Ausstellung 22.07. bis 25.10.26
Vogeldarstellungen mit echten Federn waren eine Spezialität der Egerländer Volkskunst. Die Egerer Federbilder wurden im Haushandwerk überwiegend für den Bädertourismus als Souvenirs und für den Handel hergestellt. Heimische Vögel erinnerten an Spaziergänge, exotische standen für den Wunsch nach fernen Reisen, gefiederte Postkarten „twitterten” Grüße.
Gleich vorweg: Federbilder gibt es auch in anderen Kulturkreisen und sie sind nicht ausschließlich für das Egerland belegt. Mosaike und Bilder mit Federn zu gestalten, war beispielsweise eine Kunst in Mittelamerika. Durch Missionare kamen gefiederte Heiligenbilder in die Wunderkammern des Kaisers in Prag, der Adeligen und der Klöster. Einfache Menschen hingegen schmückten mit importierten oder gefärbten Federn ihre Hüte.
Die Idee mit Federn collagenartige Bilder von Vögeln herzustellen, soll ursprünglich von einem Dominikaner aus Eger stammen. Damals hatten die Miniaturmaler in der Stadt wenig Arbeit. Zugleich verlangten die Kurgäste in den nahen böhmischen Bädern nach exotischen Andenken. So begannen um 1780 die Maler in der Stadt Eger, Bilder von Vögeln mit echten Federn herzustellen. Diese Federbilder wurden in großen Mengen produziert und fanden in Karlsbad, Marienbad und Franzensbad breiten Absatz. Badegäste und Händler brachten die kuriosen Stücke in andere Länder.
Die Fertigung erfolgte in Familienbetrieben. Alles begann mit der Materialbeschaffung, zum Großteil aus dem Handel: echte Federn für „Naturbilder” und gefärbte für exotische Darstellungen aus fernen Ländern. Nachdem der Aufleger die Federn auf eine Vogelsilhouette aus dünner Pappe geklebt hat, wird das gesamte Aussehen des Vogels vom Zusammenputzer überarbeitet und in Form gebracht. Dann wird das Vogelbild auf ein festes Papier geklebt. Entsprechend der Art, Form und Haltung des Vogels malen die Egerer Miniatur- und Freihandmaler Schnabel, Beine und Hintergrund dazu. Abschließend kommt das Ganze noch hinter einen schützenden Rahmen.
Trotz Arbeitsteilung und Massenproduktion entstanden individuelle Einzelstücke, die sich in Machart und Stil ähneln. Sehr beliebt waren Federbilder im Kleinformat. Zierliche Vogelcollagen wurden auf Gruß- und Glückwunschkarten geklebt, oft auch in Verbindung mit speziellen „skelettierten” Eichenblättern.
Federbilder waren ein begehrtes Geschenk und Souvenir. Dies mag an der Faszination von Vogelfedern an sich, ihrer schillernden Farbigkeit, Vielfalt und fremdartigen Struktur liegen. Zum anderen entsprach es dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts, sich mit Vögeln, vor allem Exoten in Volieren, zu umgeben.
Bereits ab 1860 sank die Nachfrage nach Federbildern aus Eger. Jetzt drängten gedruckte Vogelbilder in realistischen Farben auf den Markt. Nach und nach erlosch das einst blühende Haushandwerk, bis es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschwand. Heute erinnern nur noch Museen, Sammler und nach 1945 Heimatvertriebene an diese alte Egerische Volkskunst.
Mit der Sammlung Dr. Ulf Vierke, Ethnologe und Leiter des Iwalewahauses in Bayreuth, besitzt das Egerland-Museum eine der größten musealen Sammlungen mit Egerer Federbildern.
Ausstellungsort
Volkskultur und Gewerbe des Egerlandes (Nordwestböhmen): Porzellan, Glas, Schmuck, Zinn, Trachten, Hausindustrie. Vertreibung der Egerländer und Neuanfang nach 1945. Marktredwitzer Stadtgeschichte. Böhmische Kirchenkrippe und Marktredwitzer Landschaftskrippe.
Park, Wunsiedel
Bürgerlicher Landschaftsgarten und größtes Felsenlabyrinth seiner Art in Europa.
Park, Wunsiedel
Zoologischer Garten für die Greifvogelhaltung. Über 50 Tag- und Nachtgreifvögel in großräumigen und artgerechten Volieren. Im Medienraum Einblicke in das Kulturgut Falknerei, das jagdliche Brauchtum und die Zucht von Jungvögeln. Streichelzoo mit Ouessant-Schafen, Zwergziegen und Mini-Schweinchen.
Museum, Wunsiedel
Mineralien, Geologie, Kulturgeschichte und Brauchtum. Komplette Einrichtungen alter Stuben und Küchen, so ausgestellt wie sie zuletzt benutzt wurden. Keramik, Glas, Zinn, Zunftwesen. Regionalgeschichte, Dokumentationen zu Jean Paul und Karl Ludwig Sand.
Museum, Arzberg
Geschichte des Bergbaus am Originalort, geologische Besonderheiten in und um Arzberg. Arbeitsgeräte, Maschinen, zechentypische Mineralien, Speckstein-Erzeugnisse.
Museum, Arzberg
Kulturgeschichtliches Regionalmuseum in einem ehemals landwirtschaftlichen Anwesen in Bergnersreuth. Wohn-, Arbeits- und Alltagssituation im Fichtelgebirge des vergangenen Jahrhunderts. Leben und Arbeiten im Fichtelgebirge im 19. und 20. Jahrhundert. Marktredwitzer Landschaftskrippe.