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Besuch beim Fossil des Jahres

  • Archaeopteryx zu „Besuch beim Fossil des Jahres”,

Seit dem 10. Januar ist das Jura-Museum in Eichstätt nach einjähriger monetär bedingter Schließung wieder zugänglich. Zeitgleich erklärt die Paläontologische Gesellschaft das prominenteste Schaustück, den „Urvogel” Archaeopteryx, zum „Fossil des Jahres 2020”. Zwei handfeste Gründe also, sich das Museum einmal persönlich anzuschauen.

Allein schon die Zufahrt zur Burg ist ein kleines Abenteuer, denn es gilt, das Auto (wie einst der Burgvogt sein Roß) durch den engen und steilen Burgzwinger zu manövrieren, wo sich im Innenhof der Willibaldsburg ein kleiner Parkplatz befindet. Von dort gelangt man über den äußeren Burghof hinüber zum Kassenraum und nach ausgesprochen warmherzigem Empfang schließlich über den inneren Burghof hinüber ins Museum.

Solnhofener Plattenkalk entstand durch schichtweise Ablagerungen in seichten Lagunen des Jurameeres. Er wurde und wird bis heute in Steinbrüchen abgebaut, um daraus unter anderem Lithographiesteine, also Druckplatten, zu gewinnen. Internationale Bedeutung erlangte der Solnhofener Plattenkalk aber nicht nur durch die Erfindung des Alois Senefelder, sondern durch die in den Platten eingebetteten, außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien.

Ganz besondere Aufmerksamkeit verdient hier natürlich der berühmte Archaeopteryx, der Urvogel mit Reptilienschnauze und Krallen an den Flügeln. Es braucht nicht sonderlich viel Phantasie, um sich das Tier lebend vorzustellen, für alle Fälle gibt es aber in der Vitrine nebenan eine Rekonstruktion. Ausgestellt sind auch die versteinerten Reste eines kleinen Flugsauriers, bei dessen Anblick sich mir die Frage stellt, wie dieses Tier wohl den Überblick über seine Gliedmaßen behalten konnte: die Fingerglieder, die seine Flughäute aufspannten, liegen kreuz und quer über dem filigranen kleinen Körper. Und man sollte auch den Blick nach oben richten, wo das vergleichsweise riesige Skelett eines Flugsauriers eindrucksvoll vor Augen führt, welche Lebewesen vor den Vögeln die Lufthoheit innehatten.

Und wie ging es nach dem Urvogel weiter mit der Evolution der Vögel? Von der Wand grüßt ein Konfuzius-Vogel. Er hat zwar schon einen richtigen Schnabel und wirkt auch sonst etwas vogelhafter. Aber der Weg zum modernen Uhu in der Vitrine gegenüber dauerte noch viele Millionen Jahre.

Es gäbe noch viel zu erzählen über die Tiere des Jurameeres. Insbesondere darf der Juravenator auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben, denn es ist das einzige Exemplar, das jemals gefunden wurde, und er ist ebenfalls außergewöhnlich gut erhalten. Alles in allem läßt sich sagen, daß man jedes einzelne Fundstück auf sich wirken lassen sollte, denn sie alle sind Zeugen einer vor Jahrmillionen existierenden Welt, die offenbar genauso differenziert entwickelt war wie unsere heutige.

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