Ausstellung 16.12.21 bis 31.12.22

Museum am Rothenbaum

Benin. Geraubte Geschichte

Hamburg, Museum am Rothenbaum: Die hohe künstlerische Qualität der Benin-Bronzen ist weltweit anerkannt. Zugleich verdeutlichen die Kunstwerke die koloniale Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch die Europäer. Bis 31.12.22

Das Museum am Rothenbaum (MARKK) würdigt mit dieser Ausstellung seine Benin-Sammlung und macht sie der Öffentlichkeit vollständig zugänglich. Die Präsentation lässt die Besucher an dem laufenden Prozess der Rückgabe der Artefakte teilhaben und beleuchtet sowohl die Herkunftsgeschichte als auch die herausragende künstlerische Qualität der Werke und ihren Stellenwert in der afrikanischen Kunst- und Kulturgeschichte.

Insbesondere wird die Verbindung der Sammlung mit den Hamburger Handelsnetzwerken nachvollzogen.

Kolonialgeschichte & Restitution

Die gewaltsame koloniale Unterwerfung des Königreichs Benin (heute Edo State, Nigeria) durch britische Truppen im Februar 1897 markierte das Ende eines der mächtigsten westafrikanischen Königreiche. Eine der Folgen war die weltweite Distribution von 3.000 bis 5.000 Objekten, die aus dem königlichen Palast geraubt wurden. Rund 170 von ihnen befinden sich heute im MARKK.

Die Kunstwerke aus Bronze, Elfenbein und Holz, die häufig unter dem Begriff „Benin-Bronzen” zusammengefasst werden, sollen ab dem kommenden Jahr zusammen mit Beständen anderer deutscher Museen nach Benin City restituiert werden. Die Rückgabe wird seit April dieses Jahres gemeinsam mit den nigerianischen Partnern und Vertretern von Bund und Ländern vorbereitet. Parallel dazu, schafft die von der Ernst von Siemens Kunststiftung geförderte digitale Wissensplattform Digital Benin des MARKK bis Ende 2022 einen weltweiten Überblick über die geraubten Kunstwerke.

Ikonische Kunst

Die hohe künstlerische Qualität der Benin-Bronzen ist weltweit anerkannt. Zugleich verdeutlichen die Kunstwerke die koloniale Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch die Europäer. Benin City ist heute ein lebhaftes Kunstzentrum in Nigeria, und viele zeitgenössische Künstler befassen sich in ihren Arbeiten mit dem Verlust ihres wichtigen kulturellen Erbes.

Die (kunst-)historische und identitätsstiftende Bedeutung der Werke wird in der Ausstellung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Damit wird ein Verständnis für die Wichtigkeit der Rückgabe nach Nigeria geweckt und ein Bewusstsein dafür geschaffen, wie bedeutend afrikanische Kunst für ein Verständnis der Menschheitsgeschichte ist.

Die Ausstellung ermöglicht eine Auseinandersetzung mit der höfischen Kunst Benins und widerlegt die rassistische Vorstellung von der Höherwertigkeit und Einzigartigkeit der europäischen Kunst. Darüber hinaus bringt sie historische Fotografien, zeitgenössische Werke und heutige Stimmen aus Benin-City zusammen.

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