Ausstellung 05.12.21 bis 04.09.22

Bomann-Museum

Vom Wert der Kleidung

Textilien aus dem Nachlass von Arno und Alice Schmidt

Celle, Bomann-Museum: Den Quelle-Katalog nannte der Schriftsteller Arno Schmidt in Zettel’s Traum ein „kulltourhistorisches Dockumännt”. Einige Stücke erzählen besondere Geschichten über den Autor und seine Frau. Bis 4.9.22

Dieser Nachlass vereint mehr als 1.000 Objekte aus sechs Jahrzehnten: die ältesten Kleidungsstücke stammen aus den späten 1930er Jahren, die jüngsten wurden noch kurz vor dem Tod von Alice Schmidt 1983 gekauft.

So zeigt die Ausstellung ein außergewöhnliches Konvolut von besonderem kulturhistorischen Wert, das Kleidungsstücke aller Art umfasst, von der Leibwäsche bis zum Wintermantel. Dabei handelt es sich entsprechend den Lebensumständen der Schmidts nicht um kostbare oder ausgefallene Einzelstücke, sondern um Alltags­kleidung, die wert­ge­schätzt wurde.

Acht biografische Stationen berichten vom Leben des Schriftstellers Arno Schmidt und seiner Ehefrau Alice, die er als Angestellte einer Textilfabrik in Schlesien kennengelernt hatte, von Kindheit und Jugend, den ersten Ehejahren in Schlesien, der Flucht und den darauffolgenden Wanderjahren bis zum letzten Wohnort ab 1958 im kleinen Heidedorf Bargfeld bei Celle. Die politische und ästhetische Radikalität seiner Werke machte Schmidt in den 50er Jahren zu einem umstrittenen Autor. 1973 erhielt er den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt.

Weitere acht Stationen widmen sich dem eigentlichen „Wert” der Kleidung. So zeugen sorgfältig geflickte, umgearbeitete oder zweitverwertete Kleidungsstücke von der Bedeutung jedes einzelnen Gegenstands für die zunächst mittellosen Flüchtlinge. Den Quelle-Katalog nannte er in Zettel’s Traum ein „kulltourhistorisches Dockumännt”. Einige Stücke erzählen besondere Geschichten über den Autor und seine Frau und deren Leben auf dem Land, zum Beispiel ein Pelzmantel aus der DDR oder ein Badeanzug mit Fahrten­schwimmer­ab­zeichen.

Andere Kleidungsstücke aus Schmidts Besitz sind sogar in die Literatur eingegangen. So zeigt die Ausstellung bisher kaum bekannte Aspekte einer denkwürdigen Biografie und 60 Jahre textile Alltags­geschichte in Deutsch­land.

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