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Nürnberg kann auf eine mehr als tausendjährige Geschichte stolz sein. Bereits im Jahr 1050 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt. Von den Höhen und Tiefen der Großstadt in Mittelfranken im Freistaat Bayern zeugen verschiedene Sehenswürdigkeiten. Wer einen Streifzug durch die Geschichte Nürnbergs unternehmen möchte, sollte insbesondere die Kaiserburg, die Historischen Felsengänge und das Dokuzentrum Reichsparteitagsgelände besuchen.
Kaiserburg als Wahrzeichen von Nürnberg
Als Wahrzeichen von Nürnberg und eine der bedeutendsten Burgen in Deutschland bietet die Kaiserburg einen schönen Blick über die Altstadt. Die Anlage besteht aus der eigentlichen Kaiserburg und der Burggrafenburg. Von der Burggrafenburg stehen heute nur noch die Reste, da der größte Teil im Jahr 1420 zerstört wurde.

Die frühesten baulichen Spuren der Nürnberger Burg stammen bereits aus der Zeit um das Jahr 1000. Alle römisch-deutschen Kaiser residierten in der Zeit von 1050 bis 1571 zumindest zeitweilig in der Kaiserburg.
Für die salischen und staufischen Könige und Kaiser war die Kaiserburg ein wichtiger Stützpunkt ihrer Reichs- und Hausmachtpolitik. Umherreisende Herrscher hielten Hoftage und Reichsversammlungen ab.
Die Staufer errichteten über älteren Bauten auf dem Burgfelsen eine ausgedehnte Pfalzanlage, die noch heute prägend für das Erscheinungsbild der Burg ist. Sie setzten einen Burggrafen zur Verwaltung des Reichsguts und zur Aufrechterhaltung der Ordnung ein. Das Amt des Burggrafen ging im Jahr 1191 an die Grafen von Zollern über. Mit dem Ende der Staufer im Jahr 1254 festigte sich die Entwicklung Nürnbergs zur eigenständigen Reichsstadt.
Während eines Hoftags auf der Kaiserburg im Jahr 1356 wurden die ersten Kapitel der Goldenen Bulle verhandelt und verkündet, bei der es sich um ein in Urkundenform verfasstes kaiserliches Gesetzbuch handelt.
Der Reichstag wurde nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges nach Regensburg verlegt. Die Kaiserburg erlangte nach der Eingliederung Nürnbergs in das Königreich Bayern eine neue Bedeutung. Sie wurde im Sinne der romantischen Neugotik ausgestaltet. Eine Königswohnung wurde errichtet. Die Hohenzollern nutzten die Burg ab 1866.
Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Kaiserburg gehören die Doppelkapelle aus der Romanik, der Tiefe Brunnen mit seinem 47 Meter tiefen Schacht, der Sinnwellturm und eine Sammlung von Waffen und Geräten: Das Mittelalter wird im Kaiserburgmuseum lebendig. Die baugeschichtliche Entwicklung der Kaiserburg wird in einer Dauerausstellung gezeigt.
Historische Felsengänge als weit verzweigtes Stollensystem
Die Historischen Felsengänge in Nürnberg sind Süddeutschlands größtes Felsenkeller-Labyrinth und waren bis Mitte des 17. Jahrhunderts weitgehend geheim. Sie wurden bereits ab 1380 in den Fels geschlagen und vorwiegend für die Gärung und Lagerung von Bier genutzt.
Im Burgberg wurden unterirdische Wassergewinnungsstollen angelegt, von denen der längste das Wasser bis in den Keller des Nürnberger Rathauses führte. Dort befand sich auch das Lochgefängnis, in dem Gefangene von 1340 bis 1813 inhaftiert wurden. Die Gänge in den Verteidigungsanlagen der Kaiserburg wurden als Kasematten bezeichnet.
Die Geschichte der Bierbrauerei ist untrennbar mit der Geschichte Nürnbergs verbunden. Im ausgehenden 14. Jahrhundert, noch vor der wirtschaftlichen Blütezeit der Stadt, hatte Nürnberg ungefähr 30.000 Einwohner und mehr als 40 Brauereien. Jeder, der Bier brauen und verkaufen wollte, benötigte aufgrund einer Verordnung des Rates der Stadt einen eigenen Bierkeller.

Die Felsengänge erstrecken sich über eine Fläche von mehr als 20.000 Quadratmeter. Sie boten im Zweiten Weltkrieg vielen Bürgern Schutz vor Luftangriffen. Heute können Teile der Felsengänge bei einer ungefähr einstündigen Führung besichtigt werden. Das gesamte Jahr über herrschen in dem unterirdischen Labyrinth Temperaturen von konstant 8 bis 10 Grad Celsius.
Einblicke in die traurige Geschichte Nürnbergs
Die Nationalsozialisten nutzten Nürnberg im 20. Jahrhundert für ihre Ziele. Auf dem Reichsparteitagsgelände erließ Hitler die menschenverachtenden „Nürnberger Rassegesetze“. Die Nationalsozialisten hielten dort von 1933 bis 1938 ihre Reichsparteitage ab. In den Nürnberger Prozessen standen die Hauptkriegsverbrecher des NS-Terrorregimes nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor dem internationalen Militärtribunal.

Wer keine Zeit hat, das gesamte Reichsparteitagsgelände zu erkunden, kann das dort befindliche Dokumentationszentrum besuchen. Das Dokuzentrum wurde 2002 vom Verband Britischer Reiseschriftsteller mit dem „Silver Otter“ für die weltbeste Tourismuseinrichtung ausgezeichnet.
Das Dokuzentrum Reichsparteitagsgelände befindet sich im Nordflügel der unvollendet gebliebenen Kongresshalle. Vom Größenwahn des nationalsozialistischen Regimes zeugen gigantische Baureste auf dem 11 Quadratkilometer großen ehemaligen Reichsparteitagsgelände.
Das Ende des Zweiten Weltkriegs stoppte die Pläne der Nationalsozialisten. Nürnberg wäre ansonsten ein städtebauliches Beispiel für den nationalen Größenwahn geworden. Auf dem Reichsparteitagsgelände sollte das größte Stadion der Welt entstehen, das Platz für mehr als 400.000 Menschen bieten sollte. Die Kongresshalle sollte über das größte freitragende Dach der Welt verfügen und 70 Meter hoch werden. Das Dokumentationszentrum befindet sich seit 2001 im Torso der Kongresshalle.
Im Dokuzentrum werden verschiedene Ausstellungen gezeigt. Besucher können im Rahmen von Führungen mehr über die Geschichte des Nationalsozialismus erfahren.
Weitere historische Sehenswürdigkeiten in Nürnberg
Nürnberg verfügt noch über verschiedene weitere Sehenswürdigkeiten, die eng mit der Geschichte der Stadt verbunden sind. Die Lorenzkirche, die Frauenkirche und die Sebalduskirche als die bedeutendsten Kirchen der Stadt gehören ebenso dazu wie das Heilig-Geist-Spital, das die ehemals größte städtische Einrichtung für die Versorgung von Alten und Kranken war. Dort wurden von 1423 bis 1796 die Reichskleinodien aufbewahrt.
Neben dem Dokuzentrum Reichsparteitagsgebäude gibt es in Nürnberg noch verschiedene weitere Museen, die Einblicke in die Geschichte gewähren.
Burg, Nürnberg
Die Nürnberger Burg, in der von 1050 bis 1571 alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zeitweise residierten, gehört zu den bedeutendsten Kaiserpfalzen des Mittelalters. Kaiserliche Wohn- und Repräsentationsräume im Palas.
Schauplatz, Nürnberg
Stollen und Ge|wölbe im Sand|stein-Unter|grund der nörd|lichen Nürn|berger Altstadt.
Museum, Nürnberg
Dokumentationszentrum im nördlichen Kopfbau des unvollendeten NS-Kongresszentrums (Kongresshalle) auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Geschichte des Geländes und der verbrecherischen Machtausübung der Nationalsozialisten.
Bis 22.3.2026, Nürnberg
Nürnberg spielte eine entscheidende Rolle für die Entstehung globaler Netzwerke: über die Häfen Venedigs und Portugals reichten die Verbindungen bis nach Asien und Amerika.
Bis 8.3.2026, Nürnberg
Anhand von Originalgrafiken Dürers und Münzen seiner Zeit wird thematisiert, für wieviel Geld Dürer seine Drucke verkaufte.
Ab 26.7.2026, Nürnberg
Rund 70 Objekte und 100 Fotos geben Einblick in die Unterwelt der Eisenbahn.
Museum, Nürnberg
Spielzeug und dessen kulturelles Umfeld vom Mittelalter bis zur Gegenwart aus Europa und Übersee. Eisenbahnabteilung: Modellbahn.