Museum

Industriemuseum Lauf

Lauf an der Pegnitz: Verbindung von Lebens- und Arbeitswelt städtischer Arbeiter und Handwerker. Dichte Atmosphäre und detailreiche Präsentation erwecken den Eindruck, die Bewohner und Arbeiter hätten ihre Fabrikräume und Wohnungen gerade erst verlassen.

In idyllischer Lage am Fluss bilden 14 denkmalgeschützte Gebäude den stimmungsvollen Rahmen für das Industriemuseum Lauf. Hier wird städtische Arbeits- und Lebenswelt von 1900 bis 1970 lebendig. Den Besucher erwartet ein spannender Rundgang durch vier Bereiche.

Zur „Frühindustrie” gehören ein Eisenhammerwerk mit originaler Ausstattung und eine komplette Getreidemühle, beide mit mächtigen Wasserrädern. Die Abteilung „städtisches Handwerk und Gewerbe” beherbergt selten in Museen gezeigte Werkstätten und Ladeneinrichtungen, im Bereich „Wohnen” lässt eine Vier-Zimmer-Wohnung aus den 1950er/60er Jahren die Zeit von Nierentisch und Petticoat lebendig werden.

Dampfmaschine

Breiten Raum nimmt im Industriemuseum die „Hochindustrie” ein: eine beeindruckende Tandem-Dampfmaschine, die von 1903 bis 1985 in der Laufer Holzwarenfabrik Christof Döring arbeitete, illustriert die Bedeutung der Dampfkraft für die Industrielle Revolution. Tandem bedeutet, daß der Dampf durch zwei hintereinander angeordnete Zylinder strömt: einen kleineren Hochdruck- und einen größeren Niederdruckzylinder. Durch diese Konstruktion wird die Dampfenergie besser ausgenutzt.

In der Holzwarenfabrik trieb die Kraftmaschine ein Sägegatter, die Maschinen in Dreherei, Fräserei und Schreinerei sowie zwei Generatoren für elektrischen Strom an und beheizte mit ihrem Abdampf die Gebäude.

Die Museumsdampfmaschine ist einer von 100 ausgezeichneten und prämierten Heimatschätzen in Bayern.

Roggenmühle

Auch heute vermittelt das Rattern und Rumpeln der Mahlgänge bei Vorführungen einen Eindruck von der Arbeit des Müllers, der „bei Tag und Nacht stets wach” sein musste. Die 1894 im Gebäude eingerichtete moderne Mühle mahlte bis 1912 Roggenmehl. Die heute gezeigten historischen Mühleneinrichtungen stammen u.a. aus Auerbach (Oberpfalz).

Zur Mühle gehören ein altdeutscher Steinmahlgang mit zugehörigem Galgen, Walzenstuhl, Schrot- und Grießmühle, Elevatoren sowie Reinigungs-, Sieb- und Sichtmaschinen. Raritäten sind zwei weitere transmissionsgetriebene Maschinen: ein Fahrstuhl und eine Sacknähmaschine.

Hammerwerk

Das Hammerwerk Engelhardt gehört zu den letzten in Bayern erhaltenen Eisenhammerwerken. Seine originale Ausstattung stammt aus der Zeit zwischen 1895 und etwa 1955. Bis zur Stilllegung 1973 wurde hier ausschließlich mit Wasserkraft geschmiedet. Zwei Fallhämmer und ein modernerer Lufthammer bestimmen hier das Bild.

Ventilkegelfabrik

Den Höhepunkt des Museums bildet die Fabrik Dietz & Pfriem. Die Firma produzierte von 1911 bis 1991 am Standort Lauf Ventile für die verschiedensten Motorentypen und belieferte damit unzählige Automobil-Hersteller im In- und Ausland. Gefertigt wurden auch Ventile für Eisenbahn- und Schiffsmotoren.

Mittels Hitze und dem Druck der 450-Tonnen-Spindelpressen wurde aus einem Stück Stahl ein Ventilrohling geformt und durchlief in der Dreherei etliche weitere Arbeitsschritte. Die Arbeit an den teils archaisch anmutenden Maschinen war anstrengend, schmutzig und vor allem laut.

Die Gebäude und Räume der ehemaligen Ventilkegelfabrik lassen die Besucher in eine komplette, weitgehend im Originalzustand erhaltene Arbeitswelt eintauchen: Rohstofflager, Fertigungsräume (Gesenkschmiede und Dreherei), Packerei, Produktlager, Wasch- und Speiseraum. Erst 1991 wurde die Firma stillgelegt.

Handwerk und Gewerbe

Wer weiß heute noch, wie eine Schusterwerkstatt ausgesehen hat, was der Flaschner herstellte, oder daß noch vor 50 Jahren fast jeder Bürger eine Kopfbedeckung trug? Originalgetreue Inszenierungen veranschaulichen Vergangenes und teils vergessenes Gewerbe.

Wohnen

Wohnküche und Schlafzimmer einer Arbeiterwohnung vom Anfang des 20. Jahrhunderts zeigen die beengte Wohnsituation in den kleinen Häusern der Arbeiterviertel. Als Gegenentwurf dazu illustrieren Salon und Speisezimmer die Lebensverhältnisse eines Fabrikbesitzers.

Ab Mitte der 1950er Jahre hielten Kühlschränke und neue elektrische Geräte Einzug in die Küche. Im Wohnzimmer waren moderne Geräte wie das Radio, der Plattenspieler oder der Fernseher Ausdruck des neu gewonnenen Luxus.

E-Werk

Durch die günstige Lage am Fluß konnte Lauf an der Pegnitz frühzeitig eine städtische Stromversorgung aufbauen.

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