Museum

ArchäologieMuseum Greding

Greding: Funde der archäologischen Grabungen bei Großhöbing und aus der Stadt Greding: Jäger und Sammler, Bronze- und Eisenzeit. Rekonstruktion einer gemeinsamen Bestattung von fünf Kriegern. Verkehrsgeschichte der Region.

Das Museum zeigt die spektakulären Funde der archäologischen Grabungen bei Großhöbing und aus der Stadt Greding.

Einige der Menschen, die in den vergangenen Jahrtausenden hier lebten und die Landschaft gestalteten, haben durch wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion ihr Antlitz zurückerhalten. An ihren Gebeinen konnte man die Härten ihres Alltags, Krankheiten und die Umstände ihres - manchmal gewaltsamen - Todes ablesen. Ihre Geschichten werden erzählt, Übergänge werden erlebbar von Raum zu Raum, von Epoche zu Epoche.

Jäger und Sammler

Die letzte Kaltzeit dauerte bis etwa 10.000 vor unserer Zeitrechnung. Mammut- und Wisentherden bevölkerten damals die Region. Danach erwärmte sich das Klima, die Vereisung ging zurück, und es entwickelten sich Kiefern-, Eichen- und Laubmischwälder. Die Lebensbedingungen wandelten sich grundlegend.

Die Mesolithiker lebten als mobile Gruppen in Zelten oder leichten Hütten, nutzten aber auch Felsvordächer (Abris). Sie jagten Rehe, Hirsche, Wildschweine und Kleintiere, sammelten Beeren, Wildkräuter und Haselnüsse und fingen Fische.

Im Museum ist ein neolithischer Wohnplatz mit Feuerstelle inszeniert.

Bronzezeit

Das Wissen um die Bronzeherstellung kommt aus dem Vorderen Orient und erreicht um 2200 v. Chr. Mitteleuropa. Nun fertigte man immer mehr Gegenstände aus diesem Metall. Der Zugang zu Metallen, das technische Wissen und die Kontrolle der Transportwege führt zu einer sozialen Gliederung der Gesellschaft.

In der frühen Hügelgräberzeit (1650-1200 v. Chr.) legte man an einer Quelle am Rande der Siedlung einen Hortfund mit Spangenbarren nieder. Ab etwa 1600 v. Chr. errichtete man Grabhügel und stattete die Verstorbenen zum Teil mit reichen Beigaben aus. Ein genereller Wandel zeigt sich in der Urnenfelderzeit zwischen etwa 1200 bis 800 v. Chr.: die Toten wurden nun verbrannt und in Urnen, häufig auch mit Beigaben, auf großen Friedhöfen beigesetzt.

Eisenzeit

Namengebend für die ältere Eisen- oder Hallstattzeit ist ein 1846 entdecktes Gräberfeld auf dem Salzberg bei Hallstatt. Seit der ausgehenden Bronzezeit tritt Eisen als neuer Werkstoff immer deutlicher hervor. Die Toten wurden vermehrt als Körperbestattung unter Hügeln aus Steinen und Erde beerdigt.

Die jüngere vorrömische Eisenzeit begann etwa um 480 v. Chr und wird nach dem Fundort La Tène in der Schweiz auch als Latènezeit bezeichnet. Man errichtete Höhensiedlungen auf markanten Erhebungen in der Nähe von Handelswegen, etwa auf dem Frauenberg bei Weltenburg. In Felsen, Höhlen, Quellen und Moore sah man in keltischer Zeit Orte des Wirkens übernatürlicher Mächte: im Museum ist eine Schwertniederlegung inszeniert.

Das Gräberfeld

Archäologische Ausgrabungen legten etwa 280 Bestattungen frei. Wahrscheinlich wurden hier von ca. 600 n. Chr. bis 700 n. Chr. über 1000 Bewohner der frühmittelalterlichen Großhöbinger Siedlung begraben.

Die Rekonstruktion einer gemeinsamen Bestattung von fünf Kriegern unter dem größten der Grabhügel des Gräberfeldes ist das zentrale Exponat des Gredinger Archäologiemuseums. Es stellte sich heraus, dass sie nahe verwandt waren und gleichzeitig eines gewaltsamen Todes starben. Die fünf Toten sind lebensgroß plastisch rekonstruiert.

Höbi

Die Bajuwaren setzten die Verstorbenen in ihrer Tracht bei und statteten sie mit Grabbeigaben aus. Einer der ersten Bestatteten, der bei den Ausgrabungen 1996 freigelegt wurde, ist der nach seinem Fundort benannte „Höbi”, ein zwischen 600 und 625 n. Chr. in jungen Jahren verstorbener Mann. Er war mit seinen Waffen ausgestattet und hatte als Wegzehr gebratene Schweinerippen und „Schäufele” dabei.

Paläopathologie

Im Gräberfeld sind Männer- und Frauengräber etwa gleich häufig vertreten, man kann die Siedlung mithin als „normale” Dorfgemeinschaft betrachten. In etwa einem Fünftel der Gräber lagen Kinder. Die mittlere Lebenserwartung lag bei etwa 35 Jahren. Einige der Verstorbenen litten an Tuberkulose, Skorbut (Vitamin-C-Mangel), Schäden an Wirbelsäule und Gelenken durch schwere Arbeit oder Kampfverletzungen, die die Verletzten häufig auch überlebten. Das medizinische Wissen erlaubte sogar komplizierte Operationen wie etwa das Öffnen des Schädels (Trepanation).

Ein emotional berührendes Fundstück ist das Skelett einer schwangeren jungen Frau mitsamt Fötus.

Mühlen

Im Schwarzachgrund entdeckte man beim Bau der ICE-Schnellbahntrasse Mühlsteinfragmente und Teile des Mahlgetriebes mehrerer Mühlen des 8. und 9. Jahrhunderts nach Christus, die im feuchten Boden erhalten geblieben waren.

Frühmittelalter

Wohl am Ort der Martinsbasilika lag ein fränkischer Königshof, ein Reichslehen der Babenberger Markgrafen, mit der Urpfarrkirche. Bei Arbeiten an den Fundamenten der Basilika fanden sich Grabbeigaben des 10. Jahrhunderts. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stammt vom 5. Mai 1091.

Verkehrsgeschichte

Das in die Frankenalb eingeschnittene Schwarzachtal bot sich zu allen Zeiten als Durchzugsgebiet an. Im Raum Greding traten Reste einer gepflasterten Straße zutage. Um das Jahr 920 v. Chr. erlitt hier ein mit Scheibenrädern ausgerüsteter Karren einen Radbruch.

Bis ins späte 19. Jahrhundert war Greding nur zu Fuß oder zu Pferd, mit Fuhrwerken oder der Postkutsche erreichbar. Das änderte sich, als 1888 die Lokalbahn „Gredl” von Roth nach Greding ihren Betrieb aufnahm.

In den 1920er Jahren plante man eine „Autofernstraße” von Berlin nach Rom. Die „MüLeiBerl” wurde ab 1936 in mehreren Teilstrecken eröffnet, der Gredinger Abschnitt war 1938 fertiggestellt. Damit ist die heutige A9 eine der ältesten Autobahnen in Deutschland.

Die höhere Leistung und Geschwindigkeit der ICE-Züge machte neue Strecken ohne große Steigungen oder starke Kurven nötig. Zur Fußball-WM 2006 wurde die Neubaustrecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt eröffnet.

Der Verfasser hat das Museum am 13.7.2018 besucht.

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