Museum

Siegfrieds mechanisches Musikkabinett

im Brömserhof

Rüdesheim am Rhein: Orchestrien, elektrische Klaviere, Karussellorgeln, Grammophone, Phonographen, Spieluhren, Singvogeldosen und -käfige.

Orchestrien, elektrische Klaviere, Karussellorgeln, Grammophone, Phonographen, Spieluhren, Singvogeldosen und -käfige: mechanische Musikinstrumente sind oftmals eine Augenweide. Aber der eigentliche Reiz der Instrumente erschließt sich erst dann, wenn sie erklingen. In einem ca. 45-minütigen Rundgang wird eine breite Auswahl von mechanischen Musik­instru­menten vorge­stellt und erklärt.

Glockenspiel

Die ältesten noch funktionierenden mechanischen Musikinstrumente stammen aus dem 14. Jahrhundert, als die Uhrwerke von Domen und Rathäusern mit Glockenspielen ausgestattet wurden.

Während solche Glocken weithin hörbar einer breiten Öffentlichkeit zugänglich waren, erfreuten Musikautomaten reiche Adelige im privaten Rahmen. So auch im Augsburg des 17. Jahrhunderts, wo die mechanischen Musikinstrumente ihre erste Blüte erlebten.

Flötenuhr

1738 stellte Jacques de Vaucanson in Paris seinen automatischen Flötenspieler vor. Um möglichst lange Musikstücke spielen zu können, erfand er die spiralförmig bestiftete Walze. Etwas später gründete Friedrich der Große in Berlin Werkstätten für Flöten- und Harfenuhren. Für diese Instrumente komponierte Carl Philipp Emanuel Bach mindestens 30 Musikstücke. Auch Händel, Haydn, Mozart und Beethoven schufen Flötenuhr-Kompo­sitionen.

Singvogelwerk

Die sogenannten Serinetten dienten dazu, Kanarienvögeln bekannte Schlager und andere Melodien beizubringen. Die Vogelautomaten hingegen imitierten den Vogelgesang originalgetreu. Sie waren so klein, dass man sie in vergoldete Silbergehäuse und Schnupftabakdosen ein­setzte.

Spieldose

1796 erfand Antoine Favre in Genf den Stahlkamm für Spieluhren. Schweizer Spieldosen wurden im 19. Jahrhundert in die ganze Welt exportiert. Ein Nachteil der Walzenspieldose war jedoch das eingeschränkte Musik­reper­toire.

Symphonion

Die Spieluhr mit auswechselbaren Notenscheiben, erfunden 1886 in Leipzig von Paul Lochmann, brachte den Aufschwung der Leipziger Spieluhrenindustrie, die den Schweizern existenzbedrohende Konkurrenz machte. Durch die industrielle Fertigung wurden Plattenspieldosen zur Massenware. Aber schon vor dem Ersten Weltkrieg bekamen viele Hersteller die Konkurrenz der Schall­platte zu spüren.

Orchestrion

Nahezu zeitgleich mit der Spieluhr entstanden die ersten Orchestrien: kein Geringerer als Ludwig van Beethoven komponierte dafür 1813 das Schlachtengemälde „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Victoria”.

Drehorgel

Die ersten Drehorgeln wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Schwarzwald gefertigt: die Musik kam damit erstmals auf die Straße und erfreute auch ärmere Bevölkerungsschichten. Der Schwarzwald entwickelte sich zum Zentrum der Produktion von Flötenuhren und Drehorgeln. In der zweiten Jahrhunderthälfte entwickelte sich eine leistungsstarke Musik­werke­indu­strie.

Kartonstreifen

Entscheidende Impulse für den Orchestrionbau gab Josef Marie Jacquard, der bereits 1801 gelochte Kartonkarten für Webmaschinen erfunden hatte. Nach demselben Prinzip wurden fortan Töne und sogar ganze Musikstücke in Karton­streifen gespeichert.

1890 gründeten Gustav Bachhausen und Paul Rießner die Polyphon Musikwerke AG, und Ludwig Hupfeld das legte Fundament zur größten sener Orchestrion-Fabrik der Welt. Die Leipziger Unternehmen beschäftigten über 40.000 Menschen und erzielten enorme Profite. Denn gute und große Instrumente galten als Publikumsmagnet ersten Ranges und spielten im wahrsten Sinne des Wortes ihr Geld wieder ein.

Reproduktions-Klavier

Doch erst die Entwicklung des pneumatisch gesteuerten selbstspielenden Klaviers ermöglichte das Reproduzieren von Musik mit hoher Perfektion.

Die Firma Michael Welte & Söhne entwickelte ein Verfahren, mit dem man das Klavierspiel auf eine Papierrolle aufzeichnen und originalgetreu selbsttätig wiedergeben konnte.

Alle bedeutenden Komponisten und Pianisten jener Zeit, darunter Debussy, Grieg, Mahler, Saint-Saens oder Richard Strauss und auch viele Liszt-Schüler, spielten ihre Klaviermusik in Notenrollen ein, von denen etliche noch heute exi­stieren.

Hupfeld Phonoliszt

Die Firma Hupfeld stellte 1908 eine selbstspielende Violina vor, die mittels Rundbogen fünf Geigen spielte. Sie galt fortan als achtes Weltwunder. Ab 1910 schließlich wurde die Phonoliszt-Violina mit drei Geigen in Serie produziert. Von den etwa 3.500 gebauten Instrumenten sind etwa 60 erhalten ge­blieben.

Mit der Violina war der Höhepunkt der technischen Entwicklung erreicht. In den zwanziger Jahren trat dann das Radio seinen Sieges­zug an.

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