Museum

Gärtner- und Häckermuseum

Bamberg: Typisches Gärtnerhaus von 1767 mit Freigelände. Leben der Bamberger Gemüse- und Weingärtner, ihre Kultur und Geschichte.

Als Bamberg 1993 den Titel „Welterbe” erhielt, wurde das auch mit der einmaligen Kulturlandschaft der innerstädtischen Gartenflächen begründet.

Das Freilichtmuseum in der Bamberger Gärtnerstadt ist das einzige Museum in Süddeutschland, das sich dem gewerblichen innerstädtischen Leben der Gemüse- und Weingärtner, ihrer Kultur und Geschichte widmet. Untergebracht in einem typischen Gärtnerhaus von 1767, lädt es die Besucher ein, das Gärtnerdasein um 1900 kennenzulernen.

Anbautraditionen

Die Gärtner haben seit dem Spätmittelalter das Gebiet östlich der Regnitz genutzt. Wegen des milden Klimas konnten sie viele Sorten aus dem Mittelmeerraum anbauen. Europaweit bekannt und wirtschaftlich bedeutend machte sie der Verkauf von Süßholzwurzeln (Rohstoff für Heilmittel und Lakritze) sowie des Saatguts von Zwiebel, Kümmel, Lauch, weißer, roter und gelber Rübe, Kohlrabi, Salat und Spinat.

Die Häcker an den Hängen um den Domberg arbeiteten schon im Hochmittelalter als Winzer. Als im 19. Jahrhundert das Klima kälter wurde, rentierte sich der Anbau des Bamberger Weins nicht mehr, der inzwischen als „Ranzenbeißer” (Bauchbeißer) galt. Man wich auf Hopfen, Obst und Getreide aus.

Das Gärtnerhaus

Das Museumsgebäude wurde um 1767 als Durchfahrtshaus errichtet und 1890/95 in zum Zweifamilienhaus umgebaut. Die Spuren dieses relativen Wohlstands zeichnen sich bis heute ab, ebenso wie die um 1910 selbst gebaute Elektroanlage. Ihr Erbauer, Gärtnerssohn und gelernter Elektriker, lebte in dem baufällig werdenden Haus bis zu seinem Tod 1969. Das Museum veranschaulicht die gärtnerspezifischen Aspekte des Wohnens und Wirtschaftens.

Skulpturen der lokalen Gärtner-Heiligen Magdalena, Sebastian, Josef, Anna und des Fünf-Wunden-Christus’, die von den lokalen Gärtnern für die Fronleichnamsprozessionen in blumengeschmückte „Bildern” verwandelt wurden, zeugen vom Selbstbewusstsein und der herausragende Rolle der Bruderschaften in der Stadtgesellschaft. Bis heute sind diese Bräuche der Bamberger Gärtnerkultur lebendig.

Der Hof

Der Hof hinter dem Gärtnerhaus zeigt nicht nur die Mistgrube mit dem für die vorindustrielle Zeit üblichen „Häusla”, sondern auch die Remise mit zwei für die Arbeit auf den „Marktfeldern” (Gemüsefelder am Stadtrand) gerüsteten Wagen: der Brückenwagen ist mit Pflug und Korb für die Pflege der Kulturen ausgestattet, der Leiterwagen mit dem „Schdruudsfass” (Jauchefass) für die Düngung. Zum Anwesen gehört als Besonderheit ein halber (weil geteilter) Brunnen.

Der Garten

Im vorderen Teil des Gartens, der den Gemüse- und Kräutergärtnern gewidmet ist, zeigt sich die Vielfalt der historisch und aktuell angebauten Kulturpflanzen.

Weiter hinten im Garten geht es um die Häcker und ihre Nutzpflanzen vom Wein über Hopfen und Obst bis hin zu den Getreidearten, die sie wie die Gärtner für ihre Eigenversorgung anbauten.

Über den Museumgarten gelangt man auch in den Bamberger Sortengarten (Vergleichsanbau).

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