Museum
Als Gründer des Klosters St. Johann gilt Karl der Große. Auf dem Rückweg von seiner Krönung zum König der Langobarden in Pavia im Jahr 774 überquerte er den Umbrailpass. Der Legende nach geriet er in einen Schneesturm und gelobte, im nächsten Tal ein Kloster zu gründen, falls er und sein Gefolge gerettet werden sollten. Tatsächlich wurden die Hölzer zum Bau der Klosterkirche im Jahr 775 geschlagen.
Mindestens bis ins 11. Jahrhundert hinein lebten hier Mönche nach der Regel des Heiligen Benedikt. Spätestens ab 1163 übernahm eine Frauengemeinschaft das Kloster – und folgt bis heute dem benediktinischen Grundsatz „ora, labora et lege”: bete, arbeite und lese.
Über Jahrhunderte wurde „karolus magnus Imperator” als Gründer und Erbauer des Klosters verehrt. Auch beanspruchten die Klosterfrauen Rechte, die Karl dem Kloster verliehen haben soll: freie Wahl der Äbtissin sowie Grund und Boden. Die Karlsfigur in der Kirche, entstanden spätestens im 12. Jahrhundert, ist aus Stuck und war einst prächtig bemalt.
Der Nordannex war ursprünglich Teil der karolingischen Klosterkirche. Den Mönchen diente er als Zugang zur Kirche. Im Gegensatz dazu nutzten die Klosterfrauen – damals wie heute – eine Nonnenempore mit separatem Zugang. Im Nordannex sind Wandmalereien aus der frühen Zeit der Frauengemeinschaft um das Jahr 1200 ausgestellt. Sie befanden sich hinter dem Altar im obersten Register an den Wänden der Südapsis und wurden Mitte des 20. Jahrhunderts während Restaurierungsarbeiten abgenommen und konserviert. Am Ende des Nordannex befindet sich die Sakristei.
Der gegenüber liegende Kreuzgarten, auch Paradies genannt, geht auf eine Residenz mit Atrium zurück, die Bischoff Hartman 1035 errichten ließ. 1163 übergab Bischof Egino das Gebäude dem jungen Schwesternkonvent. Aus dem Innenhof wurde damit ein Kreuzgarten, auch Paradies genannt. Er ist umgeben vom Kreuzgang und wurde zum neuen Zentrum des Frauenklosters.
Im Bereich des inzwischen abgebrochenen barocken Gewölbes haben sich einige Putzflächen mit karolingischer Malerei erhalten. Die schwer leserlichen Szenen zeigen vielköpfige, sich in einem Raum begegnende Figurengruppen. Die gemalte Tonsur macht sie alle gut als Mönche erkennbar.
Pilgernde aus bedeutenden europäischen Wallfahrtsstätten haben ihre Spuren im Kloster hinterlassen. Bei archäologischen Untersuchungen auf dem Klostergelände wurden unter anderem über 1.000 Münzen ausgegraben. Die Geldstücke datieren mehrheitlich aus dem 11. bis 15. Jahrhundert und stammen aus ganz Europa. Im oberen Garten des Klosters wurden zudem 15 Tiroler Meinhardzwanziger gefunden. Sie waren wahrscheinlich der Inhalt einer Geldbörse. Geborgen wurden zudem Pilgerandenken aus Rom, Santiago de Compostela oder Einsiedeln, aber auch Loreto, Weingarten und Aachen. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Beigaben, die Bestatteten mit ins Grab gelegt wurden.
Ein besonderes Zeugnis der Klostergeschichte ist der Stab der letzten Äbtissin von Müstair, Augustina Wolf (reg. 1806-1810). Nach ihrem Tod konnten die Gemeinde und der Bischof von Chur nur mit Mühe die Schließung des Klosters verhindern.
Der Plantaturm mit seinen teilweise mehr als 1,60 Meter dicken Mauern wurde im Jahr 960 errichtet. Er gilt als der älteste Wohn- und Wehrturm im Alpenraum. Bei seiner Errichtung wurden reich verzierte Marmorsteine aus der karolingischen Klosterkirche als Bauteile wiederverwendet. Seinen Namen verdankt der Plantaturm der Äbtissin Angelina von Planta, die das Kloster von 1478 bis 1509 leitete und sich mit grossem Engagement für den Wiederaufbau des in der Calvenschlacht 1499 ausbrannten Turms einsetzte.
In direkter Nähe zum Speisesaal befand sich eine Küche. 1954 wurde die ehemalige Küche zweigeteilt, um in der abgetrennten Hälfte eine Räucherkammer für Fleisch und Würste zu schaffen. Bis in die jüngste Zeit bewirtschafteten die Benediktinerinnen ihre Felder selbst und verarbeiteten die landwirtschaftlichen Produkte. Die Räucherkammer war bis in die 1980er Jahre in Betrieb. Das Refektorium im Plantaturm diente den Schwestern bis 1878 als Speisesaal.
Die Benediktinerinnen von Müstair bestickten vor allem Engadiner Festtagstrachten. Typisch für diese Tracht sind Rock und Mieder aus rotem Wollstoff sowie Blumenstickereien auf schwarzer Wolle oder Seide (satin duchesse).
Seit 1983 gehört das Kloster zum ▸UNESCO-Weltkulturerbe und steht damit unter besonderem Schutz. Seine Klosterkirche, das Herzstück der Klosteranlage, ist als Gotteshaus frei zugänglich.
Der Verfasser hat das Kloster am 9. Juni 2026 besucht.
Beitrag, 21.7.2026
Schmalspurige Züge, an deren Stirnseite ein Steinbock prangt. In einer Kulturlandschaft, die fasziniert.
Gebäude, Schluderns
Eine der mächtigsten und besterhaltenen Burganlagen Südtirols, errichtet 1253 von den Bischöfen von Chur. Residenzhaftes Renaissanceschloß mit Arkadenhof, romanischer Schloßkapelle und anderen Räumlichkeiten mit kostbarem Mobiliar und Kunstgegenständen.
Museum, Schluderns
Kleinbäuerliches Ambiente. Bewässerungssystem der Waale und der damit zusammenhängenden Landwirtschaft. Archäologie im „Magischen rätischen Dreieck” mit Funden vom Ganglegg (1997) aus der Bronze- und Eisenzeit. Schwabenkinder.
Museum, Taufers
Museum, Stilfs
Schrecken des Eises und der Finsternis, Schneemenschen und Schneelöwen, White Out und der Dritte Pol. Weltweit größte Sammlung von Ortler-Bildern, Eisgeräte aus zwei Jahrhunderten, Skilauf, Eisklettern, Polfahrten.
Schloss, Tarasp
Wahrzeichen des Unterengadins. Ritter- und Festsäle, alte Schlafgemächer, Schlosskapelle, Orgel mit 2500 Pfeifen.
Bis 20.10.2026, St. Moritz
Die Ausstellung widmet sich zwei zentralen Motiven im Werk des Künstlers: dem fliessenden Wasser und dem Akt des Schöpfens und Trinkens.
Bis 4.1.2027, Davos Platz
Kirchners Malerei bildet die Welt nicht einfach ab, sie verwandelt sie. Faszinierende Experimente und interaktive Stationen veranschaulichen zudem, wie Farbe wirklich entsteht.
Museum, Stilfs