Museum

Stadtmuseum Fürth

Fürth: 1000-jährige Entwicklung vom agrarorientierten Marktflecken zur modernen Industrie- und Handelsstadt, mit Schwerpunkt auf der Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Nationalsozialismus, Wirtschaftswunderzeit, Ludwig Erhard, Max Grundig, Gustav Schickedanz, Grünes Fürth.

Das Museum in der ehemaligen Ottoschule, wo Jakob Wassermann, Otto Seeling, Gustav Schickedanz und Ludwig Erhard die Schulbank drückten, ist ein multimediales Haus für alle Sinne mit Schwerpunkt Entwicklung des Ortes samt seiner Wirtschaftsgeschichte.

Es begibt sich mit seiner Dauerausstellung auf einen spannenden Ausflug durch die 1000-jährige Historie der Stadt. Die Entwicklung vom agrarorientierten Marktflecken zur modernen Industrie- und Handelsstadt mit besonderem Schwerpunkt auf der Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts war geprägt von einer liberalen und weltoffenen Gemeinschaftsordnung und kultureller Vielfalt.

Gründung

In Fürth überquert der Handelsweg von Frankfurt nach Regensburg an der namensgebenden Furt die Rednitz. Ein Hinweis auf frühe Besiedelung ist eine in der Umgebung gefundene Feldurne, die zwischen 1.200 und 800 v. Chr. datiert ist. Weitere Funde lassen auf eine bäuerliche Tradition schließen. Möglicherweise gab es schon im 8. Jahrhundert einen Königshof an der Stelle des Marktfleckens. Der älteste schriftliche Beweis für die Existenz des Ortes ist jedoch die urkundliche Erwähnung anlässlich einer Schenkung König Heinrich II. an das Bistum Bamberg im Jahre 1007.

Fürth war ein bäuerlicher Marktflecken, dessen Handwerker vorwiegend Waren des täglichen Gebrauchs produzierten. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Ort und Umland Schauplatz von Schlachten, wie etwa der zwischen Schwedenkönig Gustav Adolf und Wallenstein im Jahre 1632. Bis ins beginnende 19. Jahrhundert hinein war Fürth keine Stadt, d.h. es durfte keine Stadtmauer bauen.

Zünfte

Die Bamberger Dompröpste sowie die Ansbacher Markgrafen unterstützten bis ins späte 18. Jahrhundert eine florierende ökonomische Entwicklung, da sie von den Abgaben profitierten. Für viele Handwerke gab es sowohl eine Bamberger als auch eine Ansbacher Ordnung. Durch die innerörtliche Konkurrenz waren die Fürther Handwerkervorschriften weniger streng als in der Umgebung üblich. Aus vielen der Fürther Zunftgewerbe entwickelten sich später wichtige Industriezweige.

Handwerk und Handel

Auch die Ansiedelung jüdischer Bevölkerung trug dieser Entwicklung Rechnung. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts kamen verfolgte Reformierte aus den Niederlanden und der Schweiz sowie französische Hugenotten nach Fürth, die ebenfalls neue Handwerkszweige mitbrachten.

Hauptsächlich entwickelte sich der Ort zum Zentrum des Brauwesens, der Spiegelherstellung, der Möbelmanufaktur, des Uhrmacher- und Optikerhandwerks, des Gold- und Metallschlägerwesens, der Bronzefarbenherstellung, der Spielzeugindustrie und der Papierherstellung.

Industrie

Im 19. Jahrhundert veränderten sich Technik, Wirtschaft, Herrschaftsverhältnisse, das soziale Gefüge und vieles mehr rasant: in Fürth wurden die ersten Industriebetriebe gegründet. Der Arbeitsplätze wegen zogen viele Menschen aus dem Umland in die städtischen Zentren, wo es bald durch Wohnraumnot, Nahrungsmangel und schlechte Arbeitsbedingungen zu sozialen Problemen kam.

Expansion

Durch zwei Gemeindeedikte des ersten bayerische Königs Maximilian I. wurde Fürth zunächst zur Stadt, 1818 zur Stadt I. Klasse ernannt, und Fürth erhielt sein neues Stadtwappen mit dem dreiblättrigen Kleeblatt.

Im Südosten, entlang der Ludwigseisenbahn, entstanden vor allem Prachtbauten als Wohn- und Verwaltungsgebäude der Unternehmer und gehobenen Mittelschicht. Im Süden, jenseits der Staatsbahn wurden neben Mietshäusern für die Arbeiter vorwiegend Fabrikbauten errichtet.

Transport und Verkehr

Mit dem 1843 in Betrieb genommenen Ludwig-Donau-Main-Kanal erschloss sich für Fürth der Anschluss an Donau und Main von Kelheim über Neumarkt in der Oberpfalz und Nürnberg nach Bamberg. Den stärksten Eindruck als Zeichen der neuen Zeit hinterließ jedoch die erste deutsche Eisenbahnverbindung zwischen Nürnberg und Fürth. Nach dem bayerischen König benannt, trug sie den Namen Ludwigseisenbahn. Der Flugplatz Atzenhof, in den Kriegsjahren 1916/1917, als Militärflughafen angelegt, entwickelte sich nach dem Krieg zu einem internationalen Zivil-Luftverkehrshafen. 1982 wurde die Trasse der U-Bahn von Nürnberg aus in Richtung Fürth verlängert.

Nationalsozialismus

Ab 1933 waren die Hetzkampagnen gegen Juden und die Isolation der jüdischen Bevölkerung Teil des Alltagslebens. Nach und nach wurde die jüdische Bevölkerung aus allen Bereichen des beruflichen und sozialen Lebens gedrängt. In der Reichspogromnacht brachen SA-Leute die Tore zur Hauptsynagoge auf, rissen die Thorarollen aus dem Thoraschrank, zerstörten die Einrichtung und zündeten das Gebäude schließlich an.

Was die Schäden durch Luftangriffe anging, kam Fürth vergleichsweise glimpflich davon, nur etwa zehn Prozent der Gebäude waren vollständig zerstört.

Wirtschaftswunder

Die Gartenschau „Grünen und Blühen” nach Entwürfen des Stadtgartendirektors Hans Schiller lockte 1951 nicht nur die Bevölkerung in den Stadtpark. Auch für viele Besucher aus dem Umland war sie eine touristische Attraktion und ein Zeichen für wiederkehrende Normalität.

Industrielle prägten die Jahre des Aufschwungs in Fürth. Max Grundig, dem 1963 die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde, wurde mit seine Rundfunk- und Fernsehgeräten bald weltweit bekannt, ebenso wie Gustav Schickedanz, dessen Großversandhaus „Quelle” die Wünsche der Kunden stets dem jeweiligen Trend entsprechend bediente.

Aus dem 1921 in Fürth von Georg Roth gegründeten Filialunternehmen „Georg Roth Lebensmittel” ging die Handelskette NORMA hervor. Ihr Name ist eine Wortschöpfung, die sich aus Roths Heimatort Nürnberg (lat. Noricum) und der Bezeichnung „Markt” zusammensetzt. Fritz Sieber gründete 1982 mit seinem Sohn Michael und fünf Mitarbeitern die Firma SIMBA TOYs und gliederte im Laufe der Jahre verschiedene Unternehmen ein, die heute eine Abdeckung des nahezu gesamten Spielzeugspektrums gewährleisten. Ab 1972 ging das erfolgreichste Produkt der Firma, das „Bobby-Car”, in Produktion.

Auf Rainer Winter, Geschäftsführer der damaligen „Winter-Gesellschaft für Optik und Augenschutz” geht die Idee des neuen prägnanten Markennamens zurück: ein Kürzel aus dem Qualitätsmerkmal „UltraViolett EXcluded”, das auf den UV-Schutz in den Brillengläsern hinweist.

Denkmalstadt

Da Fürth währen des Zweiten Weltkriegs von alliierten Bombenangriffen weitestgehend verschont wurde, ist bis heute ein Großteil des historischen Stadtbilds erhalten geblieben. Besonders zwei Prachtstraßen aus der Fürther Belle Époque sind hierfür ein eindrucksvolles Beispiel: die Hornschuchpromenade und die Königswarterstraße.

Der Verfasser hat das Museum am 15.7.2017 besucht.

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