Museum

Les 2 Musées de la Ville de Luxembourg

Lëtzebuerg City Museum

Museum für Stadtgeschichte / Musée d’Histoire de la Ville de Luxembourg

Luxemburg: Ensemble aus vier alten Bürgerhäusern des 17. bis 19. Jahrhunderts. Geschichte der Stadt Luxemburg vom Frühmittelalter bis zum 20. Jahrhundert.

Das Historische Museum befindet sich in einem Ensemble aus vier alten Bürgerhäusern des 17. bis 19. Jahrhunderts, die auch mittelalterliche Strukturen enthalten.

Die gelungene Anpassung der alten Bausubstanz an moderne Erfordernisse zeigt sich in der „schwebenden” Glasfassade und im Panoramalift, der die Gesamthöhe des Museums durchfährt und dabei nicht nur spektakuläre Perspektiven eröffnet, sondern auch 1000 Jahre Geschichte in wenigen Minuten erlebbar macht.

Die breit gefächerte Sammlung umfasst Objektkategorien, die dem industriellen, kunsthandwerklichen oder kaufmännischen Erbe der Hauptstadt zuzurechnen sind, Modelle, Pläne und alte Stiche als Zeugen der Stadtentwicklung vom Frühmittelalter bis zum 20. Jahrhundert, eine Fülle an Plakaten, Textilien, Keramikgegenständen, Fotografien und alte Postkarten sowie Objekte, die den Alltag der Stadt wider­spiegeln.

Mittelalter

Schon gegen Ende der Antike schützt ein Wachtturm die ins Tal hinunterführende Römerstraße von Reims nach Trier. Um 963 baut Graf Siegfried an diesem Ort seine Burg. Nach und nach entsteht eine Stadt. Im 13. Jahrhundert behauptet Luxemburg sich als Hauptort eines territorialen Fürstentums, der Grafschaft Luxemburg. Der nunmehr ummauerte Ort zieht immer mehr Menschen an.

Schutzpatronin Maria

Im Zuge Ihrer Niederlassung im Jahr 1594 fördern die Jesuiten den Marienkult. 1666 erwählen der Provinzialrat und der Magistrat die Muttergottes zur Schutzpatronin der Stadt Luxemburg, 1678 die Stände des Adels und des Klerus sowie die Landesstädte die „Trösterin der Betrübten” zur Patronin des Herzogtums Luxemburg.

Garnison

Mit der Erweiterung der Festung erhöht sich auch die Zahl des anwesenden Militärs. Bei der Belagerung im Jahr 1684 zählt die spanische Garnison 1.936 Infanteristen und 703 Kavalleristen.

Nach 1815, zu Zeiten der Bundesfestung, sind im Schnitt 4.000 preußische Soldaten in der Festung stationiert.

Handel und Zünfte

Bis ins späte 18. Jahrhundert beherrschen die Zünfte das Wirtschaftsleben der Stadt. Das Warenangebot ist, mit Ausnahme des Wochenmarktes, beschränkt. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entsteht eine moderne Geschäftswelt, Urbanisierung und Industrialisierung verändern die Lebensgewohnheiten der Menschen, die mehr und mehr zu Konsumenten werden. Nach 1850 beginnt das „goldene” Zeitalter des Einzelhandels.

Industriestadt

Parallel zu seiner räumlichen Ausdehnung erlebt Luxemburg einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung, Industrien lassen sich in den Vororten oder am Stadtrand nieder. Der Beitritt zum Deutschen Zollverein (1842) und der Bau der Eisenbahn (ab 1859) fördern die Entwicklung von Textil-, Handschuh-, Metall- und Lebensmittelindustrie. Nach 1870 entsteht ein neues Industrieviertel in der Nähe des Bahnhofs mit metallverarbeitenden Betrieben, Tabakfabriken und der Champagnerkellerei Mercier, die sich in Luxemburg ansiedelt, um die Schranken des Zollvereins zu umgehen.

Hauptstadt

Da das Großherzogtum nach 1839 seine administrative Eigenständigkeit erhält, verlagert sich das politische

Zentrum von Den Haag nach Luxemburg. Die aufeinanderfolgenden Verfassungen schaffen neue Institutionen. Als das Großherzogtum 1890 eine eigene Dynastie erhält, entwickelt sich Luxemburg zur Residenzstadt, Großherzog Adolph baut das Stadtpalais aus. Die ersten ausländischen Diplomaten werden akkreditiert.

Im 19. Jahrhundert schließlich wird Luxemburg zu einem unabhängigen Staat. Die Geburtsstunde des Großherzogtums schlägt 1815 anlässlich des Wiener Kongresses, der die Neuordnung Europas nach Napoleon vornimmt. 1839 werden

die heutigen Grenzen Luxemburgs festgelegt, und der französischsprachige Teil des Landes fällt an Belgien.

Unabhängigkeit

Im Revolutionsjahr 1848 erhält der junge Staat seine erste parlamentarische Verfassung. 1867 wird im Londoner Vertrag dessen ewige Neutralität festgeschrieben. Die preußische Garnison wird abgezogen und die Festung geschleift.

1890 kommt es aufgrund einer Thronfolgeregelung zum Ende der Personalunion mit den Niederlanden: Luxemburg hat nunmehr eine eigene Dynastie.

Krise und deutsche Besatzung

1914 wird Luxemburg in den Ersten Weltkrieg hineingezogen: deutsche Truppen marschieren in das neutrale Großherzogtum ein. Als sie im November 1918 abziehen, bricht eine politische Krise aus. Nach Einführung des allgemeinen Wahlrechts auch für Frauen spricht sich das Volk 1919 per Referendum für die Beibehaltung der Dynastie unter der neuen Großherzogin Charlotte aus. Wirtschaftlich kommt es 1921 mit der Schaffung der belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsunion zu einer Neuorientierung.

Am 10. Mai 1940 wird Luxemburg im Zuge des deutschen Angriffs erneut besetzt, Großherzogin und Regierung gehen ins Exil nach London und Kanada. Mit großem Propagandaaufwand wird versucht, die Luxemburger für das Naziregime zu gewinnen, die Verwendung der französischen Sprache wird verboten. Im September 1944 ziehen schließlich die Amerikaner als Befreier nach Luxemburg ein.

Europastadt

1952 gelingt es den Luxemburger Diplomaten, den provisorischen Sitz der EGKS (Gemeinschaft für Kohle und Stahl ) ins Land zu holen. Luxemburg unterzeichnet mit Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien und den Niederlanden 1957 die Römischen Verträge über die Gründung einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), und weitere europäische Institutionen lassen sich in Luxemburg nieder.

Finanzplatz

In den 1960er Jahren entwickelt sich die Stadt zu einem internationalen Finanzplatz, als das Großherzogtum von restriktiven ausländischen Gesetzgebungen und von der Entwicklung des Eurodollarmarktes profitieren kann, und wird zu einem der weltweit bedeutendsten Standorte für Investmentfonds.

Der Verfasser hat das Museum am 6.3.2022 besucht.

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