Schloss
Das Königliche Schloss von Gödöllő ist eines der größten Barockschlösser Ungarns und sowohl geschichtlich wie auch architektonisch ein Juwel. Erbaut vom Grafen Antal Grassalkovich, einer charismatischen Gestalt des 18. Jahrhunderts, war es während der k. u. k. Monarchie ein geliebter Aufenthalts- und Erholungsort der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth (Sisi).
Der Rundgang führt unter anderem durch den Krönungssaal, das Oratorium mit einem Fenster zur Schlosskirche, das Arbeitszimmer und den Salon von Franz Joseph I., den Prunksaal, den Salon und das Schreibzimmer von Königin Elisabeth sowie das Maria-Theresia-Zimmer. Zu bestimmten Zeiten sind auch das wiederhergestellte Barocktheater, der Königspavilion, der neu aufgebaute Elisabeth-Balkon, die Reithalle und die Stallungen zu besichtigen.
Königin Elisabeth (1837-98)
Elisabeth Amalie Eugenie von Wittelsbach, Prinzessin in Bayern, vermählte sich 1854 im Rahmen einer prachtvollen Hochzeit mit dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I. Um 1860 galt sie als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. 1863 ließ sie sich auf Ungarisch unterrichten und ein Jahr später suchte sie sich eine Gesellschaftsdame, mit der sie Ungarisch sprechen konnte.
Von 1866 an unterstützte Elisabeth mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln den Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn, als Ergebnis ihrer Bemühungen wurden ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph und sie selbst 1867 zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt.

Als Krönungsgeschenk erhielt das Königspaar vom ungarischen Staat das Grassalkovich-Schloss in Gödöllő.
Ein großformatiges Gemälde von Mihály Zichy zeigt Sisi an der Totenbahre von Ferenc Deák, der als „der Weise des Landes” eine entscheidende Rolle beim historischen Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 gespielt hatte.

Indem die Königin dem Verstorbenen persönlich die Ehre erwies, zeigte sie der Nation ihr Mitgefühl, was den Zeitgenossen sehr viel bedeutete. Das Gemälde wurde vor einigen Jahren aufwendig restauriert.
Ihr eigenes Lebensende war von Tragödien überschattet, insbesondere vom Selbstmord ihres Sohnes in Mayerling im Jahre 1889. Seitdem kam sie immer seltener nach Ungarn. Am 10. September 1898 fiel sie in Genf einem Attentat zum Opfer.
Nach ihrem Tode wurde die wegen ihres Einsatzes im Versöhnungsprozess zwischen Österreich und Ungarn bereits zu Lebzeiten sehr verehrte Kaiserin und Königin zu einem Mythos. Diese Achtung blieb auch während des Sozialismus, obgleich nicht in offizieller Form, unveränderlich erhalten.
Zeit der Räterepublik
Die rumänischen Truppen, die zum Kampf gegen Budapest aufmarschierten, richteten in Gödöllő ein Krankenhaus mit 100 Betten ein. Bei ihrem Rückzug nahmen sie einen Großteil der Schätze aus der Schlosskirche mit und hinterließen überall starke Verwüstungen. Das Schloss verlor für lange Zeit seinen Glanz und verfiel: nach dem Zweiten Weltkrieg entstand im Hauptgebäude ein Seniorenheim, einige Nebenflügel wurden von der sowjetischen Armee besetzt.
Seit seiner Restaurierung in den 1990er-Jahren empfängt das Schloss nun wieder Besucher aus aller Welt. Der Verfasser hat es am 20. April 2022 besucht.
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