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30.8.2025
LKW vor Kunsthaus zu „Mit echtem Hundertwasser gebraut”,
Bierfass zu „Mit echtem Hundertwasser gebraut”,
Kuchlbauer-Turm zu „Mit echtem Hundertwasser gebraut”,
Brauwasser-Türmchen zu „Mit echtem Hundertwasser gebraut”,
Arkadenweg zu „Mit echtem Hundertwasser gebraut”,
Biergenuss zu „Mit echtem Hundertwasser gebraut”,
Architekturmodell zu „Mit echtem Hundertwasser gebraut”,
Im Kunsthaus zu „Mit echtem Hundertwasser gebraut”,

Beitrag

Mit echtem Hundertwasser gebraut

Dier faszinierende Abensberger Braukunstspur

Rainer Göttlinger
30. August 2025

Brauereien besichtigt man ja vor allem, weil am Ende der Tour die Bierprobe wartet. Das ist zwar auch beim Kuchlbauer im niederbayerischen Abensberg so, jedoch mit dem Unterschied, dass man beim angeregten Gespräch über das soeben Geschaute wahrscheinlich völlig aufs Trinken vergißt, so groß ist die Fülle der Eindrücke entlang der Braukunstspur und insbesondere beim Ersteigen des dunkelbunt verspielten, von einer goldenen Kuppel gekrönten Turmes, dessen Entwurf von keinem Geringeren stammt als vom Ausnahmekünstler ▸ Friedensreich Hundertwasser. Man sollte sich auch nicht zu lange beim Weizenbock aufhalten, liefe man doch Gefahr, beim anschließenden Besuch des Kunsthauses dessen seltsam verdrehte Architektur für eine direkte Folge des eigenen Alkoholzuspruchs zu halten. Dabei resultiert all das Schiefe und Schräge in Hundertwassers Architekturstil doch lediglich aus der konsequenten Anwendung seiner Überzeugung, die gerade Linie sei gottlos.

Er war schon ein außergewähnlicher Mensch, dieser Hundertwasser. Als der Besitzer der Brauerei ihn Ende der 1990er Jahre um ein Konzept für die Umgestaltung des Brauereigebäudes bat, war er schon so schwer herzkrank, dass er noch nicht einmal mehr den Baubeginn erleben durfte, geschweige denn die Vollendung des Projektes. Immerhin blieb ihm dadurch aber der Streit mit der Baubehörde um die zulässige Höhe seines bunten und weithin sichtbaren Turms erspart.

Das von Hopfengärten umgebene, weil am Rande der Hallertau gelegene Städtchen Abensberg erreicht man recht komfortabel mit der Bahn. Es empfiehlt sich jedoch, eine Zeitreserve einzuplanen, denn die Umsteigezeiten sind knapp: aus fünf Minuten können, wenn der Zug mit bahnüblicher Verspätung in Ingolstadt einläuft, ganz schnell auch einmal 59 Minuten werden. Der Verfasser hatte aber Glück, denn auch der Anschlusszug fuhr an diesem Tag mit Verspätung ab.

Für die Brauerei samt Turm ist eine Führung obligatorisch, das Kunsthaus darf frei besichtigt werden. Eine Führung empfiehlt sich jedoch auch hier, vermittelt sie doch einen viel lebendigeren Eindruck von der Person Hundertwasser, seinen Ideen und Zielen und der Konsequenz, mit der er sie umsetzte. Will man beide Führungen wahrnehmen, empfiehlt es sich, die Brauereiführung entweder auf 11 Uhr zu legen oder auf 15 Uhr, denn durchs Kunsthaus wird derzeit nur um 13.30 Uhr geführt, und man will ja die Zeit auf dem Turm und im Biergarten ohne Hektik genießen können.

Die „Braukunstspur”, ebenfalls eine Hundertwasser-Idee, veranschaulicht in künstlerisch-abstrakter Weise die Arbeitsschritte der Bierproduktion: vorbei an den kupfernen Sudkesseln und den großen Gärkesseln trifft man im nächsten Raum auf die Figur des Aloysius, der seinen Kummer über das im Himmel vermißte Kuchlbauer-Bier zum besten gibt. Worauf es beim Bierbrauen ankommt, vermittelt nebenan die Riege der Weißbierzwerge. Allerlei altes Brauereigerät unterstreicht, dass auch der Wegweiser „Museum“ hier durchaus seine Berechtigung hat. Auch begleiten diverse Kurzfilme und ein Blick in die moderne Abfüllanlage die Besucher auf ihrem Weg, der nach einer guten Stunde schließlich im Keller des auffälligsten aller Brauereigebäude endet: dem Kuchlbauer-Turm. Den Weg hinauf in die Kuppel per Fahrstuhl zu bewältigen wäre zwar bequem, die abwechslungsreiche Einzigartigkeit des Gebäudes mit seinen Arkadenbögen und den markant auskragenden Türmchen läßt sich jedoch nur zu Fuß erleben.

Welches war doch gleich nochmal die Lieblings-Biersorte des Aloysius? Säße er jetzt irgendwo da unten im Biergarten zu Füßen des Turmes, inmitten der vom Schauen durstig gewordenen Besucher, bräuchte man ihm nur aufs Bierglas zu schauen. Letztlich ist es aber egal, ob man sich nun für Turmweisse, Alte Liebe oder Sportsfreund entscheidet, den authentischen Weißbiergenuß hat man beim Kuchlbauer immer.

Der Architekt, der den Turmbau nach Hundertwassers Tod schließlich realisierte, zeichnet auch für das bemerkenswerte Kunsthaus verantwortlich und tritt damit in Fußstapfen, die ihm durchaus nicht zu groß sind, weshalb man das Gebäude ihm zu Ehren das Peter-Pelikan-Haus nennt. Natürlich ist allein schon der Baustil mit den bunten Fußböden, den krummen Balustraden und den versetzten Ebenen eine Hommage an Hundertwasser. Aber hat man es erst einmal betreten, sich vielleicht gar der Führung anvertraut, wird man sich der Faszination der dunkelbunten Hundertwasser‘schen Gedankenwelt kaum mehr entziehen können – und verläßt das Gebäude schließlich anders, als man es eine gute Stunde vorher betreten hat.

POI

Museum, Abensberg

KunstHausAbensberg

Hundert­wasser-Archi­tektur­projekt nach Plänen des Wiener Archi­tekten Peter Pelikan. Doku­men­tation zahl­reicher inter­natio­naler Bau­projekte.

Museum, Abensberg

Kuchl­bauers Bierwelt

Brauerei­gebäude im Stil des Künstlers Friedens­reich Hundert­wasser. Kuchl­bauer-Turm.

Museum, Wien

KunstHausWien Museum Hundert­wasser

Ehe­ma­li­ges Fabrik­ge­bäude, von Frie­dens­reich Hundert­wasser mit bunten Fliesen, Brunnen, Bäumen in den Fenster­nischen und un­ebe­nen Fuß­böden in ein außer­ge­wöhn­liches Museum um­ge­staltet. Welt­weit einzige per­ma­nente Hundert­wasser-Gesamt­schau.

Museum, Wien

Madame Tussauds Wien

Le­bens­nah nach­em­pfun­dene Wachs­figuren von histo­rischen Ge­stalten und Per­sonen der öster­rei­chi­schen Ge­schich­te, z.B. Sport­ler, Schau­spieler, Musi­ker, Poli­ti­ker und Models.

Museum, Abensberg

Herzogs­kasten Stadt­museum

Neo­lithi­sches Feuer­stein­berg­werk in Abens­berg-Arnhofen. Stadt­ge­schichte Abens­bergs, Bade­wesen, Krippen des Seba­stian Oster­rieder. Schlacht von Abens­berg 1809. Die Per­sön­lich­keiten Aven­tinus, Kreitt­mayr und Hazzi.

Gebäude, Kelheim

Befreiungs­halle

Weit­hin sicht­barer Rund­bau an be­herr­schen­der Stelle über dem Zu­sam­men­fluß von Altmühl und Donau, errichtet durch König Ludwig I. von Bayern als Gedenk­stätte für die sieg­reichen Schlach­ten gegen Napo­leon und die Eini­gung aller deut­schen Stämme.

Museum, Kelheim

Archäo­logi­sches Museum

Kelti­sche Verg­angen­heit Kel­heims mit der be­deu­ten­den Kelten­stadt „Oppi­dum Alkimo­ennis”. Archäo­logie Kel­heims von der Zeit der Neander­taler bis zum frühen Mittel­alter. Aus­stellung zur Stadt­ge­schichte.

Verantw. gem. §55 Abs 2 RStV:
Rainer Göttlinger
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