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4.5.2026
Zither vom Maxl zu „Klangräume erkunden”,
Dudelsack zu „Klangräume erkunden”,
Bildschirm Barock zu „Klangräume erkunden”,
Musikbox zu „Klangräume erkunden”,
Geigenbauwerkstatt zu „Klangräume erkunden”,
Instrumentenbau zu „Klangräume erkunden”,
Starschnitt Roy Black zu „Klangräume erkunden”,
TonYversum zu „Klangräume erkunden”,

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Klangräume erkunden

Bayerische Musik jenseits vertrauter Linien

Rainer Göttlinger
Freyung, 4. Mai 2026

Freyung, gut vierzig Kilometer nördlich von Passau, liegt dort, wo der Bayerische Wald allmählich in den Böhmerwald übergeht. Was aus bayerisch-geographischer Sicht heute als Randlage erscheinen mag, erweist sich musikalisch als eine lange übersehene Mitte. Dieser Aspekt gab wohl den Ausschlag, die Landesausstellung „Musik in Bayern” genau hier, in diesem historischen Resonanzraum, anzusiedeln.

Im Zentrum von Freyung wurde mit dem historischen Pröbstlhaus ein passender Standort gefunden: ein frisch renoviertes und modern erweitertes Gebäude mit Disco-Vergangenheit, das künftig dauerhaft als Erlebniszentrum für Klang und Musik dienen soll.

Zugänglich ist das Gebäude vom Cineplex her, dessen Kassen für den Ticketverkauf mitgenutzt werden, über eine Brücke mit einem Bodenbelag, der die Tastatur eines Klaviers nachbildet, optisch wie auch akustisch: mit jedem Schritt erklingt der entsprechende Ton.

Im Foyer mit dem an die Stirnwand projizierten „Spektakel” grüßen zur Linken die Marionetten der Rolling Stones, zur Rechten die Kirchweihbilder des Hans Sebald Beham. Unweit davon bringt ein Mozart-Zitat auf den Punkt, worauf es beim Komponieren ankommt: „Um Beifall zu erhalten, muss man Sachen schreiben, die so verständlich sind, dass es ein Fiaker nachsingen könnte.”

Der nachfolgende Raum überrascht mit ungewohnter Dichte und raschen Themenwechseln, von den kirchlichen Musiktraditionen über den festlichen Glanz barocker Festmusik und bürgerlicher Sängerfeste zur Tanzmusik auf dem Land, von den Volkssängern der Münchner Vorstadt und den üblen Folgen der Nazi-Ideologie für das Musikleben, vom Jazz und Rock’n’Roll der Nachkriegszeit bis hin zu Rundfunk, Schallplatte und Discosound.

Der breite Raum, den das Nürnberger Sängerfest vom Juli 1861 einnimmt, ist in Freyung eher eine vertikale Angelegenheit: in der oberen Etage das Bild vom Festbau – die Genickstarre läßt grüßen, darunter die Standarte. Das Duo Karl Valentin und Liesl Karstadt wiederum muss sich mit ungefähr einer Zitherbreite begnügen. Kaum zu übersehen ist zwar der lebensgroße BRAVO Starschnitt Roy Black von 1969, die Bamberger Symphoniker hingegen, 1946 aus Prag heimatvertrieben, führen in der Ausstellung ein eher verstecktes Dasein.

Wie leicht sich Wesentliches übersehen lässt, zeigt sich an der Glastür zum rückwärtigen Treppenhaus: ein Notausgang? Der Zugang zu den Sanitärräumen? Auch, ja. Vor allem aber führt sie in die Bereiche der Ausstellung, die sich dem Instrumentenbau und dem Musizieren widmen.

Nach den Komponisten, Interpreten und Aufführungsorten rückt nun die Klangproduktion selbst in den Mittelpunkt: es geht um Instrumente und ihre Herstellung in bayerischen Werkstätten sowie in der letzten Etage der Ausstellung um die mechanische Aufzeichnung und Wiedergabe, anfangs via Lochscheiben, später dann mittels Schallplatten oder Cassetten bis hin zum typischen, aus Rundfunksendungen zusammengestellten Mixtape.

Den letzten Ausstellungsraum, kurz vor dem verabschiedenden Drehkreuz, wird so mancher Livemusik-Liebhaber als den Höhepunkt der gesamten Ausstellung empfinden. Denn hier lässt sich Musik so unmittelbar erleben wie sonst nur im Ensemble. Auf einer Art Karussell sitzend gleiten die Besucher entlang einer eigens für diesen Raum komponierten Partitur. Nacheinander nähern sie sich vier Bildschirmen mit je einer einzelnen Stimme – so nah, dass feinste Bewegungen der Finger, der Lippen oder der Instrumente beobachtbar werden, während sie akustisch in den Vordergrund tritt.

Nacheinander treten zuerst ein Streichquartett (erste und zweite Geige, Bratsche, Cello), dann ein Blechbläserquartett (zwei Trompeten, Posaune, Tuba) und schließlich ein Jazz-Quartett (Hammondorgel, E-Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug) an. So greift dieser Tonraum die drei wichtigsten Säulen der bayerischen Musikgeschichte noch einmal auf und bindet den roten Faden der Ausstellung zu einer kunstvollen Schleife: die Geigenbautradition in Mittenwald und Bubenreuth, die in Bayern fast heilige Tuba und schließlich die Jazz-Szene der amerikanischen Zone nach 1945.

Trotz eines etwas beengten historischen Auftakts und eines schwer einschätzbaren Gesamtumfangs – ein Etagenplan hätte geholfen – gelingt der Landesausstellung 2026 ein weiter Bogen: sie entwirft ein Bild des bayerischen Musiklebens, das in dieser Form und Dichte überrascht.

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Rainer Göttlinger
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