oder, wie „König der Löwen”-Produzent Don Hahn es ausdrückte: „Charaktere sind unsere Stellvertreter in einer Geschichte. Wir sehen das Leben durch ihre Augen und lernen daraus, wie sie handeln und fühlen. Wir lassen unsere Welt hinter uns und folgen ihnen.”

Walt Disney versuchte ständig die Arbeit seines Zeichentrickstudios zu verbessern. Ende 1937 gründete er die Abteilung für Figurenentwicklung, einige der frühesten Animationsmodelle wurden 1940 für Pinocchio her­ge­stellt.

Storyboarding

Das Storyboarding wurde erstmals in den 1930er Jahren als Technik zur Entwicklung von Animationsgeschichten entwickelt und besteht aus einer Abfolge von Skizzen, um die Geschichte und das Tempo einer Szene festzuhalten. Wenn man die Geschichte grafisch in der richtigen Reihenfolge sieht, kann man leicht erkennen, ob die Szenen für eine bessere Erzählung neu angeordnet werden sollten. Storyboarding ist heute in der gesamten Filmindustrie üblich, sowohl bei Live-Action- und Werbefilmen als auch bei Ani­mations­filmen.

Die Multiplane-Kamera, 1937 entwickelt, brachte Tiefe und Dimensionalität in die Animations­kinematographie. Ziel war es, ein Gemälde unter der Kamera wie ein echtes Stück Landschaft wirken zu lassen: bemalte Glasplatten wurden entsprechend ihrer Entfernung als getrennte Ebenen übereinander gelegt und bildeten so einen Vorder-, einen Mittel- und einen Hintergrund. Jede Ebene konnte sich unabhängig auf die Kamera zu oder von ihr weg bewegen, während der am weitesten entfernte Hintergrund in der gleichen Entfernung blieb. Heute wird diese Funktion von digitalen Technologien über­nommen.

Der Samstag war Walt Disneys „Daddy-Tag”. Da ging er mit seinen kleinen Töchtern zum Karussellfahren. Er saß derweil daneben auf einer Bank und aß Erdnüsse: „Während ich so dasaß und sie im Kreis fuhren, kam mir der Gedanke, dass man etwas bauen sollte”: ein Ort, an dem die Gäste in Geschichten eintauchen und sich in bekannten und unbekannten Abenteuern wieder­finden.

1955 wurde mit einer rekordverdächtigen Live-Übertragung feierlich das erste Disneyland eröffnet.

Ton und Musik

Ein wesentlicher Aspekt der Erzähltradition von Disney sind auch Ton und Musik, denn sie ermöglichen einen unmittelbaren Zugang zum Publikum. Dialoge und Charaktere sprechen unseren Verstand an, doch Tonkulisse und szenische Musik treffen uns direkt ins Herz. Walt sagte einmal: „wir müssen neue Maßstäbe setzen, Musik anders verwenden als bisher, sie mit der Geschichte verweben.” In den Songs offenbaren sich die Persönlichkeit der Charaktere und ihr innerer Dialog, sie treiben die Geschichte voran, ein mit der Handlung synchronisierter Ton erhöht die Glaubwürdigkeit der Er­zählung.

Einer der ersten Versuche von Disney, Musik gänzlich zu visualisieren, war der Zeichentrickfilm Musik-Land (1935), in dem die Figuren buchstäblich Musik­instru­mente waren.

Vom hoffnungsvollen „Wenn ein Stern in finst’rer Nacht” aus Pinocchio (1940) bis zu Elsas Selbst­verwirklichungst­hymne „Lass jetzt los” aus „Die Eiskönigin” (2015) gibt es für jedes Gefühl und jede Stimmung einen Disney Song. Zudem verfügt Disney über eine der größten und beeindruckendsten Soundeffekt-Bibliotheken in der Geschichte des Kinofilms. Sogar in den Disney-Themenparks unterstützen Ton und Musik das Story­telling.

Viele dieser Songs haben es ins Theater und auf Broadway-Bühnen geschafft, werden in vielerlei Sprachen in fast jedem Land auf dem Erdball gehört und gesungen und halten sogar Einzug bei uns daheim, wo sie aus Plattenspielern, CD-Playern oder von Streaming-Platt­formen ertönen.

Naturdokus

Als Walt Disney von der Animation zum Realfilm überging, war es eine natürliche Entwicklung, Geschichten zu erzählen, die in der Natur mit echten Tieren spielen. Zwischen 1948 und 1960 erforschte er die Schönheit der Natur in dreizehn Featurettes und abendfüllenden Filmen, die im Laufe der Jahre Millionen von Zuschauern er­reich­ten.

Heute bringt das Label Disneynature Top-Naturfilmer mit bekannten Sprechern für neue Dokumentarfilme zusammen, ein Teil der Eintrittsgelder fließt dabei an eine Naturschutz­kampagne, die mit dem Thema des Films ver­bunden ist.

Blick in die Zukunft

1956 nach seinen Vorstellungen von der Zukunft der Unterhaltung gefragt, schrieb Walt: „Die Menschen werden nach vollbrachtem Tagwerk Zerstreuung, Aufmunterung und Entspannung suchen”. Er sei überzeugt, dass Disney dabei mit von der Partie sein würde, denn: „ich kann nie stillstehen. Ich muss forschen und ex­peri­men­tie­ren.”

Am 15. Dezember 1966 starb Walt Disney im Alter von 65 Jahren an Lungenkrebs. Sein Unternehmen jedoch ist aus der Welt von heute nicht mehr wegzudenken. Davon zeugt auch die Ausstellung, die der Verfasser am 23. April 2023 besucht hat.

Abschließend gefragt, welche denn nun seine persönliche Lieblings-Trickfilmfigur sei, fiele die Wahl des Verfassers ganz klar auf das „Hässliche Entlein” (Ugly Duckling), wie es da einsam und allein gelassen auf sein Spiegelbild im Wasser blickt und darüber mit unerwartet sonorer Fagottstimme so herzzereißend weint, wie eben nur eine Disney-Trickfigur weinen kann.

Disney

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