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Die Cupola ist ein kuppelförmiges Beobachtungsmodul an der Internationalen Raumstation ISS. Sie dient den Astronauten einerseits als Kommandozentrale für Außenarbeiten an der Station, andererseits schenkt sie ihnen aber auch spektakuläre Blicke auf die Erdoberfläche und ihre von hier oben hauchdünn und zerbrechlich wirkende Atmosphäre.
Für Terry Virts (*1967), ehemaliger NASA-Astronaut und passionierter Fotograf, wurde dieser Ort zum visuellen Höhepunkt seines fast 200 Tage andauernden Aufenthalts auf der Raumstation. Die besten seiner einzigartigen Aufnahmen von Wolkenwirbeln, flüchtigen Farben, langen Schatten, markanten Küstenlinien und nächtlich beleuchteten Metropolen vermitteln nicht nur die Schönheit der Erde aus dem Blickwinkel eines Astronauten, sondern gewähren auch faszinierende Einblicke in das Leben an Bord.
Als „View from Above” touren sie nun durch diverse europäische Städte. In Nürnberg gastiert die Ausstellung, erweitert um Exponate aus dem Hermann Oberth Museum, noch bis zum 26: April 2026 im ehemaligen „Wormland” nahe dem Weißen Turm.
Der Rundgang durch die überraschend umfangreiche Ausstellung beginnt in der zweiten oberen Etage der ehemaligen Herrenboutique und mithin deutlich unterhalb der Umlaufbahn der ISS. Den Audioguide hat Virts höchstpersönlich eingesprochen, er liegt jedoch wahlweise auch in einer deutschen Version vor. Wer beim Abhören auf dem eigenen Smartphone die Hände frei haben will, nimmt am besten Ohrhörer mit. Angenehm fällt auf, dass Virts völlig frei spricht.

Während seiner Zeit als F-16-Pilot im deutschen Stützpunkt Spangdahlem lud Virts als Gastredner jenen Mann ein, der 1969 als zweiter Mensch nach Armstrong den Mond betreten hatte: Buzz Aldrin. Vor einem Foto, das dieses Treffen zeigt, berichtet Virts, dies sei der Beginn einer lebenslangen Freundschaft gewesen.
Auch zu jedem anderen der rund 150 großformatigen Bilder der Ausstellung weiß Virts via Audioguide Spannendes zu berichten. Und weil seine Begeisterung für die Raumfahrt und die Motive auf den Bildern so ansteckend wirkt, ist man durchaus versucht, sich auch wirklich jeden Beitrag anzuhören. Zum Foto einer Lieferung frischer Lebensmittel gehört zum Beispiel die Geschichte von den Orangen, die zwar verführerisch dufteten, beim Transport jedoch stark gelitten hatten und dadurch völlig ungenießbar waren.
Natürlich gibt es auch Fotos davon, wie auf der ISS geschlafen oder Sport getrieben wird. Die visuellen Höhepunkte für Auge und Kamera aber boten sich draußen vor den Kuppelfenstern: die Formen der Kontinente, die diversen Wolkengebilde, der Mond, der zarte Flaum unserer irdischen Atmosphäre und auf der Nachtseite der Erde die Lichter der Großstädte. Was man von oben nicht sieht sind Grenzen, mit einer Ausnahme: wo sich jenseits einer geraden Linie nahezu völlige Dunkelheit ausbreitet, beginnt Nordkorea.
Dass die Ausstellung in Nürnberg Station macht, hat mit einem anderen Weltraumpionier zu tun: dem Raketen-Urgestein Hermann Oberth, der vor rund 100 Jahren die heute noch gültigen Grundprinzipien der Raumfahrt entwickelte und die letzten 44 Jahre seines Lebens in Feucht bei Nürnberg zubrachte. Das nach ihm benannte Museum hat gemeinsam mit dem P-Seminar „Physik Raumfahrt“ der Nürnberger Wilhelm-Löhe-Schule eine ergänzende Ausstellung zur Geschichte und Entwicklung des Raumanzugs und seiner Komponenten erarbeitet.
Der Verfasser hat die Ausstellung am 18.11.2025 besucht.
Museum, Feucht
Technik von Raketen, Raumschiffen und Raumstationen sowie Ideen, Konstruktionen, Modelle und Originale für die Reise in den Weltraum. Lebenswerk des berühmten Raketenpioniers Hermann Oberth.
Bis 26.4.2026, Nürnberg
Einzigartige Foto- und Videoausstellung mit über 150 atemberaubende Originalaufnahmen des NASA-Astronauten Terry Virts an Bord der ISS.
Bis 22.3.2026, Nürnberg
Nürnberg spielte eine entscheidende Rolle für die Entstehung globaler Netzwerke: über die Häfen Venedigs und Portugals reichten die Verbindungen bis nach Asien und Amerika.
Bis 2.2.2026, Nürnberg
Museum, Nürnberg
Größtes Museum für Kunst und Kultur des deutschsprachigen Raums. Zeitreise durch 100.000 Jahre Kulturgeschichte vom Faustkeil über den Ezelsdorfer Goldkegel, kostbare mittelalterliche Skulpturen, dem Behaim-Globus, die Kaiserbilder Albrecht Dürers bis hin zu Kunst und Design der Gegenwart.