Ausstellung 26.09.21 bis 06.01.22

Kunstmuseum Magdeburg

Hans-Wulf Kunze

Fischfabrik, 1985-1990

Magdeburg, Kunstmuseum Magdeburg: Seine Aufnahmen zeigen ausschließlich junge Menschen. Nichts ist oder wirkt inszeniert. Die Wertung des Fotografen zeigt sich in der kritischen Genauigkeit seiner Beobachtungen, in seiner Achtung vor der Leistung schwerer Arbeit. Bis 6.1.22

Hans-Wulf Kunze ist kein Unbekannter in seiner Heimatstadt. Die Zeichen der Zeit sind noch andere, als er den speziellen Ort auswählt, um seine fotografischen Untersuchungen über die Arbeit in der Industrie fortzuführen: Fischverarbeitung in Magdeburg, Große Diesdorfer Straße.

Seine Aufnahmen zeigen ausschließlich junge Menschen. Vergleichbare Bedingungen von Ausbildung und Produktion, wie auf diesen Bildern, sind damals nichts Ungewöhnliches und doch öffnen diese Schwarz-Weiß-Aufnahmen heute den Blick in eine kaum noch greifbare Vergangenheit.

Nichts ist oder wirkt inszeniert: die weiß gekachelten Räume, die großen Igelit-Schürzen der jungen Frauen und Männer, das laute Scharren der Gitterboxen, das Spritzwasser beim Abbürsten der Wände, das Keuchen bei der Arbeit und der allgegenwärtige Geruch. Alles ist präsent, auch was sich außerhalb des sichtbaren Bildausschnitts der Kamera abspielt.

In teils faktischer, teils expressiver Nahsicht dient alles auf diesen Fotografien dazu, den Platz der jungen Menschen hier zu beschreiben; irgendwie verloren, selbst aus dieser Nähe betrachtet. Die geringe Distanz zur Kamera, bezeugt auch eine Vertrautheit zwischen ihnen und dem Eindringling, dem Fotografen, wie sie heute schwerlich vorstellbar ist.

Die Wertung des Fotografen zeigt sich in der kritischen Genauigkeit seiner Beobachtungen, in seiner Achtung vor der Leistung schwerer Arbeit, was die behutsame Schilderung dieser jungen Arbeiterinnen bezeugen, die um ihren Selbstanspruch im Leben ringen. Im offenen Blick in seine Kamera finden wir diese Frage an ihre Zukunft festgehalten.

Die Aufnahmen lassen sich nicht dokumentarisch aneinanderreihen, vielmehr im persönlichen Empfinden für die damalige Situation im Ausblick des endlos wiederkehrenden Alltags, der von ihrem Leben bereits Besitz ergriffen hat.

Was niemand und auch Hans-Wulf Kunze nicht ahnen konnte: Er fotografierte zuletzt in den Umbruch hinein, der für viele Arbeitsfelder zunächst den Abbruch bedeutet und der auch für die Fotografie veränderte Regeln mit sich brachte. Nie wieder konnte der Fotograf später diese Nähe zu laufenden Produktionsabläufen in Magdeburg herstellen.

Diese Serie wird nach drei Jahrzehnten erstmals in diesem Umfang öffentlich gezeigt. Sie ist eine Schenkung an das Kunstmuseum.

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