Ausstellung 22.10.21 bis 01.03.22

vorarlberg museum

Heinz Greissing. Malen am Atlantik

Letzte Bilder

Bregenz, vorarlberg museum: Der Vorarlberger Künstler Heinz Greissing malte in Südspanien unter freiem Himmel, völlig eins mit der ihn umgebenden Natur, und fixierte den „weglaufenden Augenblick” auf der Leinwand. Bis 1.3.22

Das Licht in Südspanien, die Weite der Landschaft und der windgepeitschte Atlantik fesselten den Vorarlberger Künstler Heinz Greissing bis zuletzt. Er malte unter freiem Himmel, völlig eins mit der ihn umgebenden Natur, und fixierte den „weglaufenden Augenblick” auf der Leinwand.

Heinz Greissing zurrte täglich eine großformatige Leinwand am Dach seines Autos fest und steuerte immer gleiche Orte in und um die südandalusische Stadt Ronda an, die ihm über 40 Jahre lang eine zweite Heimat war. Er stellte die Staffelei auf, beschwerte sie mit einem Stein und rührte Farben an.

Der alte Mann und das Meer

Unter freiem Himmel zu arbeiten bedeutet, sich den Kräften der Natur unterzuordnen, sich plötzlichen Wetterkapriolen zu fügen, die unbarmherzige Sonne Südspaniens auszuhalten. Stundenlanges Arbeiten, alleine in der Natur, völlig versunken im Akt des Tuns – die Intensität dieses Erlebnisses malt das Bild quasi mit.

„Das Wichtigste ist die Standortwahl. Es kommt auf den Standort an. Schon ein Schritt daneben würde andere, womöglich unmögliche Verhältnisse schaffen. Die malerischen Gewichte werden insgesamt aufgenommen, abgewogen und auf die Leinwand aufgetragen, auf dass sie von dort erhebend wieder abstrahlen.”

Intensive Bilder sind entstanden, in den Farben des Lichtwechsels von morgens bis nachts, mit den Bewegungsabläufen von Ebbe und Flut, dem Schäumen der Wellen in Graugrün bis Schwarz bei Sturm. Verhinderte starker Wind das Malen am Strand, wandte sich der Künstler den Pinien und Schirmföhren der Umgebung zu.

In den für ihn typischen „Streifenbildern” gelang es Greissing, in einem Bild die wechselnden Lichtstimmungen eines Tages oder verschiedene Perspektiven auf die Landschaft darzustellen. Er überzog hierfür die Leinwand mit einem Streifenraster: Ein Streifen zeigt die Perspektive von vorne, der nächste das im Rücken des Malers Liegende, wahrgenommen durch einen Spiegel, den der Künstler an der Staffelei montierte.

In den letzten Lebensjahren kam Greissing jedoch mehr und mehr von den „Streifenbildern” ab, die ihn bekannt gemacht haben. Die Gemälde aus dieser Zeit sind von einer meditativen Ruhe und Gelassenheit getragen. In seinen Notizen vermerkte der Künstler dazu: „Das Bewusstsein der Endlichkeit – und dass die Zeit so schnell vergeht –, das gibt dir ja auch einen gewissen Antrieb. Man möchte etwas festhalten. Der Augenblick bleibt dann auf der Leinwand. Der sich verziehende, der weglaufende Augenblick – den kann ich eben festhalten. Der verweilt auf der Leinwand, der verweilt für immer auf der Leinwand, oder für sehr lange Zeit.”

Heinz Greissing starb am 6. Mai 2020 im Alter von 87 Jahren. Die Bilder des großartigen Malers, die im Atrium des vorarlberg museums ausgestellt werden, sind seine letzten.

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