Ausstellung 29.04.22 bis 22.01.23

Museum der Kulturen

Stückwerk

Geflickte Krüge, Patchwork, Kraftfiguren

Basel, Museum der Kulturen: Die Ausstellung spürt Praktiken nach, die dem Zusammennähen, Reparieren oder der Zerstörung zugrunde liegen. In jedem Patchwork-Textil, in jedem geflickten Gefäss und in jeder Kraftfigur stecken Wissen, Können und Geschichte. Bis 22.1.23

Statuen ohne Arme, Gefäße mit Nähten, zusammengesetzte Textilien: das Museum der Kulturen Basel (MKB) besitzt tausende von Gegenständen, die zusammengefügt, repariert wurden oder unvollkommen sind. Dennoch oder gerade deswegen erlangten sie grosse Bedeutung und oft neues Potenzial.

Die Ausstellung spürt Praktiken nach, die dem Zusammennähen, Reparieren oder der Zerstörung zugrunde liegen. In jedem Patchwork-Textil, in jedem geflickten Gefäss und in jeder Kraftfigur stecken Wissen, Können und Geschichte.

Aus Kartonverpackungen zusammengesetzte Wandskulpturen führen anschaulich und zeitgenössisch ins Thema ein. Wallen Mapondera, Künstler aus Simbabwe, verbindet in seinen Werken geschichtsträchtige Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen.

Kraft des Kombinierten

In fünf Stationen wird die Kraft des Verbindens, die Kunst des Trennens und die Wucht des Zerstörens deutlich. Welche Ästhetik sich aus Zusammengefügtem ergeben kann, lässt sich an Textilien bewundern. Ob Kleidungstück, Tuch, Decke oder Teppiche, sie alle sind aus Teilen zusammengesetzt: manchmal zufällig, oft geplant. Im Fall der Patchwork-Objekte, der Quiltdecken aus den USA sowie Pakistan oder der Fasnachtskostüme entwickelte sich aus dem Zusammennähen eine veritable Kunst.

In vielen Teilen West- und Nordafrikas galten Patchwork-Roben als Symbol von Macht, Prestige und Würde. Die Jibba im Sudan wurde gar zum Zeichen des Widerstands gegen die Kolonialherrschaft.

Applikationen auf Gewändern und Substanzen in Figuren verleihen diesen besondere Kräfte. Das Frauenkleid Jumlo aus Pakistan soll dadurch alles Schlechte abhalten. Das schamanische Gewand aus Sibirien verleiht den Trägern Macht, um Krankheiten zu bekämpfen. Ähnlich funktionieren die westafrikanischen Jägerhemden mit ihren Applikationen aus tierischen Trophäen. Kraftfiguren, in denen Medizin steckte, sollten vor Krankheiten, Unfällen und negativen Einflüssen schützen.

Zerfallen lassen

Durch soziale, kulturelle oder religiöse Praktiken des Teilens entstehen Bruchstücke. Reliefplatten, Sockel und Giebelfiguren wurden von Bauten gelöst. In der Ausstellung sind auch Figuren zu sehen, denen Körper- oder Geschlechtsteile fehlen. Oder es sind nur Köpfe vorhanden. Hier erfahren die Besucher, dass etwa ein Buddhakopf ohne Körper Ausdruck von Gewalt ist, jedoch auch zum Kunstobjekt mutierte. Bei den Azteken repräsentierte der Kopf den Körper und Geist einer Person.

Gewisse Dinge werden sogar bewusst weggeworfen oder dem Zerfall ausgesetzt. Die ausgestellten Statuen aus Kolumbien allerdings wurden nach Gebrauch in Zeremonien nicht in den Wald zum Verrotten gebracht oder in den Fluss geworfen, sondern einem Sammler überlassen.

Der Entscheid, etwas zu zerstören, hängt oft mit dem Tod zusammen. In vielen Kulturen bedeutet der Tod Gefahr für die Hinterbliebenen. Paradestücke hier sind Seitentürstücke aus Neukaledonien. In Trauerritualen hieben Verwandte der Hausbesitzer auf die mit geschnitzten Gesichtern und geometrischen Mustern reich verzierten Teile mit Äxten ein.

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