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27.4.2026
Taranto zu „Paradiesische Gärten am Lago Maggiore”,
Taranto-Garten
Kamelie, Isola Madre zu „Paradiesische Gärten am Lago Maggiore”,
Zitrone, Isola Bella zu „Paradiesische Gärten am Lago Maggiore”,
Pavillongarten, Pallavicino zu „Paradiesische Gärten am Lago Maggiore”,

Beitrag

Paradiesische Gärten am Lago Maggiore

Ein Eldorado für Botanikliebhaber

Rainer Göttlinger
7. April 2026

Jeder botanische Garten der Welt steht vor demselben Problem: seine Schützlinge vertragen das lokale Klima, oder sie vertragen es nicht. Dann kultiviert er sie in einem Gewächshaus, dessen Temperatur und Luftfeuchtigkeit den Ansprüchen der jeweiligen exotischen Gäste genügt.

All das kann man sich aber auch sparen, indem man seinen Garten kurzerhand in einer Weltgegend gründet, deren Klima der Mühe des Gärtners entgegenkommt. Das dachte sich wohl auch der schottische Captain Neil Boyd McEacharn, als er aus dem elterlichen Park im kühlen Wigtownshire einige Rhododendren nach Verbania am Lago Maggiore verbrachte, wo er dafür ein großes Gelände erworben hatte. Der Taranto-Garten, wie er ihn nannte, wurde zu seinem Lebenswerk – und zugleich zu einem Besuchsziel für ausländische Staatsgäste wie Margaret Thatcher oder Konrad Adenauer, denen er dann jeweils einen Baum widmete.

Der Capitano verstarb 1964, sein Garten aber wurde zu einer der wichtigsten Anlaufstellen für botanisch Interessierte aus aller Welt. Und er ist beileibe nicht der einzige hier: um sie alle kennenzulernen, sollte man sich allerdings besser für einige Tage irgendwo am See einquartieren, im Idealfall in der Nähe einer Anlegestelle der „Navigazione Laghi“, wie die Linienschifffahrt am Lago Maggiore sich nennt. Deren Passagierschiffe verkehren relativ preisgünstig nach einem festen Fahrplan wie ein Bus und können auch exakt so genutzt werden.

Für den Garten des Exilschotten braucht man das Schiff nicht, kann von hier aber zur Isola Madre übersetzen, die nach Ansicht des Verfassers jedoch mehr Wald als Garten ist, wenngleich es sich dabei um sehr schöne und teils auch seltene Bäume handelt. Insbesondere sei hier die große Kaschmir-Zypresse genannt. Auf der südlichen Terrasse hat man zudem erfolgreich Vertreter der empfindlichen Proteen kultiviert.

Ebenfalls per Linienschiff erreichbar, aber von ganz anderem Charakter ist der Terrassengarten der Isola Bella, der Insel mit dem geradezu riesigen borromäischen Palazzo. Hier war nicht nur Napoleon zu Gast, sondern es ging auch eine berühmte Friedenskonferenz über die Bühne. Ob einen das nun interessiert oder nicht: ohne die obligatorische Innenbesichtigung gelangt man nicht in den Garten. Draußen auf den barocken Terrassen genießt man dann aber einen herrlichen Ausblick über Palmen, Kamelien, Rhododendren und Tulpen auf den See und die umliegende Landschaft.

Der „Schönen Insel” gegenüber liegt das schmucke Städtchen Stresa, mit engen Gassen, einem Bahnhof, zwei Schiffsanlegern - und einem weiteren schönen Garten. Sorgten auf der Madre vor allem die Fasane und auf der Bella die weißen Pfauen für Begeisterung beim jungen Publikum, sind es im Garten Pallavicino vor allem die Tiere des Streichel-Bauernhofes, den botanophile Besucher beim Anstieg in den oberen Gartenteil aber getrost links liegen lassen können. Was den Pallavicino von den anderen Gärten unterscheidet ist die Bepflanzung der geometrischen Beete mit zugleich Tulpen und Stiefmütterchen, was für angenehme Farbkontraste sorgt.

Geradezu drastisch von den vier Haupt-Highlights der Gegend unterscheidet sich in diesen Tagen allerdings der Giardino Botanico Alpinia oberhalb von Stresa: er zeigt sich unerwartet geschlossen. Einen Hinweis, warum das so ist und wann mit einer Öffnung zu rechnen ist, sucht man als Besucher vergeblich.

Eine alternative Chance auf botanische Vielfalt böte sich noch auf der größeren der beiden Brissago-Inseln gegenüber von Ascona im schweizerischen Teil des Lago Maggiore. Die Inselchen sind jedoch nicht Teil des Liniennetzes der Navigazione Laghi und deshalb besser von einer nördlicheren Operationsbasis her erreichbar.

Eine Absage erteilt der Verfasser übrigens auch der Idee, die vier beschriebenen Gärten alle an einem einzigen Tag oder auf zwei Tage verteilt besuchen zu wollen: man hätte viel zu wenig Zeit, die Schönheit der Blumenanlagen, der botanischen Raritäten und nicht zuletzt der Aussichtspunkte angemessen ausgiebig zu genießen.

POI

Bot. Garten, Stresa

Isola Madre und Palazzo Borro­meo

Größte und bedeu­tend­ste Insel des Lago Maggiore. Bota­nischer Garten im eng­lischen Stil. Palazzo aus dem 16. Jahr­hundert mit diversen Sälen und einer Samm­lung von Mario­netten und Puppen­theatern.

Schloss, Stresa

Isola Bella und Palazzo

Das groß­artige Ensemble aus Palazzo und Gärten umfaßt eine Galerie mit 130 Gemälden, diverse Säle, kühle Grotten sowie einen Barock­garten mit Obe­lisken, Statuen und Terrassen für Rosen, Rhodo­dendren und Kamelien.

Bot. Garten, Verbania

Botani­sche Gärten Villa Taranto

Die Bota­ni­schen Gärten der Villa Taranto am Ufer des Lago Maggiore sind das Ergebnis der Vision und der Arbeit von Kapitän Neil McEacharn, der dieses ehr­geizige Projekt 1931 ins Leben rief.

Bot. Garten, Stresa

Parco Palla­vicino

Präch­tiges An­wesen mit alten Bäumen, Garten, Tieren und einem Bauern­hof.

Verbania

Museo del Paesaggio

Werke des impres­sio­ni­sti­schen Bild­hauers Paolo Trou­betzkoy. Umfang­eiche Sammlung von Gemälden, die häufig die See- und Berg­landschaft des Verbano und der an­gren­zenden Gebiete zeigen.

Museum, Montagnola

Museo Her­mann Hesse

Kostbare Zeug­nisse der letzten 43 Lebens­jahre Hermann Hesses, der bis zu seinem Tod in Monta­gnola gelebt hat.

Verantw. gem. §55 Abs 2 RStV:
Rainer Göttlinger
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