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18.6.2026
Festival 2026 Sujet zu „Wo der Attersee zur Musik wird”,
Stutzflügel im Komponierhäusl zu „Wo der Attersee zur Musik wird”,
Der Stutzflügel im Komponierhäusl am Attersee
© R. Göttlinger
Rudolf von Alt, Attersee zu „Wo der Attersee zur Musik wird”,
Rudolf von Alt, Attersee, 1830, Öl/Leinwand
© Residenzgalerie Salzburg, Aufnahme Fotostudio Ulrich Ghezzi, Oberalm
Gustav Mahler zu „Wo der Attersee zur Musik wird”,
Schwarzweißfoto: Moritz Nähr, 1907. Kolorierung: ChatGPT 2026

Beitrag

Wo der Attersee zur Musik wird

Gustav Mahlers Steinbacher Sommer und die künstlerische Kraft einer Landschaft

Rainer Göttlinger, 18. Juni 2026
▸▸ Gustav Mahler Festival

Als ▸Gustav Mahler 1893 nach Steinbach kam, war der Attersee längst entdeckt: schon Rudolf von Alt hatte Ort und See in seinem Frühwerk festgehalten. Jahrzehnte später sollte ▸Gustav Klimt dessen berühmtester Maler werden. Dazwischen steht Mahler. Nicht mit Pinsel oder Zeichenstift, sondern mit Notenpapier.

Der schon in jungen Jahren außerordentlich erfolgreiche Dirigent war zu jener Zeit erster Kapellmeister am Stadttheater in Hamburg, wo er unter anderem die deutsche Erstaufführung von Tschaikowskis „Eugen Onegin” dirigierte – im Beisein des höchst zufriedenen Komponisten. Zum ungestörten Komponieren blieb ihm da nur die sommerliche Spielzeitpause, die er für gewöhnlich in der österreichischen Bergwelt verbrachte.

Mahler war berüchtigt dafür, dass er beim Komponieren absolute Ungestörtheit verlangte. Der Attersee bot damals genau das: er war landschaftlich spektakulär, aber noch weit entfernt vom mondänen Sommerfrischebetrieb. Ein Ort, an dem er arbeiten konnte. Hier vollendete er seine zweite Symphonie, hier entwickelte er seine dritte sowie zahlreiche Wunderhorn-Lieder. Hier entstand erstmals das Konzept des abgelegenen Komponierhäuschens, dem in späteren Jahren noch zwei weitere folgten.

Das einfache Häusl am Seeufer war mit Tisch und Sessel, einem Ofen und natürlich einem Stutzflügel ausgestattet. Dank dreier Doppelfenster und einer Glastür konnte er beim Arbeiten den Blick in die idyllische Landschaft schweifen lassen – dorthin, wo die Hänge des Höllengebirges fast unmittelbar aus dem Wasser aufsteigen. Allein schon diese Verzahnung von See, Wald, Almwiesen und Gebirge dürfte einen Menschen wie Mahler stark angesprochen haben.

Doch Mahler war kein Komponist, der die Natur bloß betrachtete. Er hörte sie auch. In seiner zweiten und vor allem seiner dritten Symphonie begegnen uns ständig Naturklänge: Vogelrufe, Kuhglocken, Märsche aus der Ferne, Volkslieder, das Gefühl weiter Räume und großer Landschaften. Der Attersee bot all das in außergewöhnlicher Intensität. Mahler selbst bemerkte später sinngemäß, man müsse die Natur nicht eigens in seine Musik hineintragen – sie sei bereits darin enthalten.

Nach Mahlers Abschied von Steinbach im Spätsommer 1896 diente das Häuschen jahrelang als Waschküche, Schlachthaus und sogar als Sanitäranlage, was jedoch dessen Verfall verhinderte. Im Jahre 1985 schließlich wurde es durch die Internationale Gustav Mahler Gesellschaft (IGMG) und die Familie Föttinger zu einer Gedenkstätte erhoben und ansprechend eingerichtet.

Wenn wir heute durch Steinbach gehen, sehen wir denselben See, dieselben Berghänge und vielleicht sogar dieselben Lichtstimmungen wie damals. Die Musik, die daraus entstanden ist, müssen wir uns hingegen erst erschließen. Eine unübertreffliche Gelegenheit dafür bietet das jährlich (2026 vom 21. bis 28. Juni) in Steinbach am Attersee stattfindende einwöchige Gustav Mahler Festival: auf dem Programm stehen Konzerte, eine thematische Wanderung zur Dritten Symphonie, eine nächtliche Bootsfahrt, Naturerlebnisse, eine Vortragsreihe, eine Filmvorführung sowie Ausstellungen, Führungen und Podiumsdiskussionen.

Ein wichtiger Programmpunkt neben der Aufführung der Dritten am Abschlusstag ist auch der Kultur-Sommerfrischetag, der die Teilnehmer in das nahe gelegene Schörfling und nach Seewalchen führt. Die außergewöhnliche Tagesreise verbindet die Welten von Gustav Klimt und Gustav Mahler zu einem stimmigen Gesamterlebnis.

Beide Künstler lebten zu unterschiedlichen Zeiten am Attersee. Was den Komponisten und den Jugendstilmaler jedoch verbindet ist die Quelle ihrer Inspiration: Mahler hörte den Attersee und hielt ihn in seiner Musik fest, Klimt fand hier einige seiner eindrucksvollsten Landschaftsmotive. Die Landschaft blieb dieselbe, allein die künstlerische Sprache wechselte.

POI

Museum, Maria Wörth, Maiernigg

Gustav-Mahler-Komponier­häuschen

Gedächtnis­stätte für Gustav Mahler, der in diesem abge­le­ge­nen Häuschen einige seiner Haupt­werke kompo­nierte.

Museum, Toblach

Gustav-Mahler-Komponier­häuschen

Gustav Mahler schuf hier von 1908 bis 1910 die „Neunte Sym­pho­nie”, die un­voll­endete „Zehnte Sym­pho­nie” und „Das Lied von der Erde”.

Museum, Schörfling am Attersee

Klimt Zentrum

Der berühmte Maler ver­brachte die Sommer­monate zwischen 1900 und 1916 regel­mäßig in dieser Region.

Museum, Hamburg

Gustav Mahler-Museum

Gustav Mahler (1860-1911), kom­po­si­to­ri­scher Weg­be­reiter der Moderne. Der schier rast­lose Arbeits­alltag und der weite intel­lek­tu­elle Hori­zont des Künst­lers.

Museum, Wien

Haus der Musik

Museum der Wiener Philharmoniker. Welt der Musik und der Klänge. Große Meister der Wiener Klassik: Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Strauss, Mahler. Virtueller Dirigent. Physics of Sound.

Museum, Steinbach am Attersee i.SKG

Gustav Mahler Kom­po­nier­häusl

Ori­ginal­getreu reno­vier­ter, ein­fach ein­ge­rich­teter Raum mit Tisch und Sessel, Ofen, Stutz­flügel und mit Doppel­fenstern nach drei Seiten.

Museum, Wien

Alber­tina

Kunst von der Renaissance bis in die Gegenwart in einem der schönsten klassizistischen Palais Europas. Sammlung Batliner, ergänzt durch außergewöhnliche Werke von Paul Klee der Sammlung Carl Djerassi und Hauptwerke der Sammlung Eva und Mathias Forberg.

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