Ausstellung 06.07. bis 09.10.22

Schlossmuseum

Und morgen nach Murnau!

Murnau, Schlossmuseum: Mehr als 100 Jahren kehrt das Gemälde „Treppe zum Schloß” von Wassily Kandinsky erstmalig wieder an seinen Entstehungsort zurück. Auch die anderen Werke der Ausstellung haben einen Bezug zur gemeinsamen Murnauer Schaffenszeit des Künstlerpaares Münter und Kandinsky. Bis 9.10.22

Wenige Jahre nach seiner Entstehung 1909 war das Gemälde „Treppe zum Schloß” von Wassily Kandinsky in Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm” in der „Kandinsky Kollektiv-Ausstellung 1902 bis 1912” zu sehen, 1916 wurde es erneut bei Walden ausgestellt, dann aber verlor sich für lange Zeit seine Spur.

Jetzt kehrt es nach mehr als 100 Jahren erstmalig wieder an seinen Entstehungsort zurück. Aus diesem Glücksfall heraus entstand die Idee, eine Ausstellung mit Werken von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky zu konzipieren, die einen Bezug zur gemeinsamen Murnauer Schaffenszeit des Paares haben und sich ebenfalls seit langer Zeit in privaten Sammlungen befinden.

Der russische Kunstlehrer und seine junge Studentin

Ein russischer Jurist, Künstler und Kunstlehrer, liiert mit einer deutschen Kunststudentin. Das ebenso moderne wie unkonventionelle Paar begegnete sich das erste Mal in der Klasse eines Malunterrichts. Sie ist 25 Jahre alt, er 36. Zwei Künstler, die wenig später, jeder für sich, aber gerade aus der Entwicklung der gemeinsamen Schaffenszeit heraus, internationale Kunstgeschichte schrieben.

1908 besuchten sie Murnau als Gäste und von 1909 bis 1914 bewohnten sie überwiegend in den Sommermonaten gemeinsam das von Gabriele Münter gekaufte Haus in der Kottmüllerallee.

Am Ende standen Trennung und langwierige Auseinandersetzungen, die sich noch heute allzu oft biografisch-anekdotisch in den Vordergrund schieben und die großartigen Impulse dieser außergewöhnlichen Zusammenarbeit hin zum künstlerischen Wendepunkt in der Malerei oftmals verdecken.

Parallel dazu vermitteln Fotografien aus dieser Zeit neue Eindrücke, so u.a. aus dem ebenfalls wiederentdeckten und 2021 restaurierten Nachlass des Murnauer Fotografen August Pöltl (1881-1958). Seine Fotos, als auch die seiner Vorgänger und Kollegen, setzen die für das Künstlerpaar so anspornenden Murnauer Jahre mit dem vielfältigen Geschehen am Ort in unmittelbare Beziehung: der Architekt Emanuel von Seidl und sein Freundeskreis verliehen damals Murnau im Rahmen der Ortsverschönerung sein noch heute prägnantes Erscheinungsbild, 1913 wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der Prinzregent-Ludwig-Brunnen vor dem Rathaus eingeweiht, die Villa des Altphilologen und Sammlers James Loeb stand im Rohbau, Inhaber ließen sich vor ihren Geschäften mit dem Personal fotografieren, und stolz präsentieren sich in diesen Jahren auch Murnauer Familien und Vereine.

Zusammen mit den Sammlungsbereichen „Blauer Reiter” und „Gabriele Münter” ist durch die Fülle privater Leihgaben ein intensiver und facettenreicher Einblick in eine Zeit möglich, in der Kandinsky und Münter den Ort als Sommergäste entdeckten, ihn durch ihren Blickwinkel fokussierten und durch ihre Kunst weltberühmt machten.

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