Ausstellung 10.07. bis 27.09.26
Die Werkgruppe von Thomas Baumgärtel stellt ein vielschichtiges Projekt dar, in dem ein einziges Motiv – die Banane – zum Medium stilistischer Übersetzung, ironischer Brechung und ikonographischer Transformation wird. Baumgärtel, der die Banane seit den 1980er Jahren als sein künstlerisches Signet etabliert hat, nutzt sie hier nicht nur als wiedererkennbares Markenzeichen, sondern als variables Bildinstrument, das kunsthistorische Positionen, Handschriften und Künstlerpersönlichkeiten absorbiert und neu codiert.
Im Zentrum steht die Banane als ikonisches Zeichen. Sie fungiert zugleich als Autorsignatur, als popkulturelles Symbol und als Projektionsfläche kunsthistorischer Referenzen. In den „Künstlerbananen” wird sie zum Substitut für Porträt, Figur oder Stillleben; sie ersetzt nicht nur Motive, sondern verkörpert stilistische Identitäten. Dadurch entsteht ein komplexes Spiel zwischen Wiedererkennbarkeit und Transformation: der jeweilige Stil bleibt identifizierbar, wird jedoch durch die formale Dominanz der Banane gebrochen und humorvoll verschoben.
Baumgärtel arbeitet mit Verfahren der Appropriation und der stilistischen Mimikry. Expressionistische Gestik, konstruktive Abstraktion, Pop-Art-Ästhetik oder Street-Art-Ikonographie werden präzise zitiert und zugleich ironisiert. In geometrisch konstruierten Varianten wird die organische Krümmung der Banane in ein rationales System aus schwarzen Linien und Primärfarben überführt – eine augenzwinkernde Konfrontation von Naturform und modernistischer Ordnung. In anderen Arbeiten erscheint sie als Silhouette eines rebellischen Sprayers, als Anspielung auf subversive Bildstrategien der Street Art: die Geste bleibt, doch das ursprünglich politische Objekt wird durch die Frucht ersetzt und in eine humorvolle, zugleich selbstreflexive Bildaussage transformiert.
Charakteristisch ist dabei das Prinzip der Metamorphose. Die Banane wird zur Figur, zur Porträtform, zum abstrakten Zeichen oder zum Bildträger, in dessen Kontur kunsthistorische Motive eingeschrieben sind. Sie dient als formales Gerüst, das fremde Bildwelten aufnimmt und zugleich vereinheitlicht. Diese Transformationen erinnern an postmoderne Strategien der Zitatkunst, ohne jedoch in bloße Parodie zu kippen. Vielmehr zeigt sich eine genaue Kenntnis der jeweiligen Vorbilder; die Hommage entsteht aus der Präzision des Zitats, während die Ironie aus der motivischen Reduktion resultiert. Zugleich reflektiert die Werkgruppe Fragen von Autorschaft und Markenbildung. Die Banane ist längst ein künstlerisches Logo geworden – ein wiedererkennbares Emblem im Kunstbetrieb. Indem Baumgärtel andere Künstlerstile in sein eigenes Signet integriert, überlagern sich individuelle Handschrift und Markenzeichen. Das Verhältnis von Original und Zitat, von Identität und Wiederholung, wird dadurch thematisiert. Die „Künstlerbananen” kommentieren implizit die Mechanismen des Kunstmarktes, in dem Stil zur Marke und Wiedererkennbarkeit zum ökonomischen Wert wird.
Nicht zuletzt spielt der Kontext eine Rolle. Die häufige Anmutung urbaner Oberflächen – Backstein, bröckelnder Putz – verbindet museale Präsentationsformen mit Street-Art-Ästhetik. Goldrahmen treffen auf gesprayte Wandfragmente; Hochkultur und Subkultur werden ästhetisch ineinander verschoben. Diese Hybridität verweist auf die Durchlässigkeit kultureller Hierarchien seit der Postmoderne.
Insgesamt erweisen sich die „Künstlerbananen” als konzeptuell stringente Untersuchung darüber, wie Kunstgeschichte visuell erinnert und zugleich transformiert werden kann. Die Banane fungiert als konstantes, aber flexibles Zeichen, das unterschiedliche stilistische Systeme durchläuft und dabei deren Charakteristika sichtbar macht. Hommage und Ironie stehen nicht im Widerspruch, sondern bilden ein produktives Spannungsfeld: Kunstgeschichte erscheint hier nicht als abgeschlossenes Narrativ, sondern als lebendiges Reservoir von Formen, das sich in einem einzigen, ikonisch verdichteten Motiv immer wieder neu artikuliert.
Ausstellungsort
Moderne und zeitgenössische Kunst, Nachlaß Ewald Mataré, Joseph Beuys, Lothar Baumgarten, Stephan Balkenhol, Franz Gertsch, Richard Serra, Jeff Wall, Th. Struth.
Dependance, Kleve
Eine der bedeutendsten architektonischen Kostbarkeiten des 19. Jahrhunderts am Niederrhein. Einzigartiges Mobiliar. Landschaftsgemälde von Barend Cornelis Koekkoek. Malerschule um B.C.Koekkoek, niederländische und deutsche Romantik.
Gehege, Kleve
Museum, Kleve
Geologie der Region. Gesteine und paläontologische Funde vom europäischen Niederrhein. Fossilien aus den eiszeitlichen Geschieben der Rheinebene. Zerstörung des Schwanenturms im Zweiten Weltkrieg, Wiederaufbau, Modell der Burg um 1600, Porträtgalerie.
Museum, Kleve
Schuster-Handwerk, Geschichte der ehemaligen Schuhfabriken in Kleve. Schuh-Sammlung, Dokumente, Vorrichtungen und Maschinen und Werkzeuge zur Schuh-Herstellung.
Museum, Kranenburg
Malerei des 16. bis 20. Jahrhunderts, Skulpturen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Zeichnungen des 17. bis 20. Jahrhunderts, religiöse Volkskunst (alles unter Vorbehalt, da der mißtrauische Vorstand kein Infomaterial herausgibt).
Museum, Bedburg-Hau
Museum, Emmerich
Rund 96.000 Plakate aus aller Welt als Barometer sozialer, wirtschaftlicher, politischer und kultureller Ereignisse, Spiegel geistiger und praktischer Aktivitäten, der lebenszugewandten Seite des Menschen, seines Denkens, Fühlens und Handelns.